4 Wochen Philippinen – eine Kurzgeschichte aus 7.107 Inseln

Für unseren Aufenthalt auf den Philippinen hatten wir uns rein gar nichts vorgenommen. Einfach nur relaxen, Sonne und Meer genießen und die Eindrücke unserer bisherigen Reise sacken lassen. Ganz ohne Reiseführer kamen wir in Manila an. Wir hatten keine Wunschdestinationen, keine must-see’s oder must-do’s. Wir ließen uns wie Treibholz von den Wellen an die schönsten Strände spülen.

Unsere erste Insel heißt Camiguin. Diese kleine Insel in der Inselgruppe der Visayas ist ziemlich unbekannt. 2 Tage nach unserer Ankunft in Manila geht hierhin der günstigste Flug des Tages – Ganz klar, nichts wie hin!

Ein absoluter Glücksgriff! Die schöne kleine Vulkaninsel wartet sowohl mit feinen schwarzen als auch mit goldgelben Stränden auf. Sie hat 7 – mal mehr, mal weniger – aktive Vulkane (von denen wir 2 bei ausrechender Motivation hätten besteigen können 😉 ) und ist (auf jeden Fall zur Nebensaison) so untouristisch, dass wir selbst bei unserer Ankunft am winzigen Flughafen der Insel nur sehr wenige andere Ausländer treffen. Der Flughafen selbst besteht aus einer Start- und Landebahn, einem großen Raum als Terminal und 2 kleinen Handwägen, mit denen das Gepäck ausgeladen und direkt an die Passagiere ausgehändigt wird. Es geht auch einfach.
Wir mieten uns im Norden der Insel preiswert in einen schönen kleinen Bungalow direkt am Strand ein. Und weil es uns so gut gefällt, bleiben wir eine ganze Woche am gleichen Fleck.

Wir faulenzen am Strand, dürfen auf ein lokales Fischerboot zusteigen und den Fischern Löcher in die Bäuche fragen, erkunden mit dem Motorbike die nähere und weitere Umgebung und zum ersten Mal auf unserer Reise können wir unsere Schnorchelausrüstung auspacken. Yeeah!

Einen Tag auf Camiguin sind wir richtig aktiv und umrunden die Insel mit dem Motorbike. Gleich morgens fahren wir los und decken uns auf dem lokalen Markt mit süßen Mangos, saftigen Ananas und unbekannten Früchten ein. Zuerst fahren wir hinauf zum Aussichtspunkt auf einem der Vulkane, von wo wir eine tolle Sicht bis auf´s Meer haben. Weiter geht´s an der Küste entlang zum Mangrovenwald. Später suchen wir den Nervenkitzel beim zip linen und erkunden die bunte Unterwasserwelt bei verschiedenen Schnorchelstopps. In einer Riesenmuschelaufzucht schauen wir den bis zu 200kg schweren Muscheln beim Wasser filtern zu. Zum Abschluss des Tages gibt es noch einen herrlichen Sonnenuntergang.

Zum perfekten Glück fehlt uns (bzw. vor allem Biene 🙂 ) nur noch die zwischen Palmen gespannte Hängematte. Die finden wir auf der nächsten Insel, Panglao.

Auf diese kleine Halbinsel im Süden der Insel Bohol setzen wir nach einer Woche tiefenentspannt von Camiguin via Mindanao über. Allen Informationen im Internet zum Trotz, die besagten dass man auf längere Fährfahrten auf den Philippinen besser verzichten sollte, fanden wir sowohl die kurzen Überfahrten am Tage als auch die beiden Nachtfahrten sehr angenehm und fühlten uns sicher. Da sind wir in Indonesien schon mit ganz anderen Seelenverkäufern über das Meer geschippert…

Überhaupt hatten wir überall das Gefühl, dass besonders auf die Sicherheit der Touristen sehr geachtet wird. Uli musste bei einer Busfahrt eine halbe Stunde regelrecht quengeln, bis ihn der Fahrkartenaussteller auf dem Dach des Busses mitfahren ließ – auf das die einheimischen Schulkinder schon längst verfrachtet worden waren.

Auf Panglao vertreiben wir uns die Zeit gleich gut wie auf Camiguin: wir genießen Sonne und Meer, laufen barfuß am Strand entlang, düsen mit dem Motorbike durch die Gegend, essen fangfrischen Fisch und lassen es uns gutgehen. Bei unserer Ankunft machen wir noch einen Abstecher zu den Chocolate Hills in der Mitte der Insel, die als perfekt geformte Kegel inmitten der flachen, grünen Landschaft wie braune Schokoladenhügel aufragen.

Im Naturreservat in der Nähe der Chocolate Hills besuchen wir die seltenen Tarsiere. Diese kleinen Kerlchen sind als kleinste Primaten der Erde gerade mal handtellergroß und haben neben so langen Fingern wie ET auch riesige, braune Knopfaugen. Leider sind die Tierchen nachtaktiv – sodass wir sie bei unserem nachmittäglichem Besuch nur mit geschlossenen Augen sehen… 😀

Kleines Travelnerd-Wissen: Die Augäpfel der Tarsiere sind größer als ihr Gehirn. Im Verhältnis Auge zu Kopf sind die Tarsieraugen 300mal größer als die Augen der Menschen zu deren Kopf. Die Augäpfel der Tarsiere sind unbeweglich. Zum Ausgleich können sie ihren Kopf um 180 Grad nach links und rechts drehen.

Um noch mehr von der schönen maritimen Welt zu sehen, buchen wir eine Halbtages-Bootstour mit Schnorchelstopp, einer weißen Sandinsel und der Aussicht auf spielende Delfine. Trotz strahlendem Sonnenschein ist das Meer an diesem Tag ziemlich aufgeraut, sodass wir keine Delfine sehen. Auch das schnorcheln in der Marine Protected Area von Balicasag Island, eigentlich das Highlight der Bootstour, ist deshalb nicht möglich. Alternativ schnorcheln wir auf der anderen Seite der Insel, wo wir am Drop off Point ebenfalls viele große und kleine Rifffische und Schwertfische sehen. Hier finden wir auch Nemo 🙂 Wir schnorcheln etwas abseits der anderen Touristen und haben das Glück, hier 2 große Meeresschildkröten zu sehen.
Wir sehen aber leider auch viele abgestorbene Korallen, was uns bei den vielen vor Anker liegenden Booten nicht überrascht.

Nach einigen Tagen zieht es uns schließlich weiter. Unser nächstes Ziel ist Palawan, die westlichste Insel der Philippinen. Palawan -auch “The last frontier” genannt – ist trotz ihrer natürlichen Highlights noch herrlich unerschlossen. Wir verbringen 2 Tage in der kleinen Hauptstadt Puerto Princessa, wo Uli sogar zum Tricycle-Fahrer wird 🙂

Im Anschluss geht es in 5 Stunden mit dem Jeepney weiter nach Sabang an der Westküste der Insel. Hier wartet mit dem Untergrund Fluss eines der “Neuen 7 Naturwunder der Erde”. Wir sind überrascht, dass der kleine Ort trotz dieser Attraktion mehr oder weniger nur aus einer einzigen Straße und einer Handvoll kleiner Bungalowanlagen direkt am Meer besteht. Strom gibt es nur abends von 18 Uhr bis 6 Uhr in der Früh. Überall herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre, die Preise sind sehr human und Internetzugang hat nur das Luxushotel. Neben dem Fluss hat Sabang einen wunderschönen, 50 m breiten und 1 km langen Sandstrand zu bieten. Viele Besucher des Underground Rivers besichtigen diesen im Rahmen eines Tagesausflugs von Puerto Princessa aus. Wir sind froh, dass wir mehr Zeit haben und bleiben können, solange es uns gefällt.

Nachdem wir uns bereits in Puerto Princessa das Permit für den Zugang zum Nationalpark besorgt haben, steht unserem Besuch beim Underground River nichts mehr im Wege. Zu diesem kann man hin und zurück auch mit dem Boot fahren, wir entscheiden uns allerdings für eine 5,3 km Wanderung durch den Urwald. Sobald der Nationalpark morgens öffnet, starten wir mit einem Guide zu der ca. 2-stündigen Wanderung. Auf kleinen Trampelpfaden geht es durch den Wald. Auf dem Weg kommen wir vorbei an dicken Banyan-Bäumen mit Wurzeldurchmesser bis zu 4 Meter und tiefen Felsenhöhlen, sehen wilde Makkaken, Papageien und andere Vogelarten und sogar eine Schlange.

Am Underground River angekommen, treffen wir zum ersten Mal auf zahlreiche Tagesbesucher. Wir steigen mit 6 anderen Besuchern in ein kleines Ruderboot und nur mit einer Taschenlampe ausgestattet geht es ca. 2 km hinein in die dunkle Höhle, durch die der Fluss auf einer Gesamtlänge von über 5 km ins Meer fließt. In der Höhle selbst erwarten uns bizarr geformte Stalaktiten, riesige Fledermauskolonien und große und kleine Höhlenkammern. Die höchste ist über 60 Meter hoch. Wir haben uns im Vorfeld nicht ganz so viel von dem Besuch versprochen, allerdings hat uns der Underground River sehr positiv überrascht. Es war doch ziemlich beeindruckend.

Nach 2 weiteren entspannten Tagen in Sabang fahren wir ganz hoch in den Norden der Insel nach El Nido. Unterwegs machen wir noch einen kleinen Ausflug und eine 2-stündige Wanderung zu einem Dorf des endogenen Batak-Volkes, was uns aber nicht ganz so sehr beeindruckt. In El Nido erwartet uns ein kleines Backpacker-Städtchen mit einer tollen vorgelagerten Inselwelt. Wir wohnen am schönsten Strand der Gegend etwas außerhalb der Stadt, wo nur einige recht teure Resorts angesiedelt sind. Bei einem von diesem dürfen wir kostenlos unser Zelt aufstellen – wir haben quasi unseren eigenen Beachfrontbungalow direkt am Meer. Yeeah!

Wir gönnen uns den Luxus 😉 und bleiben 5 Tage. El Nido lädt ein zum Verweilen: Im Städtchen selbst gibt es neben zahlreichen Hostels, kleinen Shops und Cafés direkt am Strand Bars mit Live-Musik und Happy Hours… Und an unserem Strand Las Cabañas blicken wir tagsüber abgelegen von der Straße und anderen Touristen nur auf das Meer, relaxen in den Hängematten, genießen traumhafte Sonnenuntergänge und sehen nachts herrliche Sternenhimmel.

Highlight sind die Touren, die von El Nido aus zu den vorgelagerten Inseln unternommen werden können. Im Angebot sind die 4 Touren A,B,C und D, die von allen Anbietern identisch und zu ähnlichen Preisen angeboten werden. Auf allen Touren werden neben Inseln mit schönen Stränden auch Schnorchelspots angesteuert. Wir entscheiden uns für Tour A und haben einen tollen Tag auf und im Wasser. Unter anderem erkunden wir eine versteckte Lagune, die nur bei Ebbe zugänglich ist, schnorcheln an mehreren Stellen mit vielen bunten Fischen und fahren zum Abschluss an einen tollen Sandstrand. Zusammen mit Melanie & Adrian aus Deutschland, die mit uns auf der Tour waren, lassen wir den Abend in einer der Beachbars gemütlich ausklingen.

Unsere letzte Destination auf Palawan heißt Port Barton. Auch dieser kleine Ort besteht (bisher) nur aus einigen kleinen Hotels und einem breiten, langen Strand. Wir dürfen unser Zelt wieder direkt am Strand aufschlagen, auf dem Gelände eines kleinen Hotels. Unsere Anfahrt in das Dorf ist abenteuerlich. Nachdem wir an der Hauptstraße an der Abzweigung Richtung Port Barton ausstiegen, erzählen uns die lokalen Tricycle-Fahrer, dass heute kein Bus mehr nach Port Barton fahren würde. Die Preise, die sie für die 20 km lange Fahrt verlangen, sind illusorisch. Wir laufen ein Stück an der Straße entlang und halten ein kleines Motorbike mit Beiwagen an, auf dem bereits eine dreiköpfige Bauernfamilie sitzt. Wir dürfen mitfahren und steigen samt Gepäck zum Gemüse in den Beiwagen. Los geht eine rasante Fahrt auf dem wackligen Gefährt, das kurz ins Schleudern gerät, als wir unser Gewicht verlagern. Als ca. in der Mitte der Strecke die Kette runterspringt, sind wir froh, als schließlich doch noch ein Bus um die Ecke biegt. Wir steigen auf das Busdach auf und legen das letzte Stück über die Schotterpisten in lustiger Runde mit 4 anderen Backpackern zurück. Nur ab und zu müssen wir uns vor tief hängenden Ästen ducken und uns in den Kurven etwas fester krallen, damit wir nicht von den Reissäcken abrutschen.

Wir verbringen nochmal schöne Tage am Strand und an unserem letzten Abend auf Palawan schwingen wir selbst den Kochlöffel – wir haben uns frühmorgens 1.3 kg fangfrische Spanische Makrele gekauft, die wir in der Open Air Küche des Hotels (fast ohne Hilfe 😉 ausnehmen und zubereiten. Sehr lecker – wir haben das kochen noch nicht verlernt 🙂

Ein schöner Abschluss, bevor es für 3 Tage zurück nach Manila geht, von wo aus wir unsere Visa für Myanmar beantragen müssen.