Buchrezension: Herz schlägt Kopf

Schon eine ganze Weile ist Romy frustriert und hinterfragt zunehmend die Routine in ihrem Leben: Ihren perspektivlosen Job, der sie täglich im Stau stehen lässt und der sie mehr unterfordert als ausfüllt; die Shoppingtouren, mit denen sie ihre Unzufriedenheit auszugleichen versucht und überhaupt ihren Alltag, durch den das Leben nur so an ihr vorbei rauscht. Und schließlich immer mehr auch ihren eigenen Kopf, der ihr sagen will, dass es keine Alternative für sie gibt.

Aber einfach so ausbrechen? Will sie das, kann sie das? Und wenn ja, wie soll das aussehen? Welchen der vielen möglichen Wege will sie gehen? Die Welt sehen? Auswandern? Digitales Nomadentum? 

Eines Tages ist das Fass schließlich voll. Romy packt all ihren Mut zusammen und trifft eine Entscheidung: Zusammen mit ihrem Mann Tobias und ihrer sechsjährigen Tochter Mila wird sie sich eine Auszeit nehmen und vier Monate lang um die Welt reisen. Es ist der Auftakt zu einer einmaligen Reise, die nicht nur von Südafrika nach Südostasien, Australien, Neuseeland bis in die Südsee und nach Südamerika führt, sondern auch nach innen, ganz tief dort hinein, wo der Kopf und das Herz miteinander debattieren.

Romy nimmt ihre Leser mit auf eine spannende Reise, die im Innen wie im Außen viele Veränderungen anstößt und zeigt, dass es manchmal nicht nur Planung und Vorbereitung braucht – sondern vor allem Vertrauen: In die Welt, ins Leben und vor allem in uns selbst. Los geht es mit einem genauen Plan – und dann, erst einmal unterwegs, spürt und liest man, wie Romy immer mehr ihrem Herzen folgt, wie sie einfach tut, was sich in dem Moment gut und richtig anfühlt – auch wenn der Kopf noch so manches Mal seine Zweifel äußert. Der Kopfmensch Romy stellt sich auf dieser Reise nicht nur bewusst ihren Ängsten, sie lernt auch, dem Leben und ihrem Herzen zu vertrauen und findet so ihr Glück – wenn auch nicht auf die Art und Weise, wie sie es zuvor erwartete…

 Durch ihre wundervoll authentische und reflektierte Art zu schreiben bekommt man als Leserin das Gefühl, in Romy´s Tagebuch blättern zu dürfen. Man bekommt einen so tiefen Eindruck von ihrer Reise und ihren Erlebnissen – und davon, was diese in ihr auslösen – dass man beim Lesen den Eindruck hat, persönlich dabei zu sein. Sei es, als sie in Thailand ein unerwartetes Reisetief einholt oder als sie ausgerechnet vor dem langersehnten Weiterflug zu ihrem heimlichen Highlight der Reise in die Südsee eine böse Erkältung heimsucht – ich habe an vielen Stellen im Buch richtig mit gefiebert, was wohl als nächstes passiert.

 Mit ihrer inspirierenden Geschichte schürt Romy nicht nur Fernweh, sondern gibt auch einen Schubs, selbst aktiv zu werden und Dinge im Leben zu ändern und so lange anzupassen, bis es sich stimmig und für einen persönlich richtig anfühlt.

Eine klare Lese-Empfehlung für alle, gerne kurzweilig und gut geschriebene Reiseliteratur lesen und die manchmal ebenfalls die Sehnsucht nach einer Flucht aus dem immer gleichen Alltag oder nach der Ferne packt. Und besonders auch für diejenigen , die vielleicht noch das letzte kleine Argument brauchen, um ihrem eigenen zweifelnden Kopf die Zunge rauszustrecken und selbst ihr Herz ernst und ihr Glück in die Hand zu nehmen!