On the road

Zu Besuch in der Heimat – Kurzurlaub im Schwarzwald!

Zu Besuch in der Heimat – Kurzurlaub im Schwarzwald!

Die Besitzer haben es uns einfach gemacht und alles Wichtige für unsere Ankunft vorab per Email genau beschrieben. Ohne Schwierigkeiten finden wir das Haus am Hang. Wir nehmen den Schlüssel aus dem gesicherten Schlüsselkästchen und schließen die Haustür zu dem schicken Haus auf, dass wir für die nächsten 2 Tage unser Eigen nennen dürfen.

Auf dem langen Esstisch erwartet uns schon ein kleines Geschenk: ein großes Glas Heidelbeermarmelade. Lecker! Für ihre wilden Heidelbeeren ist die Region um das Dorf Enzklösterle bekannt, auch Uli’s Eltern sammeln hier jedes Jahr die feinschmeckenden Beeren. Jetzt im November ist es zum Beeren sammeln natürlich schon zu spät, umso mehr freuen wir uns über den süßen Willkommensgruß. Wir stellen unsere Reisetaschen ab, holen eine Kiste bereits gehacktes Feuerholz aus der Garage hoch und bringen erst einmal den Kaminofen in Gang, der in einer Ecke des kombinierten Wohn- und Esszimmers steht. Schon kurz darauf wird es wohlig warm in der ganzen Etage. Während das Kaminfeuer behaglich vor sich hin knistert, genießen wir einen ersten Kaffee mit Blick über den Schwarzwald und schauen uns im Haus um. Eigentlich ist es mit seinen über 3 Stockwerke verteilten 6 Schlafzimmern und den 3 Bädern ja viel zu groß für uns beide allein – dennoch kommen wir uns aufgrund der gelungenen Aufteilung des Ferienhauses auch zu zweit nicht verloren vor. Ganz im Gegenteil – die aus geschmackvollen antiken und neuen Möbeln kombinierte Einrichtung ist so gemütlich, dass wir uns vom ersten Augenblick an wie zuhause fühlen.

Man spürt die Liebe zum Detail, mit der das Haus eingerichtet wurde. Kein Wunder – Familie Roth, der das Haus gehört und die noch weitere Traumferienhäuser im ganzen Schwarzwald vermietet, sucht die Inneneinrichtung für all ihre Häuser persönlich aus. Das ist ihnen wichtig, erzählen uns Sandra & Heiko, als wir sie auf einen Kaffee in Alpirsbach – also ganz in der Nähe von Biene’s Heimatort Waldmössingen – besuchen. Zur Ferienhausvermietung kamen sie eher zufällig. Beruflich zog die Familie zeitweise ins Ausland und vermietete ihr eigenes Haus für diese Dauer. Nach ihrer Rückkehr richteten sie schrittweise weitere Häuser zeitaufwändig her und bauten sich sukzessive eine Lebensgrundlage damit auf. Ein echtes schwäbisches Self-Made-Familienunternehmen also.

Ausblick nach WestenWir lassen uns einen weiteren Kaffee aus der Maschine in Enzklösterle. Die sympathische Hausverwalterin kommt zur persönlichen Begrüßung vorbei und zeigt uns alles im Haus. Anschließend machen wir es uns auf der Couch gemütlich und schauen zu, wie vor den großen Fenstern leise der erste Schnee des Jahres zur Erde fällt.  Am nächsten Tag haben wir viel vor. Beim Stöbern im kostenlosen eBook mit Ausflugsideen und persönlichen Geheimtipps der Familie Roth haben wir einige kürzere Wanderungen entdeckt, die wir laufen wollen. Aber draußen ist es grau und regnerisch. Und hier drinnen doch so gemütlich…!

…also frühstücken wir erst einmal gemütlich…spielen Brettspiele…Hach, was gibt es Schöneres an einem kalten Novembertag?Uli zaubert uns in der voll ausgestatteten Küche leckere Lasagne…wir legen Holz im Ofen nach…mummeln uns auf der Couch ein…schauen zu, wie dicke Wolken langsam das Tal verhüllen…trinken Kaffee…

…und so gehen wir doch tatsächlich den ganzen Tag nicht vor die Tür – außer, um neues Feuerholz für den Kaminofen zu holen. Es ist einfach zu gemütlich! Als es draußen langsam dämmert, heizen wir die hauseigene Sauna im Untergeschoss an. Ganz für uns gönnen wir uns den Luxus eines entspannten Wellnessabends, bevor wir den Tag bei einem guten Glas Rotwein vor dem Kamin ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen heißt es schon Abreisen. Da wir nur zu zweit sind, sind wir ohne Eile zur Abreisezeit um 10 Uhr fertig. Obwohl wir nur 2 Nächte hier waren, fühlen wir uns wie nach einem Urlaub, als wir die Türe hinter uns zu ziehen. Schön ist, dass wir trotzdem nur 45 Minuten Fahrzeit haben, bis wir wieder zuhause sind. Dieser Kurzurlaub im Schwarzwald hat uns wieder mal gezeigt, wie schön auch unsere Heimat ist!

Und so gehen wir im Anschluss frisch erholt an die Planung für die nächste Etappe unserer großen Reise – denn die wird etwas länger und führt uns auch wieder aus dem Schwarzwald hinaus! 🙂

…was bei der Planung heraus kam, verraten wir Euch sobald es losgeht im nächsten Bericht!

Vielen Dank an Traum-Ferienhäuser Schwarzwald für die Einladung nach Enzklösterle.

Facts & Figures – Neuseeland

Facts & Figures – Neuseeland

Reisedauer:

Wir haben 35 Tage in Neuseeland verbracht. In diesen 5 Wochen haben wir sowohl die Nord- als auch auf die Südinsel bereist. Auch wenn sich viele „Highlights“ Neuseelands in 3 Wochen packen lassen, war uns die Zeit keinesfalls zu lang. Wir hätten im Nachhinein eher unsere Zeit auf Hawaii gekürzt und wären dafür noch 1 Woche länger in Neuseeland geblieben. Gerade für Naturliebhaber, Outdoorsportler und Wanderfreunde hat der kleine Nachbarstaat Australiens jede Menge zu bieten.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in Neuseeland zu zweit 1.355 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 19,35 € pro Person. Obwohl Neuseeland zu den teureren Reiseländern gehört, konnten wir dank Camping und Trampen auch hier sehr günstig reisen. Wir verpflegten uns fast ausschließlich selbst und kauften meist in Supermärkten, kleinen Gemüseländen und an Hof-Direktverkaufsständen ein. Viel Geld kann man bei den zahlreichen – kostspieligen – Extrem-Sportangeboten wie z.B. Bungee-Jumping oder Fallschirmsprünge liegen lassen, für die Neuseeland bekannt ist. Darauf verzichteten wir bei dieser Reise.

Transport:

Dank unseres Experimentes, in Neuseeland ausschließlich auf unseren eigenen Beinen und per Anhalter Strecke zu machen, waren wir einzig auf die Hilfsbereitschaft von Fahrern angewiesen. Das hat auch wunderbar funktioniert und meist wären wir auch mit einem eigenen fahrbaren Untersatz nicht schneller von A nach B gekommen. Unsere einzigen Transportkosten in den 5 Wochen waren die Interislander-Fähre zwischen den beiden Inseln sowie unser Inlandsflug von Christchurch nach Auckland. Davon abgesehen verfügt Neuseeland über eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Für Individualreisende bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Neuseeland auf eigene Faust zu bereisen: es gibt Backpacker-Automärkte, wo bereits fertig ausgerüstete Backpacker-Autos zeitsparend ge- und verkauft werden können, jede Menge Auto- und Wohnmobilvermietungen, Bahnpässe sowie ein gut ausgebautes Fernbusnetz.

TIPP:

Oft lohnt es sich, günstige Inlandsflüge zwischen den Inseln zu recherchieren. Gerade Air New Zealand hat immer wieder günstige Promotionen. Die Flüge Christchurch – Auckland sind so z.B. oft günstiger als ein entsprechender Gabelflug. Uns hat unser Inlandsflug nur 50 NZ$ gekostet (Promotion in Verbindung mit dem Flug nach Hawaii).

Unterkünfte

Definitiv in der Liste der schönsten ZeltplätzeFür einen einfachen Zeltplatz bezahlen wir im Februar/März 2016 meist zwischen 5-10€. Ein Doppelzimmer mit geteiltem Bad im Hostel kostet uns 36 €, unser AirBnB Zimmer mit eigenem Bad in Christchurch 35 €. Das Preis-Leistungsverhältnis der Unterkünfte war in unseren wenigen Fällen immer gut – wir hatten jedes Mal eine Küche, Aufenthaltsraum, Geschirr etc. und Wifi inklusive.

TIPP:

Die Übernachtungen in den Wander-Hütten des DOC sind preislich sehr fair und eine super Option für Wanderer! Die Übernachtungen kann man vorab buchen. Je nach Anzahl der geplanten Übernachtungen rechnet sich ein Hinterland-Hüttenpass. Die Hüttenpässe kann man einfach online oder vor Ort in jedem DOC-Büro buchen.

3 Highlights:

  • Der Motatapu Track! Unsere spontane Wanderung von Wanaka nach Queenstown war landschaftlich das Spektakulärste, was wir uns vorstellen können! Bei absolutem Kaiserwetter die schmalen Berggrade hinauf und hinunter zu keuchen, mit diesen sagenhaften Blicken über die Gebirge XX – einfach unschlagbar!
  • Der Routeburn-Track! Die zweitägige Wanderung auf Neuseeland’s kürzestem Great Walk hat uns so richtig vom Hocker gerissen! Absolutes Highlight war auf jeden Fall unsere Nacht auf dem Berggipfel, in der wir unter freiem Himmel schliefen und die Sterne zum Greifen nah schienen.
  • Das Tongariro-Alpine Crossing und anschließend der Northern Circuit mit Übernachtung im Zelt am Fuße des Vulkans! Das Tongariro Alpine Crossing ist nicht umsonst eine der beliebtesten Tageswanderungen Neuseelands. Die Landschaft hier ist alpin und vulkanischen Ursprungs, also eher karg – und dennoch sind genau diese raue Kargheit, das Lavagestein und die Gesteinsfarben sehr beeindruckend. Auch die Aussicht vom Gipfel des Mt Tongariro, die an einem klaren Tag über die Bergseen bis zum See Taupo blicken lässt, ist absolut fabelhaft.

Ein weiteres Highlight war auch unsere Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark. Und nicht zuletzt unsere Begegnungen mit all den wunderbaren Menschen, die uns ein Stück des Weges mitnahmen; uns Kekse, Pflaumen oder Pfirsiche schenkten und unsere Zeit in Neuseeland zu einer ganz Besonderen machten!

Der Schicksalsberg in ganzer Pracht

3 Lowlights:

  • Uns hat es in Neuseeland bestens gefallen. Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit unseren Landsleuten. Daran gibt es soweit auch gar nichts auszusetzen. Allerdings war es uns dennoch manchmal einfach zu viel Deutsch um uns herum. Schließlich möchte man auf der anderen Seite der Welt halt doch nicht unbedingt das Gefühl haben, irgendwo in Mitteldeutschland zu sein…
  • Als Folge ihrer großen Beliebtheit muss das Begehen der Great Walks mittlerweile über die komplette Saison hinweg reglementiert werden. Das ist gut und wichtig, damit nicht zu viele Wanderer zur selben Zeit auf den Wegen sind. Dadurch werden bei den beliebtesten von ihnen, wie z.B. dem Milford Track, aber auch fixe Buchungen bis zu einem Jahr im Voraus nötig. Was es kurzentschlossenen Reisenden wie uns unmöglich macht, diese tollen Wanderungen zu laufen. Zum Glück wartet Neuseeland mit jeder Menge Alternativen auf.
  • Nope. Uns fällt wirklich nichts mehr ein. 🙂

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  • In den großen Städten dauert es trotz dem höchsten Verkehrsaufkommen immer am längsten, bis man als Anhalter mitgenommen wird.
  • Die Post von Deutschland nach Neuseeland dauert – zumindest in unserem Falle – länger als die offizielle Angabe. Was uns ein aufwendiges Nachschicken von einem neuseeländischen Ort in den nächsten beschert hat. Aber geklappt hat es letztendlich.
  • Die Wolkendecke an der Westküste der Südinsel kann sehr dicht sein. Und muss innerhalb von 3 Stunden nicht unbedingt irgendwann mal aufreißen. Hätten wir gewusst, dass wir wirklich nur graue Suppe statt eisblauem Gletscher sehen, hätten wir unsere Füße samt gesamtem Gepäck an diesem Tag nicht den steilen Pfad hinauf gequält, um einen Blick auf den ewigen Berg aus Eis zu erhaschen.

3 Fun Facts:

  • Mit 38 Grad Neigungswinkel gilt die Baldwin Street in Dunedin offiziell als steilste innerorts gelegene Straße der Welt. Auch der Ort mit dem längsten Ortsnamen der Welt liegt in Neuseeland: es ist Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu in Hawkes Bay. Übersetzt bedeutet der maorische Name in etwa „der Ort an dem Tamatea, der Mann mit den dicken Knien der von Bergen rutschte, sie erkletterte und schluckte und der Erdesser genannt wurde, seinen Lieben auf der Nasenflöte vorspielte„. Poetisch, nicht wahr?
  • Neuseeland hat das weltweit höchste Verhältnis Schaf zu Mensch weltweit: Auf jeden Einwohner Neuseelands kommen ganze 9 Schafe! Auch die Kühe sind stark im Kommen…
  • In der Stadt Auckland leben mit knapp 1,4 Miollionen Einwohner mehr Menschen als auf der gesamten Südinsel. Insgesamt leben in Neuseeland nur ca. 4 Millionen Menschen.
Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Fazit:

Neuseeland hat bei uns einen Stein im Brett. Die Natur, die Menschen, die Mentalität – es stimmt einfach alles! Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke!

Was für eine Aussicht!

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Wir haben es also geschafft. Vom nördlichsten Zipfel bis hinunter in den tiefen Süden führte uns unser Experiment: Einmal quer durch Neuseeland – nur zu Fuß und per Anhalter. Zahlreiche tolle Menschen nahmen uns ein Stück des Weges mit. Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, verschiedensten Alters und Abstammung. Andere Touristen, Einheimische und Einwanderer. Vollkommen verschiedene Charaktere auf den unterschiedlichsten Wegen – persönlich wie wegbezogen. Jeder davon hatte seine eigene Geschichte. Und jeder seinen persönlichen Grund, warum er für uns anhielt. So wie die sympathische Senior-Unternehmerin, die nur wegen Biene’s roten Haaren für uns abbremste – weil ihre Enkeltochter die gleiche Haarfarbe hat. Oder der Techniker auf Geschäftsfahrt, der generell keine Anhalter mitnimmt, die nur am Straßenrand sitzen. Wir liefen aber und durften einsteigen. Eine junge Studentin nahm uns mit, weil sie selbst viel als Anhalterin unterwegs ist; ein älterer Künstler, weil wir ihn an seine früheren Reisen durch Indien erinnerten. Der Telefontechniker hat auf seinen langen Fahrten ins abgelegene Nordland gerne Gesellschaft. Einmal nahm uns sogar ein vollbesetzter Tourbus mit (es nieselte und die Busgesellschaft hatte wohl Mitleid). Einige Fahrer fuhren für uns extra einen Umweg. Manche erzählten aus ihrem Leben, andere hörten lieber unseren Geschichten zu. Mit dem Großteil führten wir interessante Gespräche und ausnahmslos alle fanden unser Vorhaben awesome! 😀 Mit manchen tranken wir nach der Fahrt noch einen Kaffee, mehrere luden uns ein, bei ihnen zu kampieren und nur sehr wenige Male waren wir froh, wenn eine Fahrt ihr Ende fand. Ein Paar konnten wir sogar zum Traum einer eigenen Weltreise inspirieren.

Eines hatten alle Fahrten gemeinsam: die Menschen die wir dabei kennen lernten, wurden zu einem Highlight unserer Reise durch Neuseeland! Und deshalb wollen wir Euch stellvertretend für all die großartigen Geschichten, die wir erlebten, 3 von ihnen vorstellen!

Unsere 3 erinnerungswürdigsten Tramp-Geschichten:

  • Einblicke in den Alltag einer Marihuana-Dealerin

Obwohl diese Fahrt mit ca. 10 Minuten Fahrzeit eine der kürzesten war, bleibt sie uns dennoch lebhaft in Erinnerung! Schwungvoll hält der rote Kleinwagen mit dem schon etwas abgeblättertem Lack neben uns. Die Fahrerin (Mitte 50, stattliche Erscheinung, maorische Abstammung) kurbelt das Fenster auf der Beifahrerseite für uns herunter, fragt wo wir hinmöchten, erklärt uns dass sie nur bis zum Ortsende fährt… – und entschuldigt sich im gleichen Atemzug dafür, dass es in ihrem Auto nach Marihuana riecht. Aber sie sei Marihuana-Dealerin, da ließe sich das nicht vermeiden… Wir schauen uns ungläubig grinsend an und steigen ein. Auf dem Weg zum Ortsende machen wir noch einen kurzen Umweg, um die Tageseinnahmen bei ihrem Großhändler abzuliefern. Kein Problem. Ganz locker-flockig erzählt sie auf unsere neugierigen Fragen auch, wie das Geschäft denn so läuft (sehr gut), ob mehr Einheimische oder Touristen ihre Ware kaufen (sowohl als auch) und wie das alles so abläuft. Zwar fragt sie uns höflichkeitshalber nach unseren Berufen, winkt aber im selben Moment schon wieder ab und sagt, selbst wenn wir Polizisten wären, würde sie das nicht interessieren. Eine wirklich urige Charaktere! Wir haben uns selten vor Lachen die Bäuche gehalten, als wir aus einem Auto ausstiegen. Dieses Mal schon.

  • Gegensätze ziehen sich an: die Lady und die Hippie-Hexe

Der Tag fing gut an. Obwohl am Ortsausgang vor uns schon 3 andere Tramper stehen, dauert es nicht lange, bis ein Auto für uns anhält. Gelenkt wird der große Jeep von einer sehr gepflegten älteren Lady, die uns auf Anhieb sympathisch ist. Wir ihr zum Glück auch. So dürfen wir bei ihr einsteigen, nachdem sie an unserem Englisch hört, dass wir keine Kiwis sind. Ihre Landsmänner nimmt die Dame hier generell nicht mit. Warum, das erzählt sie uns auch gleich: in dieser Gegend liegt ein Gefängnis und viele Häftlinge würden nach dem Verbüßen ihrer Haftstraße die in unsere Fahrtrichtung gelegene Golden Bay ansteuern. Zur Entspannung mit Grünpflanzen… Sagen wir es so: In diesem abgelegenen Örtchen hinter den Bergen machen Leute mit dem selben Beruf wie unsere obige Mitfahrgelegenheit einen sehr guten Verdienst. 😉 Die zart gebaute Dame habe schon mehrere Male Ärger mit aggressiven Mitfahrern gehabt und zwar habe sie einen Selbstverteidungskurs besucht, wolle aber nichts mehr riskieren seit sie über 70 ist. Weil wir ihr aber auf Anhieb sympathisch sind, dürfen wir uns sogar aus der Keksdose bedienen, die sie für ihre Enkelkinder im Auto hat. Die Lady hat einen ausgezeichneten feinen Sinn für Humor und wir unterhalten uns bestens auf der langen Fahrt. So erzählt sie uns auch, wie sie vor Jahrzehnten mit ihrem Mann und ihren 3 kleinen Kindern in einem alten Bus 18 Monate durch Mexiko gereist sind und alle sie damals für verrückt erklärten. Und wie sie und ihr Ehemann ihre erfolgreiche Firma vor wenigen Jahren an die jüngere Generation übergaben, um mit demselben jahrzehntealten Bus samt Hund und Katze für 4 Jahre ihr Heimatland Neuseeland zu befahren. Und sie wieder von allen für verrückt erklärt wurden. Und es zur besten Zeit ihres Lebens wurde. Die Lady erzählt wunderbar und bestärkt uns darin, unseren eigenen Weg zu gehen und unsere Träume zu leben. Als wir die Kleinstadt Nelson erreichen, fährt sie für uns statt der Highway-Umfahrung einmal mitten durch das Zentrum – so hätten wir alles gesehen, was es hier zu sehen gibt und müssten keine weitere Zeit in der Stadt verschwenden. Wir lachen herzhaft – so richtig schätzt sie uns ein. Als wir kurz darauf in Richmond aussteigen, haben wir das Gefühl, diese Dame schon viel länger als nur eine zweistündige Fahrt lang zu kennen. Es ist eine der Begegnungen, die unsere Reise so besonders machen.

Von Richmond aus weiter sollte es eigentlich nur ein kurzer Lift weiter nach Kaiteriteri werden. Dafür steigen wir in das klapprige Auto von Karen ein. Man könnte sagen, das in die Jahre gekommene Hippie-Mädchen ist mit ihrer wallenden grauen Mähne und den Katzenhaaren und Teppichen im Auto vom Typ her das Gegenstück zu unserer vorherigen Mitfahrgelegenheit. Auch diese Fahrt beginnt nett. Dann entscheiden wir uns, mit ihr doch weiter bis nach Takaka zu fahren, um unsere Wanderung im Abel Tasman NP von West nach Ost statt anders herum von Kaiteriteri zu laufen. Hätten wir allerdings gewusst, welches Verhältnis Karen zu ihrer Gangschaltung hat, wären wir vielleicht doch wieder ausgestiegen…. Schon beim ersten Anstieg am Fuße der Takaka Berge werden wir zu Rate gezogen, ob es sich wohl besser im dritten oder vierten Gang hinauf führe. Und dann verwechselt sie doch den zweiten mit dem vierten Gang. Das lustige Ratespiel wiederholt sich in jeder Serpentine der zweistündigen und sehr kurvenreichen Strecke über die Berge. Dass sie vor lauter pflanzlicher Entspannung jedes Schalten mit lautem Überlegen begleitet, viel zu schnell in die Kurven fährt und beim Unterhalten statt auf die Straße zu Biene auf den Beifahrersitz sieht, hilft unserer eigenen Entspanntheit nicht gerade. Und als sie vor lauter Geplapper dann auch noch Biene’s Hand, mit der sie sich in den Kurven am Autorahmen fest hält, im Fenster einklemmt, fährt die Plauderlaune endgültig auf höfliches Nicken und gezwungenes Lächeln zurück. Wir wundern uns so auch nicht mehr, als sie uns anbietet uns bis nach Golden Bay mitzunehmen, wo sie wohne (…) – wir lehnen höflich ab und sind froh, als wir in Takaka die Autotüre hinter uns zumachen können.

  • Peter, der Avocado-Farmer mit den Lachfältchen von George Clooney

Peter hält für uns am Ortsausgang von Whangamata. Nach mehreren kurzen Lifts ist er der erste, mit dem wir an diesem Nachmittag ein ordentliches Stück weiter kommen. Seine verwuschelten blonden Haaren und die Lachfalten in seinem von der Sonne gegerbten Gesicht verraten uns auf Anhieb, dass Peter viel Zeit an der frischen Luft verbringt. Dieser erste Eindruck stellt sich im Gespräch schnell als richtig heraus. Peter hat eine Avocado- und Kiwiplantage. Und er ist der Typ Mensch, mit dem wir rasch von einem interessanten Gesprächsthema auf das nächste kommen, ohne groß überlegen zu müssen. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass Peter uns einlädt, bei sich zu übernachten. Er ist uns so sympathisch, dass wir die Einladung gerne annehmen. Und so schlagen wir an diesem Abend unser Zelt neben Tausenden von Kiwis auf, sitzen mit Peter auf seiner Terrasse mit Blick über den farmeigenen See und kommen sogar zu einer heißen Dusche. Am nächsten Morgen lernen wir bei frisch gebrühtem Kaffee noch einiges über den Anbau von Kiwis und Avocados, dürfen uns die Taschen mit den süßesten Pflaumen füllen, die wir seit langer Zeit naschten, bevor Peter uns in den nächsten Ort fährt. Einfach so.

Uli trampt

Und weil nicht nur diese 3 Begegnungen etwas Besonderes waren, sondern wir jedes Mal Glück verspürten, wenn neben uns ein Auto stoppte, wollen wir auch alle anderen Menschen, die für uns anhielten, nicht unter den Tisch fallen lassen. Es haben uns außerdem mitgenommen (chronologisch geordnet):

  • die Kulturliebhaberin, die uns unseren allerersten Lift direkt vom Flughafen in die Innenstadt gab. Die nette Fahrt sparte uns 50 NZ$.
  • die ältere Dame auf dem Weg in ihren Wochenendurlaub ins Nordland. Sie fragte Uli zuerst, mit wem er unterwegs ist bevor er einsteigen durfte (zeitgleich stand ein sehr nach Langzeitreisender aussehender Tramper mit hüftlangen Deardlocks an derselben Tankstelle).
  • der Milchmann, der unterwegs noch den LKW abladen musste und uns zum Abschied TimTams (diese unwiderstehlich leckeren, australischen Kekse schenkte).
  • das Unternehmerpaar, welches für uns einen Umweg fuhr, damit wir nicht nass werden und deren Tochter als Kayak-Guide auf einem Kreuzfahrtschiff in der Antarktis arbeitet.
  • Bill der Künstler, der uns total wahnsinnig fand, weil wir so ganz ohne Karte und mit bescheidener Ortskenntnis unterwegs waren (war unser erster Tag on the road).
  • das ältere Ehepaar auf dem Weg zum Wochenmarkt, von denen wir alles über die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Manuka-Honigs lernten.
  • der Telefontechniker, der mit uns über den 90 Miles Beach jagte, statt schnöde den Highway entlang zu kurven. Und uns dabei lustige Stories von all den Backpackern erzählte, die er aus genau diesem Strand schon herausgezogen hat, nachdem sie mit ihren Backpacker-Mühlen darin stecken blieben.
  • Mink der angehende holländische Kitesurflehrer, der lieber in seinem umgebauten VW-Bus durch Neuseeland fährt, statt in Europa zu studieren und dessen schönster Tag in seinem Leben der war, an dem er ganz allein mit einem Buckelwalbaby schwamm.
  • Mornie, der bis vor wenigen Jahren noch nicht an Gott glaubte, uns nun aber vor der kurz bevorstehenden biblischen Apokalypse warnte.
  • die 4 Jungs im Kleinwagen, zu denen wir uns noch mit rein quetschen durften, weil sie erst nur Biene sahen. 😀
  • die Aussteigerin mittleren Alters, die sich so sehr freut wenn sie jemanden mitnehmen kann, dass sie darauf bestand, uns soweit wie möglich in die gemeinsame Richtung mitzunehmen – was 200 Meter bis zum nächsten Kreisverkehr waren.
  • der aufgedrehte Gefängniswärter, der schon für uns anhielt, bevor wir überhaupt den Daumen rausstrecken konnten und der schon einen Helikopterrundflug über Hawaii machte.
  • die ältere Dame, die für uns an ihrem Haus vorbei fuhr und uns über eine holprige Schotterstraße weiter bis zum Nationalpark brachte.
  • das tschechische Paar in unserem Alter, das ebenfalls auf Weltreise war und denen wir Reisetipps gaben.
  • das neuseeländische Studentenpaar, die in der Coromandel ihre Semesterferien verbrachten.
  • Dave der Straßenarbeiter auf dem Heimweg, der für uns am Aussichtspunkt hielt und uns ermahnte, beim Wildcampen ja kein Klopapier in der Natur zurückzulassen (machen wir sowieso nie!).
  • das französische Ehepaar, das zum ersten Mal mit dem Wohnmobil und obendrein zum ersten Mal im Linksverkehr unterwegs war (sie nahmen uns an anderer Stelle tags darauf sogar gleich nochmal mit)
  • die beiden Kiwis, die im Sommer als Surflehrer und im Winter als Skilehrer auf der Südinsel arbeiten und das Wochenende im Strandhaus verbrachten der Kayak-Guide, der auf dem Weg zur Arbeit war.
  • die 3 deutschen Camper, die zusammen ein Wohnmobil gemietet und sogar den Hund dabei hatten
  • der Tscheche, der sich in seiner Wahlheimat China so gut integriert hat, dass er fuhr wie all die asiatischen Touristen – und glatt von der Polizei eine Verwarnung für zu langsames Fahren erhielt. 😀
  • Marcus der Life-Coach, der mit seinen 26 Lebensjahren schon erstaunlich weise war und uns zum Abschied einen maorischen Segen gab
  • Damien, der an diesem Nachmittag auf seine Kinder aufpassen musste und mit ihnen, von uns inspiriert, eine Wanderung um den See unternahm.
  • Michael der Hochzeitsfotograf, der uns vom ersten richtig langem Warten am Straßenrand in Rotorua erlöste.
  • Ivan, der aus Südafrika ausgewanderte Jugend-Coach, der gerade erst andere Anhalter abgesetzt hatte und sich freute, direkt wieder jemand mitnehmen zu können.
  • der Spanier Oscar, der in seinem Wohnmobil eigentlich nur eine Person mitnehmen durfte – weshalb sich Biene hinter’m Vorhang verstecken musste statt die tolle Landschaft anschauen zu können.
  • die junge Karrierefrau, die plante ihren Job als Sales Managerin an den Nagel zu hängen um Kunst zu studieren.
  • die alleinerziehende Mutter, die über beide Ohren strahlte, da sie just an diesem Tag einen Heiratsantrag von ihrem Freund bekam.
  • Wilhelm der Hobby-Historiker, der uns alles über die Geschichte Neuseelands erzählen konnte.
  • das Rentnerpaar Wicky & Brian, die ebenfalls auf einem mehrmonatigem Trip waren und von ihrer Patentochter Must-See-Listen für Neuseeland bekamen.
  • die jungen Eltern mit Kleinkind, welches die Neuzukömmlinge neben sich auf der Rückbank sehr unbehaglich fand. der junge Amerikaner, der mit seiner Mutter mehrere Monate durch Neuseeland reiste und dabei alle Action-Sportarten ausprobieren wollte.
  • Liz, die uns ihre leer stehende Pferdekoppel zum campen anbot.
  • das Wanderer-Paar aus England, die anders als wir voll ausgerüstet mit Wanderstöcken, Schienbeinschützern und dehydriertem Vesper wandern gingen.
  • die nach Neuseeland ausgewanderten Deutschen, die sich nicht einig waren, ob der Wochenmarkt ihres Ortes nun groß oder klein ist.
  • die Immobilienmaklerin, die auch sonntags im Dienst war.
  • die sympathische Mutter mit Tochter, die sich zum allerersten Mal in ihrem Leben traute, Anhalter mitzunehmen und deshalb zum Abschied ein Foto mit uns machen wollte.
  • der einarmige Vater, der gerade seinen Sohn zurück zur Mutter brachte und der besser fuhr als so mancher mit 2 Händen.
  • der Pilot, der eigentlich für die Tramperin anhielt, die 50 Meter weiter vorne an der Straße stand und uns dann zusätzlich noch mitnahm.
  • die 2 deutschen Mädels, die am ersten Tag ihren Campervan im Ninety Miles Beach versenkten, am Ende dieses Tages dank des wunderschönen Sonnenuntergangs aber wieder mit dem Tag versöhnt waren.
  • der Außendienstler, der uns mitten im Nirgendwo aufsammelte und uns viel über Flora & Fauna Neuseelands erzählen konnte.
  • das sympathische Kiwi-Paar auf dem Weg zu einer Umweltkonferenz.
  • das deutsche Paar aus Braunschweig, die einen tollen Reiseführer mit dabei hatten, den wir noch überhaupt nicht kannten.
  • William aus Deutschland, der uns mit zu einen Campingplatz nahm, auf dem gefühlt jeder Zweite aus Deutschland war.
  • 2 junge Australier aus Sydney, die für uns von der Hauptstraße abbogen und uns die 2 km zum Ausgangspunkt unserer Gletscher-Wanderung fuhren.
  • der vollbesetzte Tourbus, dessen Insassen ihre Reiseführer einstimmig dazu überredeten, uns mitzunehmen.
  • das junge Geschwisterpaar aus England, die sich spontan dafür entschieden, gemeinsam für einige Monate Neuseeland zu erkunden.
  • der Helikoperpilot, der seinen guten Tag hatte und uns anbot, unser Zelt in seinem Garten aufzuschlagen.
  • der Südtiroler, der endlich mal wieder auf einen Gletscher steigen wollte.
  • das junge Pärchen mit den unaussprechlichen Namen aus Litauen, mit denen wir unterwegs nach einer Seehundekolonie Ausschau hielten, zu 2 Wasserfällen wanderten, Fotostopp am See Wanaka machten und Fish & Chips essen gingen.
  • Tracy, die jedes Jahr mit Freunden ein Campingwochenende in Wanaka verbringt.
  • das einheimische Paar, das uns in ihrem Geländewagen mitnahm und uns damit einige Flussdurchquerungen mit nassen Füßen ersparte.
  • der junge Familienvater & Hausbesitzer aus Queenstown, dessen Eigenheim in nur einem Jahr durch die gestiegenen Eigentumspreise in Queenstown seinen Wert verdoppelte.
  • das australische Paar, dass glücklicherweise für uns gar nicht genug Fotostopps auf der Strecke von Queenstown nach Glenorchy einlegen konnte.
  • das Goldgräberpaar, das auch im Urlaub immer die Goldschürfausrüstung im Kofferraum dabei hat.
  • Derrick, dessen Sohn als verantwortlicher Jurist mitgeholfen hat, das umstrittene TTIP-Abkommen zwischen Neuseeland und den USA auszuarbeiten.
  • Anita & Peter, die vielleicht in einigen Jahren selbst noch auf Weltreise gehen werden?
  • Mick, der beim Arbeiten als Kayakguide im Milford Sound ständig mit Seerobben und Delfinen paddeln darf.
  • der schweigsame Kiwi, mit dem wir zum ersten Mal keine gemeinsamen Gesprächsthemen fanden.
  • das philippinische Paar, in deren Auto laute Gute-Laune-Musik läuft und die sich riesig freuten, dass uns ihr Heimatland so gut gefallen hat.
  • der schwule Modehauseinrichter, dessen Fingernägel besser manikürt waren als die von Biene.
  • der Kiwi, der uns nach langem Stehen an einer vielbefahrenen Zufahrt zum Highway mitten in der Stadt (hier dauerte es immer am längsten) mitnahm.
  • der tschechische Backpacker, der die Nacht durchfuhr, um in Dunedin seinen neuen Van abzuholen und der für uns einen Umweg zum Flughafen machte (wo wir unser kostenloses Mietauto abholten).
  • Kim, unsere AirBnB-Gastgeberin in Christchurch, die uns super bemerkenswerterweise morgens um 5 Uhr zum Flughafen fuhr.

Ihr wart alle großartig! DANKE!!

Eine Wildwasserrutsche, die Datumsgrenze und viel Kava – Fiji pur auf Taveuni & Vanua Levu

Eine Wildwasserrutsche, die Datumsgrenze und viel Kava – Fiji pur auf Taveuni & Vanua Levu

DIE GARTENINSEL TAVEUNI

Mit dem kleinen Hotelboot geht es nach 3 Tagen endlich wieder zurück nach Taveuni. Taveuni wird auch Fiji’s Garteninsel genannt. Auf der tropisch immergrünen Insel wird ein Großteil des fijianischen Gemüses angebaut. Das Innere der Insel ist mit dichtem Regenwald bewachsen, relativ unzugänglich und Naturschutzgebiet. Hier regnet es ganzjährig viel. Auf der Insel gibt es nur eine richtige Straße entlang der Westküste. Diese ist den größten Teil der 50 km geschottert und ein reifengroßes Schlagloch jagt das Nächste. Nur einen kurzen Spaziergang von der Hauptstraße aus teilt der 180. Längengrad die Insel in Ost und West! Damit würde genau genommen genau hier die Internationale Datumsgrenze verlaufen. Damit aber nicht die Bevölkerung im Osten Taveuni’s im Verhältnis zum Rest des Landes im Gestern lebt und Fiji nicht in 2 Zeitzonen geteilt ist, wurde die Internationale Datumsgrenze kurzerhand drumrum verlegt. Wenn ihr Euch mal die Datumsgrenze auf dem Globus anschaut, könnt ihr erkennen dass in der ansonsten schnurstracks verlaufenden Linie ein großes Eck ist – genau dort liegt Taveuni 🙂

Wir bekommen einen Lift und fahren ganz in den Süden der Insel. Hier wollen wir am Vuna Riff schnorcheln, das genau vor der Küste liegt. Allerdings brauchen wir zuerst einen Schlafplatz. In Fiji leben die Menschen außerhalb der Städte noch in engen Dorfgemeinschaften zusammen, deren Oberhaupt ein Chief ist. Da der Chief von Vuna gerade nicht zuhause ist, lassen wir uns von den Kindern des Dorfes zu dessen Stellvertreter führen. Dieser erlaubt uns, am Strand zu campen. Damit kommt unser in Australien gekauftes Zelt zu seinem ersten Einsatz. Hier kommen nicht oft Touristen her und wir sind die Attraktion für die Dorfjugend, die uns enthusiastisch beim Zeltaufbau hilft. Die Kinder zeigen uns auch, wo im Meer die Frauen baden und wo die Männer ins Meer springen (beide Geschlechter in T-Shirt und Shorts). Geschnorchelt sind wir letzten Endes nicht, dafür haben wir spannende Begegnungen mit den Menschen des Dorfes. Vor unserer Abreise am nächsten Morgen werden wir noch mit Papayas, Kokosnüssen und Cassava überhäuft.

Dann geht unsere Reise mit einem alten Bus bei fröhlicher Inselmusik wieder zurück in den Norden. Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Geheimtipp. In der Nähe des Dorfes Waitavala gibt es einen rauschenden Gebirgsbach. Die Felsen im Flussbett wurden im Laufe der Jahrzehnte vom Wasser abgeschliffen und irgendwann fingen die Jungs des Dorfes an, die rauschenden Fluten hinunterzurutschen. Klar, dass wir diese natürliche Wildwasserrutsche ausprobieren müssen 😀

Ein paar einheimische Jungen zeigen uns sofort hilfsbereit die Abschnitte an denen es sicher ist zu rutschen. Das Wasser ist eiskalt und die Strömung schnell. Wir stürzen uns abenteuermutig in die Fluten, werden wie in einer Waschmaschine durchgewirbelt, an den Stromschnellen untergetaucht und 100 m flussabwärts wieder ausgespuckt. Es ist ein fantastischer Spaß!

Seht selbst, wie wild die Fahrt in der Wildwasserrutsche ist:

 

Die einheimischen Jungs sind wahre Experten. Sie surfen stehend flussabwärts und haben jede Menge anderer waghalsiger Tricks drauf. Nach 2 Rutschdurchläufen haben wir uns genügend blaue Flecken geholt und springen mit den Buben an einer tiefen Stelle noch einige Male von den bis zu 5 m hohen Felsen ins Wasser. Ein genialer Nachmittag!

Früh am nächsten Morgen wollen wir mit der Fähre weiter auf die Insel Vanua Levu. Daher haben wir eigentlich vor, für die kurze Nacht in der Nähe der Warft unser Zelt aufzuschlagen. Als wir auf dem Weg zur Waitavala Waterslide aber eine der Dorfbewohnerinnen nach dem Weg fragen und mit ihr ins Gespräch kommen, lädt sie uns kurzerhand ein, bei sich zu übernachten. Wir können quasi gar nicht ablehnen.

Was folgt, ist einer der authentischsten Abende in Fiji und das beste Beispiel für die großartige Gastfreundlichkeit der Fijianer. Obwohl wir sagen dass wir nicht besonders hungrig sind, besteht Francis darauf, für uns Abendessen zu kochen. Es gibt köstlichen, frischen gefangenen Mahihami, Cassava und Reis. Nach fijianischer Tradition isst nur der Mann im Haus (Jim, Francis' großer Bruder) mit uns den Gästen, Francis und die Kinder essen erst im Anschluss. Für uns sehr ungewohnt! Zum Essen sitzen wir auf geflochtenen Bastmatten auf dem Boden und essen mit den Händen. Francis und Jim sind ausgezeichnete Gastgeber und wir erfahren an diesem Abend viel mehr über die Geschichte, Politik, Kultur und Sprache Fijis als wir ansonsten die Chance gehabt hätten. Nach dem Essen spielen wir mit den Kindern Indian Karum, eine Art Tischbilliard bei der Mühlesteine mit den Fingern geschnipst werden. Zum Schlafen wird uns im Esszimmer ein Lager aus Bastmatten auf dem Boden ausgebreitet. Noch im Morgengrauen macht uns Francis Frühstück bevor uns Jim zur Fähre fährt. Alles außer unserem "Dankeschön" wird vehement abgelehnt.

VANUA LEVU

Nach 1 1/2 Stunden Bootsfahrt erreichen wir Vanua Levu, Fiji's zweitgrößte Insel. Mit dem lokalen Bus geht es in weiteren 2 Stunden auf dem Hibiscus Highway über die Insel und wir sehen, dass auch Vanua Levu sehr grün ist. Unser Ziel ist die kleine Stadt Savusavu. Hier hat es etwas außerhalb auch nochmal einige tolle Schnorchelspots. Außerdem gibt es einen Yachthafen, einen Markt und heiße Quellen, in denen die Frauen abends ihr Essen garen.

Da es ansonsten in dem kleinen Städtchen nicht viel zu entdecken gibt, brechen wir 2 Tage später wieder auf nach Viti Levu. In einem langen Reisetag fahren wir zuerst 3 Stunden mit dem Bus in den östlichsten Zipfel Vanua Levu's. Von hier bringt uns eine vierstündige Fährfahrt zurück nach Viti Levu. Nochmal 2 Stunden später erreichen wir mit dem Bus wieder die Hauptstadt Suva. Nach einer weiterer halbstündigen Busfahrt kommen wir schließlich in derEco-Lodge des Colo-i-Suva Regenwaldes an.

COLO-I-SUVA

In der Eco-Lodge bleiben wir 2 Nächte und es gefällt uns richtig gut. Das Wetter passt zum Regenwald - es ist nieselig und regnet immer wieder. Perfektes Wetter, um unseren Blog auf Vordermann zu bringen. Und auf unserer überdachten Terrasse über den dampfenden Regenwald zu blicken und den exotischen Vögeln zu lauschen.

Wäre Deutschland die Kimberleys Wildnis – ein Gedankenspiel.

Wäre Deutschland die Kimberleys Wildnis – ein Gedankenspiel.

Wie wir schon kurz im letzten Bericht erwähnt haben, entspricht die Kimberley Wilderness ziemlich genau der Fläche Deutschlands (ganz genau genommen ist dieser Zipfel Australien´s sogar 100 000 Quadratkilometer größer)… Also. Wenn wir dieses Gedankenspiel mal weiter spielen, sähe Deutschland hier so aus:

Da haben wir die Gibb River Road. Stellt Euch diese als die Autobahn Stuttgart-Bremen vor. Das kommt von der Länge ungefähr hin. Das wäre die einzige Straße in ganz Deutschland, die keine Stichstraße ist. Natürlich ist sie nicht geteert wie eine Autobahn. Sondern geschottert. Je nachdem, wieviele Wochen vergangen sind, seit die Planierraupe das letzte Mal die Oberfläche begradigt hat, ist die Piste der Gibb auch ziemlich stark geriffelt. So stark, dass es nur 2 Möglichkeiten gibt, die 659 km lange Strecke einigermaßen bequem zu befahren:

  • 15 km/h!
    Mit dieser Geschwindigkeit wird langsam jede einzelne Bodenwellen ausgefahren. Dadurch spart man sich, alle 10 Zentimeter durchgeschüttelt zu werden. Geht, aber – geht ewig!
  • 90 km/h!
    Mit genügend Schwung wird über die Piste gebrettert und dabei quasi auf den Kuppen über die Bodenwellen drüber geflogen. Sitzt sich dann ganz bequem. Allerdings ist diese Variante ein echter Härtetest für alle möglichen Fahrzeugteile und alles im Fahrzeug vibriert. Lautstark. Jepp – natürlich ist das die Option, die wir gewählt haben 😀 Unseren Lion King haben wir schließlich nicht nur aus Spaß gekauft – hier durfte er mal beweisen, was in ihm steckt! Und er hat es mit Bravour gemeistert – allerdings sahen wir einige andere Jeeps mit gebrochenen Stoßdämpfern liegen bleiben.

WennNasse Füße vor einem der große Rindertransport fährt, wird auch mal kilometerlang nur mit 30 km/h gefahren. Drängeln tut hier keiner. Dafür grüßen sich die Fahrer beim entgegen kommen auf der Straße gegenseitig meist per Hand heben. Wenn nicht gerade durch den voraus fahrenden LKW soviel Staub aufgewirbelt ist, dass man sowieso nichts sieht.

Bleiben wir beim Beispiel Deutschland. Die 16 Bundesländer sind die über das Bundesgebiet verteilten Farmen. Das stimmt auch in Bezug auf die Grundstücksgröße ganz gut überein. Während einige Bundesländer gerne Besucher aufnehmen, Zwischen Stalktiten im Tunnel Creekmachen andere lieber ihr eigenes Ding und sehen sich wie Bayern auch gerne scherzhaft als eigenes Land 😉 So ist es hier mit dem nordöstlichen Gebiet der Aborigines-Gemeinden, das nicht ohne vorher eingeholte Sondergenehmigung bereist werden darf.

Von der einzigen öffentlichen Straße Stuttgart-Bremen zweigen an wenigen Stellen kleinere, schlechter ausgebaute Straßen zu den örtlichen natürlichen Sehenswürdigkeiten wie den Schwarzwald, die Mecklenburgische Seenplatte oder den Thüringer Wald ab. Es sind allerdings Stichstraßen. So kann es schonmal vorkommen, dass man für ein abkühlendes Bad in einer Schlucht erst 3 Stunden in die eine Richtung und anschließend auf der anderen Spur wieder 3 Stunden zurück in die Richtung fährt, aus der man gekommen ist.

Mitchell FallsWill man nach Hamburg, fährt man dafür noch etwas länger – nämlich nochmal 162 km holprig-geschotterte Kilometer. Das ist dann der nördlichste und abgelegenste Punkt, den man ohne Boot, Flugzeug oder Sondergenehmigung erreichen kann. Die Attraktion hier sind die weltweit größten Gezeitenunterschiede mit einem Höhenunterschied von bis zu 11 Metern. Das ergibt an einer Engstelle einen beeindruckenden horizontalen Wasserfall, durch den sich die Wassermassen pressen. Wie das in Hamburg so ist, sieht man aber leider nur die Elbe und nicht das Wattenmeer. Um den horizontalen Wasserfall zu sehen, müsste man in einen der Helikopter steigen, mit denen man Rundflüge unternehmen kann. Oder einem genügt Die 4-stufigen Mitchell Fallsdie kleine Hafenrundfahrt, die hier eine halbtägige Wanderung zu den -vertikalen- Mitchell Wasserfällen ist. St. Pauli ist der Picknicktisch auf dem kleinen hiesigen Campingplatz. Anders als auf dem Kiez kommt es aber eher selten zu alkohol-bedingten Ausfällen. Es gibt nämlich in ganz Deutschland keine Möglichkeit, Alkohol zu kaufen. Da will der als Vorrat in Italien eingekaufte Karton mit 36 Dosen Bier schon eingeteilt werden. Den nächsten Getränkemarkt gibt es nämlich erst wieder in Schweden.

Wie das so ist in Deutschland, sind einige Bundesländer in Sachen Natur mit mehr Attraktivität gesegnet worden als andere. Während nicht unbedingt jeder Besucher an die hessische Rhön fährt, zieht es schon mehr Touristen nach Baden-Württemberg zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands. Natürlich lässt sich BW das bezahlen. So ist es hier mit den Schluchten. Liegt eine Schlucht nicht in einem der vereinzelten Nationalparks, sondern zufällig auf einem der privaten Grundstücke, wird eine kleine bis größere Gebühr an den Grundstücksbesitzer zur Benutzung seiner Straßen und als Eintrittspreis fällig.

In der Hauptstadt wohnen statt 3,5 Millionen Menschen nur etwa 500 Einwohner. Diese setzen sich zusammen aus den Bewohnern des kleinen Aborigines Dorfes und der Tankstelle, die beieinander ungefähr auf halbem Wege an der Straße Stuttgart-Bremen liegen. Bleiben wir noch etwas bei Berlin: Was dort der Ku´damm ist, ist hier die Flussüberquerung des Pentecost Rivers. Mit einer beeindruckenden Breite und dennoch überschaubar eignet er sich hervorragend zum sehen und gesehen werden. Und natürlich zum Erinnerungsfotos schießen. Daher fahren viele (wir natürlich auch 🙂 ) gleich dreimal durch den Fluss.

Lion King vor seiner bisher herausfordernsten Flussüberquerung

Anstelle des KaDeWes ist die kleine Tankstelle bei Einheimischen wie Touristen die erste Adresse für den Einkauf. Hier gibt es überteuerte Snacks, einen angeschlossenen Minimarkt mit einem bunten Sortiment von Jeans über Kühlschränke bis zu Schubkarren und je eine Zapfsäule für Benzin bzw. Diesel.

Die Hauptattraktion ist zwar kein Fernsehturm, hat allerdings auch mit Kommunikation zu tun: Es ist der Münzfernsprecher, der an der Außenwand des blechernen Tankstellengebäudes angebracht ist. Das ist nämlich die einzige Möglichkeit in Deutschland, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Handynetze gibt es schlicht nicht.

Woran es in Berlin noch hapert, nämlich am zügigen Flughafenbau, haben die Einheimischen aus der Notwendigkeit heraus besser im Griff. So verfügt eigentlich jede der 16 Farmen über eine eigene Start-/Landebahn. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass keine überdimensionalen Terminals und sonstiger Schnickschnack dazugebaut wird. Einfach eine ebene Piste auf der riesigen Sandebene planieren, und fertig.,

Das ist auch wichtig, weil das oft in der Kritik stehende Gesundheitssystem tatsächlich noch lange nicht befriedigend ausgebaut ist. Es gibt in Deutschland keine Krankenhäuser. Auch keine Arztpraxen. Wenn Not am Mann ist, müssen die Fliegenden Doktoren aus dem Nachbarland einfliegen. Da ist man also lieber vorsichtig, nur in als krokodil-sicher eingestuften Gewässern zu baden. Sonst herrscht aber nicht viel Gefahr.

Das einzige überlebende Großraubtier Deutschlands ist der Dingo. Der klaut zwar schon mal (unsere) Turnschuhe, hält sich aber ansonsten eher von Menschen fern. Und nachts ist es so leise, dass man ihn sogar manchmal in der Ferne heulen hören kann. Und weil es keine störenden Straßenbeleuchtungen gibt, ist es nachts auch so dunkel, dass der Himmel nur so funkelnd vor Millionen von Sternen. Da macht es auch nichts aus, zum aufs Klo gehen die Taschenlampe mitzunehmen, damit man die grasenden Kühe im Busch rechtzeitig sieht. Und wenn man mehr Licht braucht, kann man ja immer noch ein Lagerfeuer aus dem vielen trockenen Holz anzünden, dass hier überall verstreut liegt. Das macht man als Einheimischer nämlich so. Gleichzeitig ist das dann auch der Herd zum Stockbrot backen und Lammkotletts grillen. Und morgens wird in der noch heißen Glut das Wasser für den ersten Kaffee gekocht, der unter dem durch die fehlende Luftverschmutzung strahlend blauen Himmel gemütlich getrunken wird…

Es ist also eigentlich ganz schön hier. In Deutschland…oder den Kimberleys. Wie auch immer man das jetzt nennt 🙂

So wunderschön sind die Sonnenuntergänge im Outback

Das Ningaloo Reef – dream big and believe in yourself!

Das Ningaloo Reef – dream big and believe in yourself!

…oder eine Geschichte von der Wichtigkeit, an sich selbst zu glauben!

Die North-West-Cape Peninsula! Unser nächstes Ziel. Wieder eine Halbinsel, wieder UNESCO Welterbe und wieder ist die Unterwasserwelt der Grund für unseren Abstecher. Hier liegt der kleine Bruder des Great Barrier Reefs, das Ningaloo Riff. An einigen Stellen ist das insgesamt 250 km lange Riff nur 100 Meter vom Strand entfernt, was es zu einem der am leichtesten zugänglichen Riffe und perfekt für das Schnorcheln vom Strand aus macht.

2 recht lange Tagesetappen durch die rote Prärie Westaustraliens nach Norden bringen uns hin. Die Landschaft ist minimalistisch, nur blauer Himmel und rote Steppe – und hat trotzdem oder gerade deshalb ihren eigenen Reiz. Unterwegs halten wir nur in dem kleinen Marktstädtchen Carnarvon, um uns zu günstigeren Preisen als in den Supermärkten mit frischem Obst und Gemüse direkt von den umliegenden Farmen einzudecken. Außerdem bestaunen wir im Raumfahrts- und Wissenschaftsmuseum den Erd-Kommunikations-Turm, über den die Mondlandung 1986 live in Australien übertragen wurde.

Kurz bevor wir tags darauf an unserem Ziel ankommen, überqueren wir endlich eine geografische Marke, auf die wir im kalten Süden wochenlang sehnsüchtig mit dem Finger im Atlas getippt haben: den tropischen Gürtel von Capricorn! Hier wollten wir hin! Ab jetzt sind wir wieder in den Tropen!

Zunächst merken wir davon aber leider nicht viel. Ziemlich genau als wir im nett winzigen Feriendorf Coral Bay ankommen, unsere Schnorchelausrüstung auspacken und ins Wasser springen wollen, verdunkelt sich der Himmel. Es sieht verdächtig nach Regen aus. Und es ist windig. Dementsprechend aufgewühlt ist der Meeresboden und die Sicht nicht optimal. Wir gehen zum ersten Mal drift-schnorcheln. Dabei lassen wir uns einfach von der starken Strömung, die hier herrscht, über bunte Korallen, große Farne und an vielen Fischen vorbeitreiben. Kaum sind wir aus dem Wasser, öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet. Zum Glück haben wir unser Auto dabei, in das wir uns verkriechen können. Wir finden ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen einige Kilometer entfernt zwischen meterhohen Dünen. Trotz dem stürmischen Wetter strahlt das Meer in türkisblau. Wir können uns vorstellen, wie wunderschön es hier bei Sonnenschein aussieht. Ziemlich früh verkriechen wir uns in unsere Höhle. Erst gegen Mittag am nächsten Tag hört es kurz auf zu regnen. Bei der Fütterung von Snapper-Fischen an Coral Bay´s Strand erfahren wir von Einheimischen, dass es hier so gut wie nie regnet. Alle sind ganz aus dem Häuschen, weil das Meer heute sogar wellig ist – was sonst wohl so gut wie nie vorkommt Da haben wir ja ein grandioses Timing! 😉

Da es bei schlechtem Wetter in Coral Bay, das aus 4 Campingplätzen, 2 Pubs, 1 Bottleshop und 1 Hostel besteht, nicht viel zu tun gibt und die Wettervorhersage nicht viel Besseres verspricht, fahren wir weiter. Gute 2 Autostunden Fahrt entfernt liegt Exmouth. Der kleine Ort selbst ist ein aus dem Boden gestampftes Ferienresort und macht einen Australien-untypisch lieblosen Eindruck. Es gibt ein kleines Ortszentrum mit Supermarkt, Friseur, 1 Pub und 2 Souvenirläden. Und jede Menge Touranbieter, mit denen Outdoor-Enthusiasten voll auf ihre Kosten kommen können. Von Quadtouren über Paragliding, Schiffswracktauchen und Tauchen mit Mantarochen bis zu Schnorchel- und Walsichtungs-Bootstouren ist alles im Angebot. Wenn man gewillt ist, die Preise australischen Standards zu bezahlen. Eher nicht Backpacker-Niveau.

So. Bis hierhin ist das ganze ein üblicher unserer Reiseberichte. Was diesmal anders ist? Es hat mit der „Hauptattraktion“ des Ningaloo Reefs zu tun. Die, wegen der die vielen Touristen jedes Jahr zwischen Mai und August hier her strömen und weshalb Exmouth überhaupt existiert. Sie ist bis zu 18 m lang und der größte Fisch der Erde: die Rede ist von Walhaien!

Diese freundlichen Riesenfische migrieren jährlich über die Wintermonate her, um im planktonreichen Wasser ihren Winterspeck aufzustocken. Und hier besteht die Möglichkeit, sehr umwelt- und tierfreundlich mit ihnen zu schnorcheln. Leider sind aber auch die Preise dafür anders als auf den Philippinen… Nämlich sehr teuer! Ein Tagesausflug kostet je nach Anbieter zwischen 300-400 Euro pro Person! Das wussten wir schon, bevor wir herkamen und hatten deshalb eigentlich entschieden, uns mit den kleineren Fischen zu begnügen und nur vom Strand aus am Ningaloo Reef schnorcheln zu gehen. Aber wir – und vor allem die Meerjungfrau von uns beiden 😉 – würden ja schon soo gerne…. Was für eine Gelegenheit… Wenn wir schonmal hier sind und es gerade Saison ist… Wer weiß schon, ob wir es anderswo auf unserer Reise nochmal so treffend erwischen… Und wir hatten auch schon eine Idee, wie wir es anstellen könnten, vielleicht doch eine Schnorcheltour mit diesen Riesen des Meeres machen zu können. Also nahmen wir vor Ort Kontakt mit einem der Anbieter auf. Es klang auch ganz vielversprechend, allerdings seien bis in die nächste Woche hinein alle Touren aufgrund des schlechten Wetters die Tage zuvor bereits ausgebucht. Er wolle sich aber so bald wie möglich mit einer Entscheidung per Email zurück melden.

Zwischenzeitlich machen wir uns erst mal auf in Richtung des Cape Range Nationalpark. Hier gibt es 50 km wunderschöne Buchten, ein Jahrtausende altes Kalksteingebirge, tiefe Canyons und das Ningaloo Riff kommt bis auf 100 Meter an die Küste ran. Petrus war auch wieder gnädig gestimmt und ließ die Sonne scheinen, sodass das Wasser in schönstem türkisblau leuchtete und die Wellen sanft an den Strand schwappten. Wir waren überglücklich, dass wir unser mobiles Zuhause hatten und wählten unseren Schlafplatz in einer der einsamen Buchten ganz ungestört direkt zwischen den Dünen. Herrlich! Zum ersten Mal seit Wochen war es bis tief in die Nacht hinein wieder herrlich warm, wir hatten einen Traum-Stellplatz am Meer und vielleicht konnten wir sogar doch noch mit Walhaien schnorcheln. Was will man mehr?

Am nächsten Morgen entdecken wir als erstes Tausende von Krebsspuren im Sand um uns herum. Sogar unser draußen gelassenes Geschirr ist angeknabbert-Krebse scheinen wie wir auf Thai-Curry abzufahren 🙂 Bei nur ab und zu vorhandenem Empfang rufen wir morgens immer mal wieder unsere Emails ab, aber bisher hat sich der Touranbieter noch nicht zurückgemeldet. Also fahren wir wie geplant in den Cape Range Nationalpark, um hier vom Strand aus zu schnorcheln. Obwohl es viel weniger bekannt ist als das Great Barrier Reef, ist das Ningaloo Riff ein Refugium für viele seltene Tierarten wie Seekühe, Rochen und verschiedene Meeresschildkröten, die an den geschützten Stränden des Nationalparks im Sommer ihre Eier legen. Unser erster Schnorchelspot ist die Turquoise Bay. Die Bucht ist schon mehrmals als „schönster Strand Australiens“ ausgezeichnet worden – wir finden sie auch schön, aber unter unsere Top 5 australischen Strände würde sie es wohl nicht schaffen. Vielleicht waren die Juroren aber auch nicht überall, wo wir schon waren 😉

Dafür lässt die Unterwasserwelt beim drift-schnorcheln nichts zu wünschen übrig. Wir wissen nicht genau, ob wir alle der 500 Fischarten und der über 300 verschiedenen Korallenarten gesehen haben, die hier ihren Lebensraum haben 😉 aber es gibt so einiges zu bestaunen durch die Tauchermasken. Das Highlight ist eine riesige Meeresschildkröte, so groß wie wir es noch nie gesehen haben, zu der Biene von einer anderen Schildkröte quasi „hingeführt“ wurde. Wow! Auch unser zweiter Schnorchelgang in der Lakeside Bucht ist traumhaft! Bei einer super Sicht entdecken wir hier einen beeindruckend grooooooßen Stachelrochen, der so aus der Nähe betrachtet mit seinem langen Stachel sehr majestätisch´ aussieht! Und nur ein kleines bisschen gefährlich 😉

Wir verbringen eine weitere idyllische Nacht zwischen den Dünen direkt am Meer und genießen die Wärme, den Sonnenuntergang und ein gutes Glas Wein.

Leider hat uns aber auch am nächsten Morgen immer noch keine Email erreicht. Da wir sowieso nicht so recht daran glauben, dass unser Angebot für eines der Unternehmen interessant genug ist um mit uns einen Deal für eine Walhai-Tour abzuschließen, beschließen wir an diesem Tag weiterzufahren, ohne nochmal groß in Exmouth anzuhalten. Tja, hätten wir mal lieber noch einen Tag an unserem wunderschönen Strand verbracht…!

Aber so fahren wir über die Halbinsel wieder zurück und schon kurz nach Exmouth verlässt uns der Handyempfang für den Rest des Tages. Unterwegs entdecken wir die ersten großen Termitenhügel, die für das Top End Australien´s so typisch sind. Wir übernachten nach einer Fahrt bis zum Sonnenuntergang mitten im Nirgendwo, um uns herum nur roter Sand und endloser Horizont.

Und so sehen wir erst einen Tag später und 600 km weiter, dass wir eine ganze Reihe verpasster Anrufe und eine Nachricht per EMail erhalten haben: Wir könnten dann mit den Walhaien schnorcheln gehen. Schon morgen. Zu einem Preis, der absolut annehmbar ist. Es war zum Heulen! Und tatsächlich fließen an diesem Morgen zum ersten Mal auf unserer Reise bei Biene ein paar Tränen der Enttäuschung und des Frusts! Da hilft nicht mal das große Magnum was, das Uli zum Trost kauft! 😉 Hätten wir doch nur… aber jetzt bringt alles nichts mehr. Auch die Überlegung, wieder zurückzufahren verwerfen wir schließlich – mit den zusätzlichen Spritkosten hätten wir nichts gewonnen. Wir haben es vermasselt. Die Walhaie. Und die Gelegenheit.

Aber eines haben wir hoffentlich aus dieser Erfahrung und der verpassten Chance gelernt: an uns und unsere Ideen zu glauben! Und vielleicht, nur vielleicht, hat sich diese große verpasste Chance dann ja irgendwie gelohnt…!

Fotos gibt es zu diesem Bericht nicht sehr viele. Unterwasser und am Strand hatten wir nur unsere kleine Action Cam dabei – evtl. kommt da noch ein Video nach 🙂

300 Tage auf Reisen – wir ziehen Zwischenbilanz

300 Tage auf Reisen – wir ziehen Zwischenbilanz

Am Sonntag den 15.02.2015 reitsen wir seit genau 300 Tagen. Wahnsinn! Das sind fast 10 Monate. Keiner von uns beiden war bisher so eine lange Zeit am Stück unterwegs.
Während ihr zuhause Fasnet oder Fasching gefeiert habt und wahrscheinlich alles andere als Zahlen im Kopf hattet, haben wir uns ein paar Gedanken gemacht und einige Zahlenspiele aus unserer Reise erstellt:

Wir reisen heute genau 300 Tage. Das sind 10 Monate oder 43 Wochen. Oder auch 7.200 Stunden, 432.000 Minuten oder 25.920.000 Sekunden

Die 299 Nächte haben wir an 142 verschiedenen Orten verbracht.

Davon haben wir 15 Nächte im Auto, 11 in einem umgebauten Pferde-LKW, 9 Nächte im Zelt, 6 in einem Dorm (bzw. Uli 10 Nächte mit den Nächten in Darwin), 5 in einem mongolischen Ger, 2 am Flughafen und 1 Nacht unter freiem Himmel geschlafen.

21 mal wachten wir an einem anderen Ort auf als da, wo wir schlafen gingen. Das bedeutete 11 mal schlafen im Zug, 7 – mehr oder weniger – im Bus, 2 mal auf der Fähre und 1 mal im Flugzeug.

Insgesamt überstanden wir 16 Nächte auf dem Boden.

37 mal durften wir kostenlos (+4 bei Biene in Singapur) übernachten.

Bereist haben wir bisher 3 Kontinente.

Wir haben 13 Länder besucht. Die kürzeste Zeit verbrachten wir in Malaysia – nämlich genau 1 Tag- und die längste bisher zeitgleich mit knapp 2 Monaten in China und Australien.

Die längste Zeit an einem Ort blieben wir in Sydney. Dort waren wir 2 Wochen und 1 Tag.

Wir haben unsere Füße auf 21 Inseln gesetzt, davon haben wir 10 im Rahmen von Tagesausflügen besucht.

Außerdem waren wir in 2 Special Econimic Zones und in einem Stadtstaat.

Und einmal in militärisch gesperrtem Gebiet, in dem wir nicht hätten sein dürfen.

Wir haben uns unglaublich viel und in den verschiedensten Transportmitteln fortbewegt:
Bis heute zählen wir 105 Busfahrten, ebenso 53 Metro- und 31 Bootsfahrten.
21 mal hat uns eine Zugfahrt an unser nächstes Ziel gebracht und 16 mal eine Fahrt mit dem Tricycle.

Wir haben 15 Flüge genommen. Ebenfalls 15 mal blieb uns nichts anderes übrig als ein Taxi zu nehmen. 12 mal staunten wir über das funktionierende Bezahlen-auf-Vertrauensbasis System im Jeepney.

10 Fahrten fuhren wir hinten auf einem Mopedtaxi, davon einige mitsamt komplettem Gepäck. 9 mal kletterten wir in ein Tuk Tuk, um von A nach B zu kommen; 7 mal auf einen Pick-up und ebenfalls 7 mal quetschten wir uns in einen Minibus.

4 mal ließen wir Rikscha-Fahrer strampeln und 2 mal ging es mit einem Tecak weiter. Ein einziges Mal fuhren wir Pferdekutsche. Ebenfalls einmal paddelten wir mit dem Kayak an unser nächstes Ziel.

In der mongolischen Steppe ritten wir zweimal auf Pferden und einmal auf Kamelen.

11 mal bekamen wir einen Lift, d.h. wir wurden kostenlos mitgenommen. Die ausgefallensten Fahrzeuge waren dabei LKWs, ein Zigaretten-Lieferwagen und natürlich – das Polizeiauto im Norden Thailands.

An 28 Tagen liehen wir uns ein Motorrad und an 4 Tagen Fahrräder. Davon 1mal ein Elektro-Bike und einmal ein Tandem. Einen Tag waren wir mit einem gemieteten Tricycle unterwegs.

Wir haben 7.865 km von Russland bis China im Zug zurückgelegt. Ziemlich genau 4.000 km fuhren wir mit unserem eigenen Moped durch Südostasien. Mit unserem Auto fuhren wir bisher 4.322 km über Australiens Staßen.

Die Stunden und Kilometer, denen unser Transport gesamt entspricht, übersteigt momentan unsere Kopf-Rechenfähigkeit bzw. unser geografisches Wissen. 😉

 

Wir haben 1.108 mal Geld für Essen & Trinken ausgegeben.

Den größten Teil unserer Ausgaben, nämlich 28 %, gaben wir für Transport aus, Gefolgt von Essen & Trinken mit 23 % und Unterkünften mit 21 % unserer Kosten.

Die günstigste (bezahlte) Unterkunft fanden wir in Laos auf den 4.000 Inseln, wo wir für einen Bungalow mit eigenem Bad und Hängematte zusammen 2 ,91 € pro Nacht bezahlten.

Die teuerste Nacht kostete uns 36, 34 €. Diese war für ein Doppelzimmer mit geteiltem Bad in einem Hostel in Darwin, Australien.

Pro Tag geben wir im Schnitt jeder 26 € aus. Wir sind sehr sparsame Weltreisende 🙂

Wir haben bisher jeder 3 Paar FlipFlops durchgelaufen.

37 mal haben wir in Burma die Schuhe ausgezogen, um eine religiöse Stätte zu besichtigen.

Die günstigste Packung Zigaretten kostete 0,30 € in Laos.

Das günstigste Bier tranken wir in Phnom Penh, Kambodscha. Es kostete uns 40 Cent – Frisch gezapft . Das teuerste Bier 3,93 €.

Uli hat sich bestimmt schon 10 mal den gleichen Zeh angestoßen und Biene hatte gefühlte 100 blaue Flecken vom irgendwo anstoßen. Ungefähr gleich viele Mosquitostiche hatten wir beide schon zu verzeichnen.

Geschätzte 100 mal wurden wir gefragt, ob wir verheiratet sind.

Wir waren bisher 0 Tage richtig krank.

Ungefähr 1.000 mal wurden wir um ein Foto gebeten.

Wir können mittlerweile in 16 verschiedenen Sprachen mindestens hallo, danke und tschüss sagen.

Am kältesten war es in Sibirien am noch teilweise zugefrorenen Baikalsee. Der heißeste Tag ist heute. Wir haben 43 Grad Celsius.

Um uns unterwegs zu informieren, haben wir in 9 Reiseführer investiert. 2 davon haben wir nach Deutschland zurückgeschickt, die 7 anderen wurden verschenkt/getauscht.

Wir haben bisher ca. 8.000 Photos geschossen und mehrere Stunden Filmmaterial aufgenommen.

Wir mussten einmal Schmiergeld bezahlen.

Richtig auf die Nase gefallen bzw. über´s Ohr gehauen worden sind wir erst einmal. Zumindest so, dass wir es bemerkten 😉

An keinem der 300 Tage haben wir unsere Reise bereut.

Soviel zu den Zahlenspielen 🙂

 

….was unsere Reise ausmacht, sind aber noch vielmehr die Dinge, die wir nicht in blanken Ziffern ausdrücken können: die Grüße und Lächeln von wildfremden Menschen unterwegs; die Begegnungen, die wir jeden Tag machen; die vielen Geschichten aus dem Leben von anderen Reisenden und Einheimischen; die Einblicke in andere Leben, Kulturen und Mentalitäten; die Lebenserfahrung, die wir auf unserer Reise gewinnen.
Das alles ist unzähl- und unbezahlbar!

 Aristoteles

Ein halber Tag in Canberra – Kurzbesuch in Australien´s Hauptstadt

Ein halber Tag in Canberra – Kurzbesuch in Australien´s Hauptstadt

Australien´s Hauptstadt ist Canberra. Und das schon seit 1902. Trotzdem ist die Stadt, die in ihrem eigenen Bundesland (Australian Capital Territory) liegt, weit weniger bekannt als Sydney oder Melbourne. Wahrscheinlich, weil sie nicht am Meer liegt 😉

Auch wir wussten bis vor kurzem nicht, wo genau Canberra liegt. Seit unserer zweitägigen Fahrt von Sydney nach Mildura können wir es Euch erzählen: Canberra liegt nur knapp 100 km weiter südlich des Sturt Highways, den wir Richtung Mildura nehmen. Ein Blick, ein Nicken, passt. Wir fahren einen Schlenker Richtung Süden und statten Australien´s Hauptstadt auf unserem Weg einen Kurzbesuch ab.

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit von England und dem Zusammenschluss der australischen Staaten zu einer Nation wurde der Bau der neuen Hauptstadt auf halber Strecke zwischen den schon damals bestehenden Metropolen Sydney und Melbourne beschlossen. Schon beim ersten Blick auf den Stadtplan von Canberra wird eines deutlich: Die von der grünen Wiese erbaute Stadt ist das Meisterwerk eines Architekten bzw. Städteplaners.
Auf einer Insel liegt im Zentrum der Stadt auf einem Hügel das Parlamentshaus, sinnbildlich für das Herzstück des Landes. Von einem künstlichen See umgeben sind abgehend davon die Straßen wie bei einem (runden) Mühlespiel angeordnet: Alle Verbindungsstraßen laufen schnurgerade genau auf die Stadtmitte zu, während die Stadtstraßen ringförmig um das Zentrum verlaufen.

Das aus 2 Gebäuden bestehende Parlamentshaus thront dabei nicht über der Stadt, sondern wurde bescheiden in den Hügel hineingebaut. Von oben sehen die Gebäude aus wie zwei Boomerangs – oder sich umarmende Arme. Von weitem sieht man nur die 4 überdimensionalen Stahlträger, die die Fahnenstange mit der Nationalflagge in Doppeldeckerbus-Größe über dem begrünten Dach wehen lassen.

Da wir nur wenige Stunden Zeit haben, beschränken wir uns bei unserem Besuch auf das Parlamentshaus. Wir haben ein gutes Timing und kommen genau rechtzeitig zu einer der 2 kostenlosen Führungen, die jeden Tag stattfinden. In einem interessanten Rundgang besichtigen wir den Senatssaal und das Saal der Repräsentanten , wandeln durch die Galerie der PräsidentInnen und erfahren nebenbei allerlei Wissenswertes über das politische System in Australien. Hättet ihr gewusst, dass es in Australien nicht nur das Wahlrecht gibt, sondern sogar Wahlpflicht besteht?

Interessant sind auch die vielen architektonischen Details, die uns auf einer individuellen Besichtigung sicher verborgen geblieben wären. Es scheint uns, als hätte jedes bauliche Detail und alle verwendeten Materialien neben ihrem augenscheinlichen Zweck noch eine tiefere Bedeutung. Zum Beispiel ist das ganze Gebäude so ausgerichtet, dass der Blick des Premierministers von seinem Schreibtisch aus direkt auf das Kriegsdenkmal auf einem weiter entfernten Hügel fällt. Als stete Erinnerung an die Vergangenheit und Ansporn, es nie wieder zu einem Krieg kommen zu lassen. Im Anschluss fahren wir noch mit dem Lift nach oben, auf die Wiese die eigentlich das Dach des Parlamentshauses ist. Von hier aus haben wir einen uneingeschränkten Blick über die ganze Stadt und die umliegenden Hügel.

Überhaupt macht die ganze Stadt einen sehr „grünen“ Eindruck. Überall sind kleine Parks und Bäume verwandeln die breiten Straßen in Alleen. Nach den quirligen Hauptstädten Asiens wirkt Canberra auf uns sehr gediegenen und entspannt.

Daneben hat Canberra ein breites Spektrum an kulturellen Angeboten zu bieten: Die Nationalgalerie, das Nationalmuseum, das nationale Zentrum für Technologie und Wissenschaft und das nationale Film & Sound Archiv sind nur einige der vielen Möglichkeiten.

Wir aber müssen weiter, denn einen Tag später werden wir in Mildura erwartet…

Roadtrip an der Central East Coast – Coffs Harbour bis Sydney

Roadtrip an der Central East Coast – Coffs Harbour bis Sydney

Nach unserem Aufbruch aus Bellingen gibt es für uns nur eine Richtung: weiter ans Meer 🙂 So fahren wir direkt nach Uranga. Ab hier wollen wir entlang der Central East Coast wieder Richtung Süden bis nach Sydney cruisen. Uranga liegt nur 26 km unterhalb von Coffs Harbour, wo wir auf der Fahrt von Brisbane nach Sydney vor Silvester einen Übernachtungsstopp eingelegt haben. Für die Strecke Coffs Harbour – Sydney brauchten wir dann noch genau 6 Stunden. Dieses Mal nehmen wir uns dafür 8 Tage Zeit.

Statt die gesamte Strecke auf dem durchgehenden Pacific Highway zurückzulegen, fahren wir soviel wie möglich auf kleinen Landstraßen durch die Küstenorte und nehmen auch mal Stichstraßen und Schotterpisten zu abgelegenen Buchten.

Unsere erste Etappe führt uns nach South West Rocks, einem kleinen Küstenort der vor allem unter Australiern als Urlaubsort beliebt ist. Unterwegs decken wir uns noch mit Lebensmitteln ein. Der nächste Tag, Montag der 26. Januar, ist australischer Nationalfeiertag. Dieser „Australian Day“ wird groß gefeiert. Viele Australier bemalen sich ganz patriotisch das Gesicht in den Landesfarben und schon seit Wochen sind dafür in den Supermärkten alle möglichen Produkte (Flaschenkühler, Strandtücher, Campingstühle, Flaggen) mit Aufdruck der australischen Flagge im Angebot. Wir finden einen schönen Rastparkplatz direkt oberhalb der herrlichen Trial Bay zum Übernachten. Vor uns das Meer, hinter uns Duschen, Public Toilets und Umkleidekabinen – perfekt! Mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang im Hintergrund grillen wir und schlafen zum ersten Mal seit einer Woche wieder in Lion King. Am nächsten Morgen springen wir gleich zum Sonnenaufgang ins Meer. Anschließend trinken wir Kaffee und sehen auf einmal einen ganzen Schwarm Delfine, die direkt vor uns im Wasser spielen und jagen.

Genial! Später am Vormittag gehen wir nochmal mit einem gefundenen Bodyboard im Meer planschen. Fun! Gerade als wir gegen Mittag aufbrechen, fängt es an zu regnen. Und hört den Rest des Tages nicht mehr damit auf. Da sind die Australier wohl letztes Jahr nicht brav gewesen 😉

Wir fahren weiter und statten dem höchsten Leuchtturm im Staat, dem Smoky Cape Lighthouse, einen Besuch ab. Das gleichnamige Kap unterhalb des 1891 errichteten Leuchtturm erhielt seinen Namen direkt vom Entdecker Australiens.* Dieser sah bei seiner Landung in dieser Bucht überall auf den Hügeln die rauchenden Feuer der hier lebenden Aboriginee Völker und benannte nach diesen das „Rauchende Kap“. Anschließend fahren wir weiter nach Kempsey, wo wir diese Nacht auf einem Stadtparkplatz am Fluss unser Nachtlager aufschlagen. Und unter dem überdachten Picknickplatz grillen. Im Sonderangebot gab es 1,8 kg Würstchen – die wollen erst mal gegessen werden…

Am nächsten Morgen wachen wir auf, als Stadtarbeiter auf den Bänken neben unserem Auto ihr Vesper halten 😀 Wir steigen aus und sind froh, dass wir nicht etwas näher am Fluss geparkt haben – denn der ist durch den starken Regen über Nacht einen guten Meter angestiegen. Wir brechen bald wieder auf und fahren durch bis nach Port Macquarie. Diese als Sträflingssiedlung 1820 gegründete Stadt ist heute ein beliebter Urlaubsort mit vielen Grünflächen, mehreren Surf- und Badestränden und einer schönen Uferpromenade. Wir suchen uns ein Schlafplätzchen am etwas abgelegenen Shelly-Beach mit überdachten Grillplätzen, um die 2. Ladung der 1,8 kg Würste zu grillen. Da es immer noch regnet, verkriechen wir uns recht früh in unser Auto.

Auch am nächsten Morgen zeigt sich die Sonne noch nicht. Biene verbringt den trüben Vormittag in der Bibliothek zur Recherche, während Uli einkaufen geht und eine Werkstatt sucht. Nachmittags besuchen wir das einzige Koala-Krankenhaus Australiens. Hier werden verletzte und kranke Koalas gepflegt und aufgepäppelt, bis sie wieder in den Busch entlassen werden können. Wir kommen gerade rechtzeitig zur Fütterung der Patienten in den Außengehegen. Die kostenlose Führung ist super interessant ist und wir erfahren allerlei über die grauen Beuteltiere, die zwar Koala-Bären heißen, aber eigentlich Verwandte der Kängurus sind.

Hier merken wir auch, dass uns unser Fahrer Marc einen (Koala-)Bären aufgebunden hat: Der Grund dafür, dass Koalas häufig angefahren werden ist nämlich nicht, dass sie von den ätherischen Dämpfen in den Eukalyptusblättern, von denen sie sich ernähren, benebelt werden und die Orientierung verlieren, sondern dass sie nur schlecht sehen können. Schade, wir fanden die erste Theorie eigentlich lustiger 😉 In ihrer Ernährung liegt auch der Grund, warum Koalas ca. 20 Stunden am Tag schlafen und sich kaum bewegen – da die Eukalyptusblätter zu ungefähr 70 % aus Wasser bestehen, reicht die Energie daraus einfach nicht für mehr Aktivität. Wäre das auch geklärt.

Im Anschluss besichtigen wir noch das Roto-Haus, ein restauriertes Landhaus im späten viktorianischen Stil, in dem mit vielen Original-Gegenständen und Möbeln das Leben der Pionierfamilie dokumentiert wird, die in dem 1890 erbauten Haus lebte. Wir verbringen noch eine Nacht in Port Macquarie, ziehen aber um an den schöneren Surfclub Beach. Am Shelly Beach war nachts etwas viel „Verkehr“…Autos kamen, blieben 1-2 Stunden und fuhren dann wieder davon…. Während wir den abendlichen Surfern zuschauen, grillen wir den Rest unserer 24 Würstchen und zum Abschluss des Tages klart es sogar noch etwas auf. Morgens meldet sich die Sonne mit einem fantastischen Sonnenaufgang zurück und wir springen ins Meer.

Gegen Abend erreichen wir nach einer schier endlosen Schotterpiste und einigen Verfahrern das ca. 40 km entfernte Crowdy Head. Hier finden wir etwas außerhalb des verschlafenen Küstendorfes unterhalb dem Leuchtturm wieder einen tollen, breiten Strand mit angrenzendem Parkplatz. Die Wellen sind genial; wir schwimmen, grillen und bewundern den klaren Sternenhimmel. Am nächsten Morgen haben wir wieder sensationelles Glück: nach unserem morgendlichen Spiel mit den Wellen und einer Runde Strand-Joggen von Uli sehen wir beim Frühstück einen ganzen Schwarm Bottlenose-Delfine, die ebenfalls mit den Wellen spielen. Fast eine ganze Stunde lang springen sie durch das Wasser und – wir würden es nicht glauben, wenn wir es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten – surfen die brechenden Wellen entlang. Ein geniales Schauspiel!

Waren wir frühmorgens noch die Einzigen an diesem schönen Strand, füllt er sich am Vormittag langsam. Bevor wir aber weiterfahren, nehmen wir unseren Lion King noch auf eine kurze Fahrt mit an den Strand. (Fast) ganz offiziell, denn zwar hat der Strand einen 4WD-Zugang, wir aber kein lokales Permit…

Das holen wir uns am nächsten Tag in Port Stephens. Hier warten die größten Wanderdünen der südlichen Hemisphäre auf uns. Mit einem Teil unseres Weihnachtsgeschenks von Uli´s Faustballerkameraden holen wir uns ein 3-Tages-Permit und machen uns auf in den riesigen Sandkasten. Über 18 km erstreckt sich ab der Anna Bay eine goldgelbe Wüste. Sand, soweit das Auge blickt. Zwischen dem wild tosenden Meer links und den sich auftürmenden gigantischen Sanddünen rechter Hand cruisen wir am Strand entlang und fahren unser Allrad-Fahrzeug mal richtig aus. Es ist guter Spaß, auch wenn Biene fast noch in dem tiefen Sand stecken bleibt 🙂

DANKE AN DIE ENZBERGER FAUSTBALLER!

Am Nachmittag fahren wir weiter in die Stadt mit dem weltweiten größten Exporthafen für Schwarzkohle: Newcastle. Die Strände rund um Newcastle gelten als einige der besten Surfstrände weltweit. Jedes Jahr im März finden hier die Qualifikationswettkämpfe für die Surfweltmeisterschaften statt. Als wir hier sind, waren die Wellen wohl nicht gut, jedenfalls sehen wir zwar viele Gleitschirmflieger, aber keinen einzigen Surfer im Wasser. Auch die Stadtstrände können uns nach den letzten Tagen an herrlichen, abgelegenen Buchten nicht so recht beeindrucken.

Deshalb fahren wir bald schon auf der kleinen Küstenstraße weiter. Als nächstes erreichen wir Lake Macquarie, den größten permanenten Salzwassersee Australiens, bevor wir durch den Bouddi Nationalpark an einer ganzen Reihe Salzwasserseen auf der einen Seite und dem Meer auf der anderen Seite hindurch fahren. Hier machen wir an einem schönen Rastplatz direkt am See Mittagspause. Als wir da so sitzen und essen, kommt doch glatt ganz lautlos ein frecher Kookaburra angeflogen und klaut Uli das Brot aus der Hand! Völlig ungeniert fliegt er damit auf den nächsten Baum und hakt das große Brotstück in kleinere Stücke.

Die letzte Nacht vor unserer Rückkehr nach Sydney verbringen wir am Strand von Ettalong Beach. Wir sind nur noch ca. 30 km von Sydney entfernt und hier ist schon Sydney-Wochenend-Urlaubsort. Es gibt viele hübsche, teure Cafés und kleine Restaurants – aber auch 2 schöne Strände. Vor einem davon parken wir und grillen passend zum Sonnenuntergang direkt in den Dünen.

Genau 18 Tage nach unserem Aufbruch in die Blue Mountains kommen wir am nächsten Nachmittag wieder in Sydney an. Wir haben uns mit unserer letztmaligen Vermieterin Gail zum BBQ verabredet und verbringen mit ihr und ihrem Freund John einen unterhaltsamen Abend bei Kangurusteak und Champagner. Ein seltener Backpacker-Luxus 😀 Lange bleiben wollen wir nicht, deshalb quartieren wir uns nicht wieder bei Gail ein, sondern schlafen eine Nacht im Auto in ihrer Einfahrt 😀
Am nächsten Mittag haben wir noch einen Sightseeing-Punkt, für den es uns davor in Sydney noch nicht gereicht hat. Vom Cuugee-Beach aus wollen wir in 3 Stunden an mehreren Stränden entlang einen Klippenweg zum Bondi Beach spazieren. Der Bondi Beach ist für Sydney-aner das, was Ischgl für Skifahrer ist. Es geht viel um sehen und gesehen werden.

Als wir nach unserem dortigen BBQ-Lunch am schönen Cuugee-Beach loslaufen wollen, fängt es aus – zuvor noch – heiterem Himmel an zu regnen. Wir sprinten zurück zum Auto und beschließen, die 6 km zum Bondi Beach zu fahren. Vielleicht haben wir ja Glück und der Regen zieht in die andere Richtung Als wir am Bondi Beach ankommen, regnet es aber leider auch dort in Strömen. Aber bei schönem Wetter kann ja jeder an den Strand! Nach einem kurzen Besuch in Sydneys exklusivstem Schwimmclub gehen wir also trotzdem beachen. Nass sind wir jetzt eh schon… Uli joggt den breiten u-förmigen Strand zum aufwärmen entlang, während Biene sich in die Fluten schmeißt.

Noch am gleichen Abend brechen wir auf und fahren Richtung Osten ins Landesinnere. Wir müssen weiter – in drei Tagen beginnt für uns der Ernst des Reiselebens 😉

Preisfrage: Wer von unseren Lesern weiß, wer Australien offiziell „entdeckt“ hat? Wer die erste richtige Antwort unten in die Kommentaren schreibt, bekommt eine Postkarte!

PS: Googlen zählt natürlich nicht…! 😉

Blog-Update! Zwischen Asien & Australien liegen noch 1.000 Wörter…

Blog-Update! Zwischen Asien & Australien liegen noch 1.000 Wörter…

Wie der Ein oder Andere von Euch vielleicht bemerkt hat, sind wir mit unseren Berichten aus Südostasien etwas hinterher 🙁

Zuviel gab es zu entdecken, zu recherchieren und in der Welt da drauβen zu erleben. So blieb manchmal gar keine Zeit mehr, um all unsere Erlebnisse festzuhalten...

Damit ihr aber trotzdem lesen könnt, was wir aktuell erleben, haben wir im Blog einen kleinen Sprung in die Zukunft gemacht.  Und bereits erste Einträge zu unserem Abenteuer Australien veröffentlicht. In nächster Zeit schreiben wir beidhändig 😉 und stellen die noch ausstehenden Berichte von Laos, Kambodscha, Thailand, Malaysia und Indonesien parallel zu den neuen Berichten online.

Heute oder morgen 😉

 

Load More

Hier lang für noch mehr von UnS!schliessen
oeffnen