Tasmanien – von Bergen und Buchten

Auch neben dem Overland Track hat Tasmanien jede Menge zu bieten. Vor allem Naturliebhaber kommen voll auf ihre Kosten: Dünn besiedeltes Land, wilde und teilweise ziemlich unzugängliche Nationalparks, traumhafte Strände und jede Menge hervorragende Wandermöglichkeiten (sprich: sehr naturbelassene Wanderwege – keine Treppen auf den Berg wie in China) ließen auch unseren Aufenthalt auf der Insel etwas länger werden als gedacht. Hier eine zusammengefasste Version unserer 4 Wochen auf der kleinen Insel:

Schon gleich am Anfang kaufen wir uns für 60 $ einen 8 Wochen gültigen Nationalpark-Pass, der für alle 20 Nationalparks in Tasmanien gilt. Da wir vorhatten, mehrere Parks zu besuchen, ist das die günstigere Variante als für jeden Park jeweils 20 $ zu bezahlen. Von Biene´s Geschwistern hatten wir noch ein super Weihnachtsgeschenk auf dem Reisekonto und lösen das direkt dafür ein.

DANKE, FAMILIE GINTER UND MaMaBenIs KIENINGER!

So gerüstet schnüren wir die Wanderschuhe. Wie überall in Australien ist auch in Tasmanien die Tourismusindustrie technologisch auf dem neuesten Stand. Es gibt Smartphone Apps, die einem zeigen welche Wildblumen gerade blühen, welche Fische man angeln darf, wo Campingplätze und wo die Sehenswürdigkeiten einer Stadt zu finden sind. Daneben gibt es auch eine App, die uns sehr gelegen kommt: 60 Great Short Walks in Tasmania – Diese listet die 60 besten (kurzen) Wanderungen Tasmaniens auf, inklusive Karten, Routenbechreibungen und Schwierigkeitsgrad. Das wollen wir ja gleich mal testen. Unsere erste kurze Wanderung führt uns 2 Stunden durch die Cataract Schlucht bei Launceston. Und sie ist wirklich schön, die schroffen Doleritfelsen bilden einen dunklen Kontrast zu der sattgrünen Vegetation.

Eingelaufen brechen wir auf zum Ben Lemond Nationalpark. Im Winter wird der Park zum Skigebiet, während er den Rest des Jahres hauptsächlich von Wanderern angesteuert wird, die wie wir den 1572m hohen Legges Tor – den zweithöchsten Berg Tasmaniens – erklimmen wollen. Zuerst geht es aber mit dem Auto auf das Hochplateau hinauf, in Haarnadelkurven windet sich die Schotterstraße um die spektakulär aussehenden Doleritfelsen, die senkrecht in den Himmel aufragen und wie überdimensionale schwarze Säulen aussehen. Oben angekommen, ist es vom Chaletdorf aus nur noch ein kurzer, vielleicht einstündiger Spaziergang, bis wir auf dem Gipfel stehen. In den vielen Felsspalten hocken unzählige Wallabys und Pademelons (kleinere, tasmanische Verwandte der Kängurus), die ganz ohne Scheu einfach sitzen bleiben als wir an ihnen vorbeistiefeln. Die Sicht ist an dem Tag leider ziemlich wolkenverhangen und so machen wir uns recht bald wieder an den Abstieg.

Unser nächstes Ziel ist die Ostküste. Unterwegs übernachten wir in dem kleinen Dorf Legerwood, das eine ungewöhnliche Baumallee ziert. Zu Ehren der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg wurden hier Bäume gepflanzt, die allerdings im Laufe der Jahre zu einer Verkehrsgefährdung wurden. Anstatt diese Denkmäler zu fällen, sägte ein Künstler beeindruckende Figuren aus den großen Bäumen, die nun die Hauptstraße säumen:

Wenn wir eines eher nicht in Tasmanien erwarteten, waren das: schneeweisse Sandstrände! Genau die liegen aber vor, als wir im Mt. Williams Nationalpark im Nordosten der Insel ankommn. Feiner weißer Sand, türkisblaues Wasser und sich im Ozean tummelnde Delfine! Wie in der Südsee – nur die Temperaturen stimmen in Tasmanien´s Herbst leider nicht so ganz 😉 Das hält uns aber nicht davon ab, uns etwas weiter südlich in den Buchten der wunderschönen Bay of Fires (die schon mehrfach unter die schönsten Strände der Welt gewählt wurde) trotzdem in die Fluten zu stürzen.

Unterhalb der Bay of Fires liegt auf einer Halbinsel der Freycinet Nationalpark. Dominiert wird der ansonsten recht flache Küstenpark von 5 spektakulär aussehenden Bergen aus Granit, die als „Die Hazards“ mächtig am Übergang zur Halbinsel aufragen. Wir besteigen eher spontan einen davon, den Mt. Amos. Der Weg auf den Gipfel ist sehr steil, steinig und führt uns über große Felsbrocken und Granitfelsen, die es zu erklettern gilt. Nach 2 anstrengenden Stunden erwartet uns auf dem Gipfel eine spektakuläre 360 Grad-Aussicht. Im Süden haben wir perfekte Sicht auf die Wineglass Bay und nach Norden über die gesamte Halbinsel. Genial – und im Rückblick eine unserer Lieblingswanderungen in Tasmanien! Am nächsten Tag wandern wir in einer Halbtags-Rundwanderung zum Wineglass Bay Lookout bis zum Strand selbst und weiter zur anderen Seite der Bucht.

Unser einjähriges Reisejübiläum verbringen wir auf der Tasman Halbinsel im Süden Tasmaniens. Zu Kolonialzeiten wurde hier das berüchtigte Gefängnis Port Arthur errichtet, in das die Schlimmsten unter den Schlimmen deportiert wurden. Wir erkunden die alten Gemäuer auf einer nächtliche Geistertour. Leider – oder zum Glück? – spukt in dieser Nacht aber keiner der ehemaligen Insassen und der Grusel-Faktor hält sich eher in Grenzen. Ein größeres Highlight ist unsere Übernachtung direkt am tosenden Südpazifik beim Cape Raoul. Hier erkunden wir die Remarkable Cave – eine Höhle unter dem Meeresspiegel so hoch wie eine Kathedrale, in die bei Flut mit voller Wucht der Ozean flutet. Irgendwie ist es auch fazinierend, auf den stürmischen Ozean zu blicken und zu wissen, dass die nächste Landmasse in diese Richtung die Antarktis ist! Brrr. Bei den kühlen Temperaturen nachts können wir uns das auch ganz gut vorstellen… Bei unserer fünfstündigen Wanderung zum Cape Hauy tags darauf wird uns aber wieder warm genug, um uns im Anschluss mit einem Sprung ins Meer abzukühlen.

Ein weiteres Highlight ist der Besuch im nahen Tasmanian Devil Conservation Park. Hier werden neben einer Auf-Zuchtstation für die gefährdeten tasmanischen Teufeln auch viele andere einheimische Tiere wie seltene Goldene Possums, Quolls, Pademelons und einige Vogelarten gehalten. Der Park ist eine Art Un-Zoo, in dem die Tiere so natürlich wie möglich und nicht hinter Gittern gehalten werden. Daneben gibt es bei allen Tieren informative und amüsante Info-Talks mit den sehr engagierten Tierpflegern. Der Eintritt ist mit 33 $ pro Person nicht gerade günstig. Allerdings wird der gesamte Erlös zum Ausbau des Un-Zoos und für den Erhalt der tasmanischen Teufel verwendet. Das unterstützen wir gerne und lösen dafür direkt noch ein Weihnachtsgeschenk – diesmal von Biene´s Gotte – ein.

DANKESCHÖN, GOTTE!

Als nächstes steuern wir Hobart, die Hauptstadt Tasmanien´s, an. Neben den Festlichkeiten zum ANZAC-Day – einem seeeehr groß gefeierten australischen Feiertag zum Gedenken der gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg – besichtigen wir hier die Produktion der Cadbury-Schokoladenfabrik! Noch nie war eine Firmenbesichtigung so lecker 🙂 Anschließend brechen wir zum Lake St. Clair Cradle Mountain auf den Overland Track auf. Davon haben wir ja schon im letzten Artikel berichtet.

Nach dieser 4-tägigen Wanderung erreichen wir das idyllische Urlaubsörtchen Strahan an der Westküste. Hier geht am nächsten Tag eine Etappe der Targa Tasmania, einer Autorallye über ganz Tamsanien, durch. Als wir am nächsten Morgen bei Tagesanbruch von laut röhrenden Ferraris geweckt werden und beim Blick aus dem Autofenster Porsche und Lamborghinis sehen, wissen wir dass wir ganz ohne Anstrengung die Startaufstellung gefunden haben 😀

Die Nacht darauf übernachten wir lieber wieder direkt am Meer, bevor wir entlang der quasi unbesiedelten Westküste durch den Savage River Nationalpark in den Norden fahren. Eine kurze Wanderung bringt uns hier auf einen 152m hohen Lavaklumpen, der wie ein großer Kuchen über die ansonsten flache Küste aufragt und passenderweise The Nut heißt. Ein letzter Abstecher führt uns in den kleinen Ort Sheffield, dessen Geschäfte mit kunstvollen Fassadengemälden verziert sind, bevor wir wetterbedingt – es stürmt, schüttet und ist winterlich kalt – noch 2 Tage in Devonport verbringen. Von dort nehmen wir die Nachtfähre zurück auf´s australische Festland, wo wir nach einer ziemlich stürmischen Überfahrt frühmorgens wieder in Melbourne ankommen.

Im gesamten sind wir knapp die Hälfte der 60 Great Short Walks gelaufen (die Touren der App sind alle sehr gut machbar und auch die mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad gehen für uns Hügel-gewohnte Süddeutsche noch als Spaziergang durch) haben einige längere Wanderungen absolviert, sind dabei an die 150 km gewandert, haben 8 Nationalparks besucht und die Insel einmal komplett mit unserem Jeep umrundet.

Nur Vampire, das haben wir keine gesehen! 😀