Unsere steinige Reise in die Vergangenheit…und ins Paradies?

Hier stehen wir nun also! Übermüdet und genervt. Es ist genau 23.55 Uhr. Die ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit lässt unsere Kleidung unangenehm auf der Haut kleben und wir sind erschöpft. Kein Wunder – immerhin zählt unser Tag heute schon 48 Stunden statt der normalen 24. Es ist der 8. März und obwohl wir den eigentlich heute schonmal hatten, fängt er gerade nochmal von vorne an.

Kein Bier auf Hawai´i

Knapp 2 Jahre nach unserem Aufbruch in Deutschland haben wir heute die Datumsgrenze überquert und sind damit im wörtlichen Sinne zurück in die Vergangenheit gereist. Während unsere Köpfe damit beschäftigt sind zu verstehen, dass heute eigentlich erst gestern ist und wir noch gar nicht da sind, kommt Biene der allseits bekannte Schlager von Paul Kuhn in den Kopf:“Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier, drum fahr ich nicht nach Hawaii, drum bleib ich hier…“ Zu mehr als einem gequälten Grinsen kann sich Uli trotz Biene’s stimmlich gewagter Wiedergabe aber nicht durchringen. Denn es ist wahr.

Zumindest im Moment. Wir stehen in dem kleinen 7/11 Shop an der Ecke von Waikiki Beach. Vor uns ein variantenreiches und eisgekühltes Biersortiment. Aber die stählernen Rolläden vor dem Regal sind bereits herunter gelassen. Auch das noch! Dabei wollten wir doch nur mit zwei Bier darauf anstoßen, dass wir endlich auf Hawai´i sind. Und darauf, dass die 2. Version dieses Tages morgen besser wird als die heutige Ausgabe. Aber daraus wird heute nichts mehr. Obwohl das Verkaufsverbot von Alkohol erst ab Mitternacht gilt und die Verkäuferin zugibt, das Regal zu früh abgeschlossen zu haben, lässt sie sich nicht erweichen, es nochmal aufzuschließen. Von den Strapazen dieses Tages, der Hektik und dem Langstreckenflug geschafft, haben wir keine Lust mehr zu diskutieren und ziehen mit einer großen Flasche Coca-Cola von dannen. Dann stoßen wir halt mit Cola auf Hawai´i an. Das fängt ja schon gut an.

Strapaziöse Reise zurück in der Zeit

…und dabei hatte der Tag doch richtig gut gestartet: Morgens um 5 Uhr fährt uns unsere AirBnB-Gastgeberin netterweise zum Flughafen. Wir hatten großzügig Zeit eingeplant. So früh morgens ist noch nicht viel los auf Christchurch’s Straßen und wir kommen mit genügend zeitlichem Puffer für unseren Flug nach Auckland an. So haben wir das am liebsten. Das Boarding ist auch pünktlich, auf dem Rollfeld aber müssen wir warten. Der Pilot teilt über das Boardsystem mit, dass eine Schraube an unserem Flugzeug nicht korrekt angezogen ist und er sicherheitshalber auch alle anderen nochmal überprüfen lässt. Finden wir gut. Wenn wir so darüber nachdenken, hätten wir vielleicht aber lieber erst gar nichts über die eine lockere Schraube gewusst. Schließlich geht’s los. Durch die Verzögerung landen wir mit einer halben Stunde Verspätung in Auckland. Die fehlt uns dann auch für ein entspanntes Umsteigen. Im Sauseschritt laufen wir vom nationalen Terminal zur internationalen Abflughalle. Zwar haben wir bereits online für unseren Flug nach Hawaii eingecheckt, durch die Sicherheitskontrolle müssen wir aber trotzdem noch. Und wie sollte es anders sein: hier erwartet uns heute eine lange Schlange. Als wir endlich an der Reihe sind, passiert, was uns sonst nie passiert: wir werden gebeten, unser Handgepäck zu öffnen.

Während wir den Inhalt auf der Ablage ausbreiten und noch fieberhaft überlegen, was die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeamten auf sich gezogen haben könnte, nimmt uns die Beamtin auch schon die 2 Töpfe Manuka-Honig aus der Hand, die wir als kulinarisch endemisches Souvenir aus Neuseeland für unsere Familien kauften und die wir ohne groß darüber nachzudenken ins Handgepäck stellten statt sie in unsere Rucksäcke zu verfrachten. Wir schauen die Beamtin ratlos an – Was soll an Honig verboten sein? Die 250 g Potts würden die 100 ml Obergrenze für Flüssigkeiten im Handgepäck übersteigen, erklärt sie uns! Das muss ein Scherz sein. Schließlich ist der Manuka-Honig ziemlich zäh – nichtmal als dickflüssig könnte man ihn bezeichnen. So sei die Vorschrift, erklärt sie uns ungerührt. Da wir nicht zuschauen könnten, wie unsere noch Original-verschlossenen Honigtöpfe bis zum Rand gefüllt im Müllbehälter des Zolles landen, packen wir an Ort und Stelle unsere Löffel aus, um wenigstens noch soviel wie möglich von dem leckeren Honig heraus zu löffeln. Während wir mit der einen Hand löffeln, schreiben wir mit der anderen gleichzeitig in Windeseile die Postkarten, die wir wegen den bereits aufgeklebten Briefmarken unbedingt noch in Neuseeland einwerfen wollen. Das wird der Zollbeamtin allerdings nach wenigen Minuten zu bunt und unwirsch konfisziert sie unsere Honigtöpfe. Wir müssen jetzt eh dringend los. Während Biene in Windeseile zum einzigen Briefkasten des Terminals flitzt, stellt sich Uli sicherheitshalber am bereits leeren Gate auf. Hektisch steigen wir schließlich als Letzte in den Flieger und lassen uns in unsere Sitzplätze plumpsen. Puh, geschafft! Die nächsten Stunden bringen uns ganz entspannt Hawaii entgegen. Unter uns sehen wir nichts als das tiefe Blau des Ozeans und so langsam entspannen wir uns von der Hektik vor dem Flug. Zwar ist der achtstündige Flug der längste auf unserem bisherigen Trip, aber da wir beide gerne fliegen, ist das kein Problem für uns.

Allerdings haben wir jetzt ein anderes Problem, an dem wir auch noch selbst Schuld sind: da wir ein Sonderangebot für die preiswerteste Sitzkategorie auf diesem Flug ergatterten, haben wir keinerlei Mahlzeiten inbegriffen. Das wussten wir auch und haben vorgesorgt. Aber wie immer, wenn wir hungrig einkaufen gehen, kauften wir viel zu viel: so besteht unser Proviant sage und schreibe aus 2 Laiben Brot, Salami, Käse, Chips, 4 Äpfeln, 2 Avocados…für einen halben Tag! Wer soll das alles essen?! Wir haben noch nicht einmal die Hälfte unserer Vorräte vernichtet, als wir auch schon satt sind. Ein kurzer Blick auf die Einreisebestimmungen macht aber klar, dass ein Aufheben des restlichen Proviants auf den nächsten Tag nicht in Frage kommt. Wir fliegen in die USA – und die hat strikte Einfuhrbestimmungen. Frische Lebensmittel dürfen nicht nach Hawaii eingeführt werden. Da wir an diesem Tag bereits zusehen mussten, wie unser Honig in der Tonne landet, wollen wir das nicht noch einmal riskieren. Also essen wir weiter! Dementsprechend übersatt landen wir um 20 Uhr in Honolulu. Leider ist es um diese Uhrzeit bereits dunkel, sodass wir im Landeanflug nicht viel von der Insel Oahu sehen können.

Träge holen wir unsere Rucksäcke vom Gepäckband und laufen zur Passkontrolle. Eigentlich ist die Schlange vor uns gar nicht so lang… …dennoch stehen wir geschlagene 2 Stunden später immer noch an derselben Stelle! Wir sind müde von dem langen Tag, entnervt, weil wir nicht wissen warum wir uns hier die Beine in die bis bis zum Anschlag gespannten Bäuche stehen müssen und wollen endlich raus – beziehungsweise hinein in Hawaiihemd und Baströckchen (nein, den konnten wir uns wirklich nicht verkneifen 🙂 ). Wie sich heraus stellen sollte, ist an diesem Abend das Computesystem der Einwanderungsbehörde abgestürzt und die Beamten müssen die Daten jeden einzelnen Passagiers von Hand erfassen. Und das dauert, können wir Euch sagen… Auch die Laune der Beamten ist dementsprechend mies. Nix mit Hula tanzenden, lächelnden Einheimischen oder Ukulele spielendem Empfangskomittee, wie wir es auf Fiji erleben durften.Bis wirletztendlich aus dem Flughafen treten können, ist es 23 Uhr. Davor müssen wir aber noch unsere in Neuseeland teuer gekauften Avocados, die wir beim besten Willen nicht mehr geschafft haben, beim Bio-Security Check in die Tonne schmeißen. Spätestens jetzt ist unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt.

Wenigstens fährt auch um diese Uhrzeit noch ein Bus nach Waikiki Beach, sodass wir ohne große Anstrengung zu unserer vorgebuchten Unterkunft in Strandnähe kommen. Nach nur einem kleinen bisschen Verlaufen finden wir unser Hostel schlussendlich. Es war die günstigste Option, die wir in Waikiki finden konnten und trotzdem ist das schmucklose Doppelzimmer mit geteiltem Bad für knapp 100€ die mit Abstand teuerste Unterkunft unserer Reise! Wir schmeißen unsere Rucksäcke in die Ecke, spritzen uns kaltes Wasser ins Gesicht und beschließen, den nervigen Reisetag jetzt abzuhaken, uns noch schnell 2 Bier zu besorgen und mit diesen darauf anzustoßen, dass wir jetzt endlich auf den Trauminseln sind, die der Welt die Ukulele und den Hulatanz gaben. Also laufen wir schnell zum nächsten 7/11 an der Ecke…

…und damit wären wir wieder am Anfang unserer Geschichte – richtig: nämlich vor dem abgeschlossenen Regal, hinter dem unerreichbar die eisgekühlten Bierchen stehen!

ALOHA HAWAII!