Abenteuer Transsibirische Eisenbahn

Wo der Weg das Ziel ist
 

Unsere Bahnfahrt auf der legendärsten und längsten Eisenbahnstrecke der Welt, die auf einem anderen Kontinent endet als sie anfängt und seit mehr als 100 Jahren Europa mit Asien verbindet, begann am Freitag Nachmittag am Yerislawer Fernbahnhof Moskaus, welcher von vorn eher an eine Märchenburg als an einen Bahnhof erinnert. Unsere Buchungsbestätigung hatten wir bereits vor 2 Tagen am Bahnhof in Tickets eingetauscht und so konnten wir nach Kontrolle der Fahrkarten und Reisepässe durch die Waggonschaffnerin problemlos in Waggon 10 des Zuges 056 „Enissej“ einsteigen.

Wir fahren 3. Klasse. Das heißt, wir bezogen 2 Betten in einem Großraumwaggon, in dem 52 Stockbetten zu je 4 Betten mit zum Gang offener Trennwand angeordnet sind. Am Gang entlang verläuft nochmal eine Reihe Stockbetten.
Unsere erste Etappe mit der Transib rollt uns in 3 1/2 Tagen von Moskau nach Krasnoyarsk in Sibirien. Das sind ganze 4104 km und macht auf der Karte gerade einmal knapp die Hälfte der Breite dieses Riesenreiches aus.

Wir machten es uns also Tee und Bier trinkend auf dem unteren von unseren 2 Betten gemütlich, schauten aus dem Fenster und beobachteten die an uns vorbei ziehende Natur. Nach den letzten Vororten Moskaus wandelte sich diese schnell in fließend ineinander übergehende Birkenwälder, unterbrochen von kleinen Ortschaften mit traditionellen russischen Holzhäuschen und breiten Flüssen. Abends wiegte uns das gemächliche und gleichbleibende Rattern der Eisenbahn in den Schlaf. Es war tags wie nachts überraschend ruhig und angenehm geruchlos 😉 im Waggon.

An der Landschaft änderte sich auf den ersten Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen nichts: Birken, Birken, Nadelbäume, Fluss, Birken, Schnee, Birken, Dörflein, Fluss – moment: Schnee?!? Japp, die Landschaft wurde zunehmend weisser. Gegen Mittag des ersten Tages war dann durchgehend eine geschlossene Schneedecke zu sehen und auch die Flüsse waren entweder zugefroren oder es schwammen Eisschollen auf den größeren. Vom erhofften frühlingshaften Sprießen in der Taiga ist bislang noch keine Spur. Aber auch die weiße Weite hat durchaus ihren Reiz. Wir schrieben ja bei unserer Packliste, dass wir mit dem Sommer reisen wollen – naja, gerade fahren wir eher dem Frühling voraus 😀 Aber im Zug haben wir es bei ca. +25 Grad trotzdem gemütlich warm 🙂
Wir verbrachten diesen Tag hauptsächlich mit dem Blick aus dem Fenster, dem Aufschreiben unserer Eindrücke, gemütlichem Dösen und kurzem Füße vertreten an den 3 ca. 20minütigen Stopps. Zum Abendessen testeten wir das Bordrestaurant (es gab Boschtsch, die russische Nationalsuppe) und fanden es besser als sein Ruf im Reiseführer.

Der zweite Tag begann wie der Erste: weiss. Die Landschaft wurde mit jedem Kilometer steppenähnlicher und weitläufiger, die Birkenwälder vereinzelter und immer mehr kleine Seen, weite Flächen und Morast waren vor dem Fenster zu sehen. Beim ersten Stopp gegen Mittag fing es tatsächlich an zu schneien. Wir vertraten uns die Füße im Schnee und kauften den am Bahnhof ihre Trockenfische und Teigtaschen anbietenden Babuschkas zwei frittierte Teigtaschen zum Mittagessen ab. Den Rest des Tages schauten wir aus dem Fenster, genossen die langsam wieder ergrünende Landschaft und legten uns dann recht früh schlafen, da wir nach Moskauer Zeit bereits um 4.48 Uhr in Krasnojarsk ankommen würden. Alle Züge fahren landesweit immer nach Moskauer Zeit, auch die Uhren an den Bahnhöfen und in den Zügen zeigen nicht die lokale, sondern die Zeit in Moskau an. Da muss man ganz schön aufpassen – immerhin haben wir mit dem Zug in den 3 Tagen bereits 3 Zeitzonen durchquert (Wahnsinn, oder?! Und Krasnoyarsk ist geografisch gesehen erst der Mittelpunkt Sibiriens…)

Im Zug ließ es sich alle 3 Nächte trotz der 50 weiteren Fahrgäste um uns rum recht gut schlafen – ob das an dem gleichbleibenden Rattern auf den Schienen lag oder daran, dass die vorbeiziehende weite Landschaft etwas meditativ-einschläferndes hatte, bleibt dahingestellt. 🙂 Und so kamen wir heute morgen recht ausgeschlafen in Krasnoyarsk an. Eine Mitarbeiterin des Hostels, welches wir von Moskau aus noch kurzfristig gebucht hatten, holte uns am Bahnhof ab und nun sind wir gespannt auf die nächsten 2 Tage. Heute wollen wir die Stadt erkunden und morgen steht ein Ausflug in den nahegelegenen Stolby-Nationalpark auf dem Programm.
Wir werden berichten 🙂
PS: Bis jetzt sind wir aber doch etwas enttäuscht: Wir sind jetzt schon 1 Woche in Russland und bisher haben wir nicht einen einzigen Russen mit Fellmütze oder Wodka trinken gesehen 😉 Aber zumindest wurde uns vorgestern auf dem Bahngleis von einer männlichen Babuschka Wodka zum Kauf feilgeboten. Biene hat dankend abgelehnt. Es war 9.38 Uhr 😀