Downunder mit Hindernissen – ein Visumskrimi in 3 Akten

Die Hauptpersonen:

2 Langzeit-Reisende, die ihre Visa auf den letzten Drücker beantragen. Und die australische Einwanderungsbehörde, die ihrem Namen als öffentlich bürokratische Einrichtung alle Ehre macht.

In den Nebenrollen und heimliche Stars der verzwickten Handlung:

6 sehr gastfreundliche WG-Bewohner, die mehr als großzügig Visums-Asyl auf ihrer Couch gewähren. Bei Bedarf sogar über das Weihnachtsfest.

Auftakt

Bei JetStar Asia (kurzer Einschub: eine Billigfluglinie mit Kundenservice vergleichbar zu dem von Ryanair. Also ungefähr null!) sind Anfang Dezember Flüge von Singapur nach Darwin im Angebot. Für gerade einmal 105 € pro Nase kann von der asiatischen Metropole in den hohen Norden Australiens geflogen werden. Die 2 Schwaben schlagen nach Abstimmung der Daten mit Haetli in Singapur natürlich sofort zu. Von wegen umso früher buchen desto günstiger. Nun müssen noch die Visa für Australien beantragt werden. Für Uli soll es aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ein Touristenvisum werden, während Biene sich um ein Working Holiday Visum bewirbt. In Australien will sie sich die Möglichkeit offen halten, eventuell einige Wochen zu arbeiten. Aber das ist eine andere Folge. Ein kurzer Blick auf den Kalender lässt die Spannung der Handlung an dieser Stelle ansteigen. Die Genehmigung eines Touristenvisums geschieht in der Regel automatisch innerhalb eines Werktages. Die Ausstellung eines Working Holiday Visums kann bis zu einer Woche dauern. Knapp an der Grenze zum Abflugsdatum. Hier kommt die optimistische Grundhaltung der beiden zum Tragen: Wird schon reichen. In 75 % der Fälle geschieht es sowieso schneller.

Um die Spannung auf die Spitze zu treiben, lassen wir nun die grundehrliche Einstellung von Biene (Naivität? Unbedarfte Ehrlichkeit? Oder war es beim Antrag ausfüllen vielleicht einfach zu früh am Morgen für die gestandene Nachteule? Die Rollen-Charakterisierung ist noch nicht ausdefiniert) beim Ausfüllen des Visumsantrages spielen. Auf die Frage, ob sie in den letzten 5 Jahren länger als 3 Monate in einem anderen Land außerhalb ihres Heimatlandes lebte, lassen wir sie also ganz ehrlich mit „Ja“ antworten. Wo denn genau, wird gefragt. In China, für 4 Monate.

Zunächst fällt diese kleine Episode gar nicht ins Gewicht. Das Visum für Uli wird noch am selben Nachmittag (es ist Freitag) ausgestellt, was mit einem guten indonesischen Kaffee am Donau Maninjau gefeiert wird. Noch wiegen sich die beiden in trügerischer Zuversicht. Biene´s Visum folgt sicher Anfang nächster Woche.

Zweiter Akt

Montag morgens fliegen die beiden nichtsahnend nach Singapur. Sie freuen sich, nach 4 Jahren wieder in der schönen Metropole zu sein und Haetli und seine Kollegen von der Logos Hope zu treffen. Die Ankunft in der WG ist herzlich, sie dürfen die urgemütliche Couch in Beschlag nehmen und gehen mit Iris Eis essen. Alles scheint perfekt, die beiden sind in Urlaubsstimmung.

Bis zum Abend. Um genau 19.45 Uhr ruft Biene zum wiederholten Male ihre EMails ab. Die erste Freude bei Sichtung einer Email von der australischen Einwanderungsbehörde verfliegt in Sekundenschnelle, als der Betreff nicht wie erwartet „Genehmigung Ihres Visums“ lautet. Die Stimmung kippt noch während des Lesens. Von Ausstellung eines Visums ist keine Rede. Wegen erhöhter Tuberkulosegefahr durch den Aufenthalt in China wird zur weiteren Bearbeitung ein Röntgenbild des Brustbereichs angefordert. Telefonisch ist niemand zu erreichen.

Nun bringen wir eine große Prise Ironie in die Geschichte. Denn genau genommen fällt der Studiumsaufenthalt in Qingdao gar nicht mehr in die 5-Jahres-Spanne. Genau zum geplanten Einreisedatum am 18. Dezember 2014 wäre diese vorbei. Diese Feststellung macht die Situation keinesfalls besser… Die Nerven melden sich. Schnell wird ein Formular ausgefüllt und angegeben, dass es sich bei der Angabe des Daueraufenthaltes in China um einen Fehler handelte. Belege anbei. Mit der dringenden Bitte um zeitige Ausstellung eines Visums zur bereits gebuchten Einreise. An diesem Abend ist nichts mehr zu machen. Die beiden verbringen eine unruhige Nacht auf der eigentlich sehr bequemen Couch. Noch 2 Tage bis zum geplanten Flug nach Australien!

Direkt um 6 Uhr am nächsten Morgen wird versucht, die Angelegenheit telefonisch zu klären. Es scheitert bereits am Empfangsmitarbeiter. Leider dürfe nicht direkt zu den Sachbearbeitern vermittelt werden. Eine Sache, eine Aktennummer, mehr ist dieser Visumsantrag nicht bei der australischen Einwanderungsbehörde. Immerhin ist der Mitarbeiter so freundlich und bespricht sich intern. Wenn auch mit mäßigem Ergebnis. So oder so, das Röntgenbild werde nun verlangt. Ein Besuch bei der australischen Botschaft später am Tag bringt ebenso wenig Erfolg wie der Termin auf der deutschen Botschaft. Es hilft alles nichts. Nun heißt es, eine speziell zertifizierte Praxis aufzusuchen und das Röntgenbild durchführen zu lassen. Was nach einigen kleineren Hindernissen noch am selben Tag nach Australien übermittelt wird. Noch einen Tag bis zum Abflug!

Am nächsten Morgen versucht Biene – mittlerweile mit Nerven gespannt wie Drahtseilen – wiederum ihr Glück per Telefonleitung nach Australien. Nach widersprüchlichen Aussagen zum Vortag beantragt sie ein Touristenvisum, um wenigstens den Flug am Abend wahrnehmen und in Australien einreisen zu können. Ob die knapp 300 € Beantragungsgebühr für das Working Holiday Visum damit futsch sind, kann oder will niemand genau beantworten. Noch 10 Stunden bis zum Abflug.

Es wird ein langer, nervenaufreibender Tag mit schwierigen Entscheidungen…

Dritter Akt

To make a long story short: Am Abend des 17. Dezembers steigt Uli alleine in den Flieger nach Australien.
An dieser Stelle: melancholische Geigen-Orchesterklänge im Hintergrund.
Das Touristenvisum für Biene wird am nächsten Morgen um 8 Uhr ausgestellt. Welch Ironie! Allerdings erscheint die Idee, einfach mitzufliegen nach der Recherche, was bei Einreise in Australien ohne gültiges Visum passiert, einfach zu riskant. Es heißt Warten. Und es bleibt spannend. Und nervenzehrend. Ob der Antrag noch vor Weihnachten bearbeitet wird oder erst im neuen Jahr, bleibt ungewiss. Die folgenden Tage ziehen sich wie Kaugummi. Zum Glück darf Biene in der tollen WG wohnen bleiben. Die Hostelpreise in Singapur sind horrend. Uli erkundet währenddessen alleine Darwin. Hier kommt die romantische Seite eines jeden guten Kinostreifens hervor. So albern es klingt: Nachdem die beiden in den letzten 8 Monaten 24 Stunden am Tag zusammen waren, ist diese plötzliche ungewollte Trennung ganz schön hart. Sie vermissen sich. Eine gute Sache, schließlich sind andere schon nach 3 Wochen Urlaub froh, wenn sie mal wieder etwas Zeit ohne ihren Partner verbringen können 😉

Biene´s auf Samstag Nacht umgebuchter Flug verfällt. Immer noch ist kein Working Holiday Visum ausgestellt, Und eine Einreise mit dem bereits genehmigten Touristenvisum hieße dessen automatische Annullierung. Ein Dilemma. Es heißt weiter warten. Dann, endlich, am 22. Dezember kommt schließlich die erhoffte Email. Das Working Holiday Visum ist genehmigt. Ohne wenn und aber. In der Nacht auf den 24. Dezember steigt nun auch Biene nach jahrelanger Vorfreude auf den roten Kontinent endlich in den Flieger nach Australien! Uund kommt genau rechtzeitig zum Fest der Liebe in aller Herrgottsfrühe in Australien an. Das Liebespaar ist wieder vereint.

Happy End. Der Vorhang fällt.