Liebes Kambodscha…

Irgendwie hat es bei uns dreien nicht so richtig gefunkt. Wir können nicht einmal den Grund dafür recht benennen, dass wir nicht so richtig miteinander warm wurden.

Lag es vielleicht daran, dass unser Beginn gleich schon etwas verkorkst war? Dadurch, dass wir von Laos aus nicht einreisen durften, mussten wir unsere Route umstellen und konnten weder die spannenden Nationalparks in Deinem Nordosten, noch die seltenen Myawaddy-Flussdelfine im Mekong besuchen.

Oder war das Essens-Thema mit ein Grund? Irgendwie wurden wir mit Deiner Art der Streetfood, die wir doch sonst so mögen, nicht recht warm. Der Papaya-Salat, einer unserer absoluten Favoriten in Thailand und Laos, knirscht auf einmal. Als wir nachschauen, was da so hart ist, finden wir Insektenpanzer darin. Also ehrlich, ich bitte Dich. Oder die kleinen Würste, die am Straßenstand hingen und wie leckere Bratwürste aussehen – aber süßlich schmecken. Die Suppen, die anders als in Laos eher fad sind. Essen scheint so banal, kein Grund ein Land nicht zu mögen. Und es gibt ja auch durchaus Dinge, die wir mögen: die leckere Suppe auf dem Markt direkt hinter der Grenze – mit frischen Kräutern und Gewürzen zum selbst abschmecken. Oder der eisgekühlte Fruchtshake, der aus einer Tüte Saft in einer Tüte Eis besteht. Und auf der staubigen Fahrt von Siam Reap nach Phnom Penh so lecker und erfrischend war, dass wir uns gleich noch einen zweiten holten.

Oder waren es gar die Menschen? Keiner war bewusst unfreundlich, keiner wollte uns was Böses anhaben, aber irgendwie sprang der Funke nicht über. Deine Bewohner lächeln weniger als die Thais, sind weniger interessiert als die Laoten – so scheint es uns. Aber natürlich durften wir auch Begegnungen machen, die uns unvergesslich in Erinnerung bleiben. Weil sie so schön waren.

Schauen wir auf Deine Geschichte, haben dieMenschen hier vermutlich auch nicht viel Grund zum fröhlich sein. So ziemlich jeder hat durch das grausame Regime unter Pol Pot Angehörige verloren oder selbst gelitten. Und die Spuren des Vietnam-Krieges sind nicht nur an den Schildern sichtbar, die in manchen Landesteilen davor warnen, die Wege zu verlassen. Vielleicht ist es auch diese düstere Vergangenheit, die uns in den vielen Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen so oft vor Augen geführt wird und uns öfters trübsinnig stimmt.

Und überhaupt, immer diese Vergleiche. Tut wir Dir als Land damit nicht unrecht? Die Landschaft flacher und eintöniger als in Laos, die Menschen distanzierter als in Thailand, die Unterwasserwelt weniger schillernd als auf den Philippinen, die Bevölkerung ärmer als woanders… Haben wir etwa versäumt, uns ganz auf Dich einzulassen?

Vielleicht haben wir Dir auch einfach nicht genügend Zeit gegeben, um uns in Deinen Bann zu ziehen. Gerade einmal 2 Wochen hatten wir, bevor wir wieder in Thailand sein wollten. Das ist eine kurze Zeit, um ein ganzes Land zu erkunden. Das haben wir auch nicht geschafft. Nur einen kleinen Ausschnitt von Dir konnten wir uns ansehen. Und vielleicht liegt irgendwo in Deinem dünn besiedelten Osten noch viel mehr von Deiner Schönheit verborgen!

Oder gibt es vielleicht einfach Länder, die einem mehr und andere, die einem weniger liegen? In ihrer ganzen Gesamtheit?

Wir werden wiederkommen, irgendwann. Es herausfinden. Und uns eine 2. Chance geben. Denn irgendwie hast Du uns auch fasziniert. Auf den zweiten Blick.

Deine
Sabine & Uli