Nullarbor Plains – Weites Land im wilden Westen

Von Whyalla aus nehmen wir eine Abkürzung Richtung Westen – eine knapp 50 Kilometer lange Schotterpiste bringt uns auf die andere Seite der Eyre Halbinsel. Unterwegs machen wir Rast in dem kleinen Ort Kimba. Hier verrät uns ein großes Schild, dass wir nun offiziell „auf halbem Weg durch Australien“ sind.

Und das richtige Australien liegt im Westen und Norden noch vor uns, wie uns erst 2 Wochen zuvor Uli & Allan versichert haben. Dorthin geht es jetzt über die Nullarbor Plains. Eine endlos scheinende, baumlose Ebene, die sich über knapp 1.000 Kilometer zieht.

DIE NULLARBOR PLAINS

In dem kleinen südaustralischen Küstenort Ceduna stocken wir nochmal unsere Vorräte auf. Es ist der letzte Ort, bevor wir nach 5 Tagen über die Nullarbor Plains die Kleinstadt Norseman in Westaustralien erreichen werden. Dazwischen erwartet uns flaches, weites Land. Wilde Steppe, soweit das Auge reicht. Unterwegs: viel nichts! 😀

Weshalb wir trotzdem einen Artikel darüber schreiben? Weil diese Strecke einen herrlichen Eindruck davon vermittelt, was für ein riesiges Land dieser Kontinent Australien eigentlich ist! Es ist tatsächlich möglich, 5 Tage lang (!) in eine Richtung zu fahren, ohne im nächsten Ort anzukommen! Das ist so, als wäre die gesamte Länge durch Deutschland von Stuttgart bis Hamburg einfach – Steppe!

Schon in Sydney hörten wir das erste Mal von der baumlosen Strecke (daher auch der vom lateinischen nulla arbor abgeleitete Name = keine Bäume). Uns wurde geraten, unser Auto auf einen Zug zu verladen und die Etappe auf Schienen zurückzulegen. Es sei so langweilig, dass es sich nicht lohne hier zu fahren. Die Alternative ist die längste gerade Eisenbahnstrecke Australiens von Adelaide nach Perth, auf der es auf 478 Kilometern der 2.705 km langen Gesamtstrecke immer gerade aus geht. Das ist aber eine teure Angelegenheit. Und irgendwie wollen wir auch nicht dafür bezahlen, unseren fahrbaren Untersatz von A nach B fahren zu lassen 😀 Also fahren wir doch lieber selbst. Zum Glück.

…denn auch „nichts“ kann manchmal eine ganze Menge bieten!

…Wie zum Beispiel den traumhaft weissen Strand aus lauter kleinen Muschelstücken, über dem wir hoch oben in den Dünen schlafen und den wir ganz für uns haben. Dieses wunderschöne Fleckchen ist nur über eine 15 km lange Allradstrecke über Stock und Stein zu erreichen. Wir haben eine Stunde dafür gebraucht. Es ist eine sehr rucklige, mühsame Fahrt hierher. Aber eine, die sich lohnt! Oft kommen hier keine Besucher her. Das Land an diesem Küstenabschnitt gehört dem lokalen Aborigines Volk und darf nur mit zuvor eingeholter Genehmigung betreten werden. Als wir hier am nächsten Morgen aufwachen, sehen wir in den Dünen sogar noch unseren ersten Dingo.

…Und beim verlassen der Dünen bleiben wir zum ersten Mal mit unserem Lion King im weichen Sand stecken. Gleich zweimal. Jetzt ist richtig Buddeln angesagt. Nachdem wir etwas Luft ablassen, die Reifen freischaufeln und mit Ästen und den Fußmatten unterlegen, kommen wir schließlich wieder vom Fleck 😀 Puh, wir glaubten schon fast, wir müssen die 15 km zur Hauptstraße joggen, um Hilfe zu holen! 😀

… oder zum Beispiel den längsten geraden Highway Australiens. Auf ganzen 146 Kilometern geht es hier schnurstracks geradeaus. Nicht eine einzige Kurve. Obwohl auch hier wie auf den meisten australischen Highways eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 110 km/h gilt, fahren wir konstante 90 km/h. Denn wir haben ausgerechnet, dass sich unser Offroad-Jeep auf geteerten Straßen so am ökonomischsten fährt. Und wir haben ja Zeit. …etwas Herzschmerz ist es nur, wenn von hinten die riesigen Road Trains den Blinker setzen und zum Überholen ansetzen…! 😀

Aber bei den deutlich erhöhten Spritpreisen der 4 Roadhouses (=Tankstellen) entlang der Nullarbor Plains macht es durchaus einen Unterschied, ob wir 60 L oder nur 30 L für 1,90 $ (statt sonst 1,37) tanken müssen. Einmal überschätzen wir unsere Reserve ein bisschen. Aber nicht weiter schlimm, wir haben ja unseren Ersatzkanister im Kofferraum liegen und können im Straßengraben nachfüllen. 😀

…Oder die 100 Meter steil abfallenden Klippen der Bunda Cliffs. Hier stehen keine Zäune, die den Zugang zu den Klippenrändern absperren. Auch gibt es keine Lookouts, die den besten Blick auf den Südpazifik vorgeben. Gesunder Menschenverstand und Vorsicht ist gefragt, um nicht zu weit über die Klippen zu schielen und dabei vielleicht von einer Böe erfasst zu werden. Hier schlagen wir in der nächsten Nacht unser Lager auf. Für die fast mystische Aussicht über die Steilkippen auf den tosenden Ozean bei Sonnenuntergang würde man anderswo viel Geld bezahlen 😀

…oder die Head of Bights in der langgezogenen Bucht Great Australian Bight. Hierher ziehen jedes Jahr im Winter mehrere Hundert Southern Right Wale, um in den wärmeren Gewässern der Bucht zu kalben und ihre Jungen zu säugen, bevor sie sich im Frühling auf die lange Reise zurück in die Antarktis machen. Als wir Anfang Juni hier sind, sind wir leider ein paar Tage zu früh dran.

…irgendwo zwischendrin passieren wir auch den „Dingo sicheren Zaun„. Dieser 6.000 km lange (!) Zaun wurde errichtet, um die australischen Wildhunde von den weitläufigen Schaffarmen im Südosten Australiens fernzuhalten. Ein Paar Dingos können in einer Nacht bis zu 30 Schafe reißen. Damit stellten sie vor allem für die frühen europäischen Siedler eine enorme Verlustquelle dar.

…und schließlich erreichen wir am 3. Tag die Staatsgrenze von Süd- und Westaustralien. Über Staatsgrenzen darf kein frisches Obst und Gemüse gebracht werden – was hier streng kontrolliert wird – um die Ausbreitung von Obstfliegen und anderer Pests zu verhindern. An der Quarantäne-Kontrollstation wird unser Auto dann auch von vorne bis hinten gründlich durchsucht. Sogar zweimal, weil wir nochmal umdrehen… Wir dachten, an der Tankstelle vor der Grenze sei der Sprit günstiger als der auf einem Schild nach der Grenze angegebene Preis an der nächsten Tankstelle in 300 Kilometern. Tja – wir hatten uns verguckt, wie wir zurück in Südaustralien fest stellen 😀 Sehr zur Erheiterung des Grenzbeamten, der unser Auto in aller Gründlichkeit ein zweites Mal komplett durch checkte!

THE GOLDEN OUTBACK – EIN LAND IM

GOLDRAUSCH

Tags darauf erreichen wir Norseman; eine kleine Minenstadt, in der ein Pferd einst den ersten Goldrausch auf Westaustraliens ertragreichstes Goldfeld ausgelöst hat. Auf den Spuren der fündigen Goldgräber reisen wir weiter ins goldene Outback. Zwar ist die Erde hier tiefrot, darunter aber liegt pures Gold. Hier in Kalgoorlie-Boulder wird noch heute Gold in der größten offenen Goldmine der Welt abgebaut. Während der Hauptzeit der Goldsuche gab es in der 10.000 Einwohner zählenden Kleinstadt ganze 92 Pubs, eine berüchtigte Amüsiermeile und jede Menge Spielcasinos.

Die historischen Gebäude stehen noch, die wilden Zeiten vergangener Tage gehören aber der Vergangenheit an. Geblieben sind die spärlich bekleideten Bardamen in den inzwischen deutlich weniger Pubs der Stadt – die Atmosphäre samstagabends ist aber auch hier eher verschlafen. Das älteste Bordell Australiens kompensiert den schwindenden Umsatz mit täglichen Touristen-Führungen.

Uns hat vor allem das hier angesiedelte Zentrum der Royal Flying Doctors in die abgelegene Goldstadt gelockt. Allerdings hat dieses durch den jährlichen Feiertag zur Gründung Westaustraliens am 01. Juni leider gerade für 4 Tage geschlossen, als wir da sind. Stattdessen besuchen wir den Superpit der Goldmine, das Museum of Western Australia, gehen abends in den Pub und machen uns nach 2 Tagen wieder auf den Weg in den Süden.

PS: Auf den Nullarbor Plains haben wir sehr viele Kängurus gesehen. Leider leider aber nicht hüpfend, sondern am Straßenrand. Wir sind uns deshalb sicher, der Highway No. 1 hat im Tierreich seinen Eigennamen: der gefürchtete Death Highway! ;-D