Melbourne

Bevor wir an Karfreitag unsere Zelte auf der Farm wieder abbrechen und aus dem Horse Truck ausziehen, gibt es am Abend davor noch ein großes BBQ mit Mat, Theresa und der Familie von Brandon, der ebenfalls meist bei der Traubenernte vor Ort war. Mit auf der Speisekarte – unser schwäbischer Kartoffelsalat :-). Freitag morgens gehen wir beide noch zusammen ausreiten. Wenigstens einmal muss Uli auch über die roten Sanddünen galoppieren und die endlosen Stoppelfelder entlang reiten.

Stilecht zu Karfreitag essen wir in Mildura Fish´n´Chips und dann geht es für ca. 500 km ab auf den Sunraysia Highway. Nächstes Ziel: Melbourne! Dazwischen erwarten uns Steppe, kilometerlange Getreidefelder und verschlafene Outback-Städtchen. Samstags kommen wir im Gebiet der Goldfields an, in denen zu Beginn des 19. Jahrhundert im Zuge mehrerer Goldrushs emsig und mit mehr oder weniger Glück nach Gold gegraben wurde. Die Nacht auf Ostersonntag verbringen wir auf einer Anhöhe im Wald mitten im Nirgendwo. Heute Nacht gibt es auf der Südhalbkugel ein Erlebnis zu bestaunen, dass nur alle paar Jahrzehnte zu sehen ist: eine totale Mondfinsternis. Wir haben perfekte Sicht und Glück – die sich bis dahin hartnäckig haltenden Wolken verziehen sich rechtzeitig. Gegen 21 Uhr verdunkelt sich der Mond, bis er gegen 23 komplett dunkel ist und dann für ca. 1 Stunde glutrot leuchtet. Ein spektakuläres Schauspiel!

Unser Ostersonntagsfrühstück genießen wir ganz ungestört mit gekochten Eiern und Schokolade aus der Heimat, bevor wir weiterfahren. Eigentlich hatten wir geplant, in Ballarat in das Freilichtmuseum/Themepark „Souvereign Hill“ zum Goldrausch zu gehen, da aber Feiertag ist, sind wir nicht die einzigen mit dieser Idee, wie wir an der endlosen Schlange vor dem Eingang sehen können.Wir machen stattdessen eine kurze Wanderung in einem nahen Nationalpark und kommen gegen Abend an unserem Ziel in der Nähe von Melbourne an – am Meer!

Wir sind endlich wieder am Ozean! Wir finden in Werribee einen tollen Übernachtungsplatz direkt am Wasser und schlafen zum leisen Rauschen der Wellen ein. Am nächsten Morgen beginnt unser Tag mit einer tollen Begegnungen. Wir trinken gerade unseren Kaffee am Meer und räumen unser Auto etwas auf. Uli wirft einen unserer Wasserkanister in die Mülltonne, da er tropft. Ein Mann geht vorbei, sieht dass er den Kanister noch brauchen kann und spricht uns an. Es entwickelt sich ein sehr nettes Gespräch und es stellt sich heraus, das Günter ebenfalls aus Deutschland stammt, aber bereits seit 38 Jahren in Australien lebt. Nach einigen Minuten gibt uns Günter seine Adresse und lädt uns ein, uns zu melden, wenn wir in Adeleide sind. Einfach so. Es sind diese Begegnungen, die unsere Reise zu etwas Besonderem machen.

Dann fahren wir über die imposante West Gate Bridge in die Stadt ein, die bekannt ist für ihre sport- und outdoor-begeisterten Einwohner. Und auch unser Eindruck ist, dass überall wer joggt, Rad fährt, skatet oder die Sportgeräte im Park nutzt. Unser erstes Ziel ist der Fährhafen, um eine Überfahrt nach Tasmanian zu buchen. Da auf Buchungen direkt am Schalter aber eine Bearbeitungsgebühr aufgeschlagen wird und es auch keine Last-Minute-Schnäppchen gibt, buchen wir die Fähre schließlich doch online. Die günstigste Überfahrt ist die Tagfahrt, die es nur noch Sonntags darauf gibt. Interessanterweise ist die Fährfahrt generell einiges teurer als ein Flug – aber Lion King soll natürlich auch mit. Da kommt es uns sehr gelegen, dass wir die Weihnachtsgeschenke von unseren Eltern noch nicht ausgepackt haben 😉 Die lösen wir dann hier direkt ein, um zu dritt nach Tasmanien und wieder zurück zu kommen.

VIELEN DANK, LIEBE ELTERN!

Nachdem das erledigt ist, können wir unseren Aufenthalt in Melbourne planen. Eine ganze Woche haben wir Zeit – wir haben auch noch so allerlei vor.

Unter anderem wollen wir unsere Ausrüstung etwas aufstocken, um für mehrtägige Wanderungen in Tasmanien´s Nationalparks gerüstet zu sein. Ein kompakter Gaskocher, Kompass, ein Schlafsack für Biene und ein Regenponcho und Hut für Uli stehen auf dem Einkaufszettel. In Melbourne´s kompaktem City Center finden wir in einer einzigen Straße alles, was wir brauchen. Und im großen Shoppingcenter DFO noch mehr 😉

Trotz neuer Ausrüstung hat Uli nach gut einem Jahr Reisen nur noch soviel im Gepäck, dass ihm sein Rucksack viel zu groß und leer ist und er gepäcktechnisch abspeckt. Mal wieder über die Onlinehandelsplattform „gumtree“ findet er etwas außerhalb von Melbourne den kleineren „Bruder“ des bisherigen Deuter Rucksacks zum Verkauf. Und schon tags darauf verkauft er seinen zu großen Klotz – und macht bei dem Tausch sogar noch ordentlich Gewinn.

Melbourne selbst lernen wir auf einer halbtägigen Stadtführung kennen. Selten war Stadtgeschichte so unterhaltsam wie bei Hugo von I´M FREE 😉 Wir finden versteckte In-Bars, entdecken Melbourne´s lebendige Street Art Szene und erfahren jede Menge über die frühe und aktuelle Geschichte der Stadt. Ach, und als Bonus können wir nun Hipster von Radlern unterscheiden 😉

Dafür war unser Besuch um Science Museum leider ein Flopp. Dem Vergleich mitdem Technorama in Zürich kann es nicht standhalten. Könnte daran liegen, dass wir über das Alter schon hinausgewachsen sind, in dem man uns mit grünen Smileys für Physik begeistern konnte und wir uns ungern mit zehnjährigen Knirpsen um den Platz vor viel zu niedrigen interaktiven Displays streiten.

Melbourne als Stadt ist wie für unsere Art des Reisens gemacht – ein kompaktes Stadtzentrum, einfache Straßenführung und allerlei kostenlose Einrichtungen (BBQs im Park, Trinkwasser-Refill-Brunnen,…) und kostenlose Parkplätze in Laufnähe zum Zentrum. Im Zentrum selbst bringen uns die komplett kostenfreien Trams von A nach B. Und alle 15 min fährt die ebenfalls kostenlose City Circle Tram mit Informationen zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke rund ums Zentrum herum.

Als wir hier sind, findet gerade das jährliche Comedy Festival statt und auf den verschiedenen Plätzen der Stadt werden kostenlose Shows von internationalen Künstlern aufgeführt. Auf dem futuristisch gestalteten Federation Square gibt es noch dazu eine riesige Leinwand, auf der u.a. die Spiele der Australian Football League live und umsonst übertragen werden. Außerdem ist auf dem ganzen Platz kostenfreies Wifi verfügbar.

Überhaupt ist „Aussie Ruled Football“ hier das, was in Deutschland Fußball ist. Und Melbourne ist die Football-Hauptstadt. 11 der 16 Teams in der ersten Liga kommen aus dem Großraum Melbourne. Der Stadioneintritt zu einem Spiel im Stadion MCG ist uns dann doch etwas zu teuer – dafür gönnen wir uns von einem weiteren Weihnachtsgeschenk in einer super Bar direkt am Federation Square ein samstägliches Bierchen und sahen uns die Live-Übertragung des Spiels auf der großen Leinwand an.

DANKE AN DIE ENZBERGER FAUSTBALLER!

Unser fahrbares Hotel parken wir abwechselnd am Rande eines Parks in der Nähe zum Stadtzentrum und in den Küstenvierteln direkt am Meer. Eine Nacht parken wir beim bekannten Brighton Beach mit seinen bunt bemalten Strandhütten aus den 1920ern und trinken unseren Kaffee mit direktem Blick auf die Skyline Melbourne´s.

Überhaupt gefällt uns die entspannte Stadt recht gut und so vergeht die Woche bis zu unserer Überfahrt nach Tasmanian wie im Flug. Dann reicht es uns aber auch wieder mit der Großstadtluft und wir fahren gespannt auf das frühere Van Diemen Land an Bord der Spirit of Tasmania II.

Die Spirit of Tasmania