Abenteuer

Willkommen in Teufel´s Küche – Dicke Luft in Berastagi

Willkommen in Teufel´s Küche – Dicke Luft in Berastagi

Nach dem Dschungeltrek durch den Gunung Leuser Nationalpark bei Bukit Lawang sind wir plan-, aber nicht ziellos. Bis wir Mitte Dezember in Singapur sein wollen, haben wir noch knappe 3 Wochen. Zuvor hatten wir uns überlegt, im Anschluss an den Besuch bei den Orang Utans weiter auf die Insel Borneo und wenn möglich noch nach Sulawesi zu reisen. Womit wir nicht gerechnet hatten: Die Vielfältigkeit Sumatra´!

Nach unserem Dschungeltrek und Gesprächen mit anderen Reisenden ist uns klar, dass wir auch locker 3 Wochen hier verbringen können, ohne dass wir im Geringsten Gefahr laufen, den Inselkoller zu erwischen. Wir sind uns schnell einig und beschließen, lieber Sumatra ausgiebig zu erkunden als zu versuchen, in zu kurze Zeit zu viele Ziele zu stopfen.

Eine 6-stündige Fahrt mit vollgestopften, klapprigen Minibussen bringt uns weiter nach Berastagi. Die hochgelegene Stadt im Karo Hochland liegt in einem riesigen Vulkankessel und ist umzingelt von zahlreichen Vulkanen. Mindestens 2 davon gelten noch als aktiv – und da wollen wir rauf! Viel mehr wissen wir noch nicht über den kleinen Ort und auch ein Reiseführer-Check verrät uns noch nicht, welches Glück wir haben. Denn Gunung Sinabung, einer der beiden Vulkane in der unmittelbaren Umgebung des Ortes, ist seit gut einem Jahr schwer am brodeln. Seit er im September 2013 zum ersten Mal seit Jahren mit großem Brimborium ausgebrochen ist, grummelt er miesgelaunt vor sich hin und seit Oktober 2014 – also knapp 6 Wochen bevor wir hier ankommen – speit er fast täglich Asche und Lava. Glück für uns, natürlich. Die Bewohner des Dorfes am Fuße des Vulkans, das sicherheitshalber evakuiert wurde, sehen das mit Sicherheit aus einem anderen Blickwinkel. Wobei die erhöhte Vulkanaktivität den Tourismus ankurbelt und zusätzliche Rupiah in die Gegend bringt.

Berastagi selbst würde – wie der Großteil indonesischer Städte – wohl keinen Schönheitspreis gewinnen. Die meisten Gebäude sind mehrstöckige, funktionale Betonbauten. Längs durch die Stadt verläuft der Trans-Sumtra-Highway, die vertikale Hauptverkehrsader der Insel. Entsprechend viele LKWs sind hier tags wie nachts – natürlich nonstop hupend – unterwegs. Wir quartieren uns im Wisma Sibayak ein, die erste Adresse im Ort unter Travellern. Die Zimmer sind geräumig und trotz der Nähe zur Hauptstraße recht ruhig. Hier treffen wir auch das australische Paar Oishee & Will wieder, mit denen wir in Bukit Lawang durch den Dschungel gewandert und ein anderes Pärchen, die wir auf Pulau Weh kennen lernten. Gleich am ersten Abend merken wir dass wir uns nicht mehr auf Meereshöhe, sondern auf 1.300 Metern befinden. Mit Einbruch der Dunkelheit kühlt es schlagartig ab. Zum ersten Mal seit gefühlt einer Ewigkeit kramen wir unsere langen Hosen und die Fleecepullover aus den Rucksäcken. Und zahlen gerne jeden Abend 0,70 € extra für eine heiße Dusche. Gut, dass die ganze Hauptstraße mit kleinen Warungs gesäumt ist, in denen wir uns bei Mie Goreng in allen erdenklichen Variationen wieder aufwärmen können. Und auch gut, dass es im kleinen Restaurant des Guesthouses heißen Ingwertee gibt.

Überhaupt ist das Wetter in Berastagi berüchtigt für seine abrupten Umschwünge. Wie wir selbst sehen, kann es morgens sonnig und klar sein und innerhalb einer halben Stunde ist alles wolkenverhangen und die Sicht eingeschränkt. Das schwer kalkulierbare Wetter ist mit ein Grund dafür, dass schon mehrere Bergsteiger und Forscher hier bei Vulkanbesteigungen ums Leben kamen. Wir treffen uns zur Touplanung mit einem lokalen Guide und erfahren, dass eine Besteigung des Gunung Sinabung nicht möglich ist. Aus Sicherheitsgründen sind derzeit alle Wege auf den brodelnden Vulkan gesperrt. Wir überlegen hin und her und hören von einer andere Reisende im Guesthouse, dass man zwar nicht hinauf kann, aber vom Fuße des Berges eine gute Sicht auf den Vulkankrater hat. Sie saß mit einem Guide stundenlang auf einem Fels und wartete, bis der Vulkan schließlich mit einer beeindruckenden Aschewolke ausbrach. Am nächsten Morgen brechen wir mit einem Opelet (= Minibus) auf in Richtung Vulkan. Wir beschließen, dass wir keinen Guide brauchen, um stundenlang auf einem Fels zu sitzen und zum Vulkan hoch zu schauen. Wir passieren mehrere verlassen scheinende Dörfer und lassen uns am Fuße des Vulkans absetzen.

Zu unserer Überraschung sehen zwar die Häuser leer stehend aus, der Anfang des Pfades auf den Vulkan hoch ist aber weder abgesperrt noch warnen Schilder vor der Besteigung. Man kann einfach hinaufspazieren…Keine Sorge – wir waren vernünftig genug, dass wir nicht weiter aufgestiegen sind (außerdem war es bereits zu spät für den siebenstündigen Aufstieg) 😉 Stattdessen suchen wir uns einen guten Platz zum beobachten des Vulkans. Dafür müssen wir aber zurück auf die andere Seite des Berges. Zwar kommt kein Opelet mehr, aber ein Zigaretten-Lieferwagen nimmt uns mit. In der Nähe eines Dorfes lassen wir uns absetzen und laufen weiter. Die Häuser hier sind alle von einer dicken grauen Ascheschicht bedeckt. Wir haben Glück und nur wenig später bricht der Vulkan aus. Zwar ist der Kraterrand wolkenverhangen, trotzdem ist die enorme Aschenwolke, die innerhalb weniger Sekunden über dem Vulkankrater erscheint, gut zu erkennen.

Wir machen uns auf den Rückweg und wieder ist das Glück auf unserer Seite: erst nimmt uns ein vom Feld heimkehrender Bauer sehr zur Belustigung seiner Frau und Tocher hinten auf der Ladefläche bis zur Kreuzung mit. Und kaum auf der Hauptstraße angekommen und den Daumen ausgestreckt, dürfen wir in die Fahrerkabine eines LKW einsteigen. Die Menschen sind sehr sehr freundlich und großzügig und jeder will sich mit uns unterhalten – oder wenigstens ein gemeinsames Foto machen.

Zurück im Guesthouse nehmen wir eine ausgiebige Dusche um all die Asche wieder loszuwerden, die sich auch überall auf uns abgesetzt hat. Am nächsten Morgen herrscht dicke Luft in Berstagi – der Wind hat gedreht und bläst die Asche des Sinabung über die Stadt. Graue Ascheschwaden rieseln sichtbar durch die Luft und die feine Asche legt sich auf alles, was eine Fläche bietet.

Kaum gehen wir vor die Tür, haben wir auch schon die feinen Partikel in der Nase. Auf den Straßen und auf dem Bauernmarkt ist deutlich weniger los als an den vorherigen Tagen. Wir wollen trotzdem den noch klaren Himmel ausnutzen und den zweiten Vulkan besteigen.Der Gunung Sibayak ist 2.049 Meter hoch und deutlich besser gelaunt als sein 450 m höherer großer Bruder Gunung Sinabung. Es gibt 3 verschiedene Aufstiege auf den Vulkan:

  • Ein dreistündiger, teilweise asphaltierter Weg entlang einer Straße, der gut zu finden ist und nordwestlich auf dem Bergrücken empor führt;
  • ein steiler, zweistündiger Aufstieg mit vielen ausgewaschenen Steintreppen direkt vom Fuße des Vulkans nach oben;
  • eine fünfstündige Wanderung durch den Dschungel.

Option 3 wird nur in Begleitung eines Guides empfohlen, da der Weg durch den Dschungel nicht gekennzeichnet ist und extrem rutschig sein kann. Auch der direkte Weg soll eher nicht alleine begangen werden, da viele der Treppen ausgewaschen sind und Sturzgefahr besteht. Da wir ja schon in Bukit Lawang durch den Dschungel gewandert sind und eigentlich lieber tolle Ausblicke genießen wollen, entscheiden wir uns für den 5 km langen Aufstieg Nr. 1, den wir problemlos alleine laufen können. Mit einem Opelet fahren wir bis zum „Vulcano entry“, wo eine kleine Eintrittsgebühr fällig wird. Nach einem guten Kaffee in der kleinen Hütte am Wegrand machen wir uns auf den wirklich einfach zu bewältigenden Weg und erreichen gegen 11 Uhr den Vulkanrand. Die Landschaft hier oben sieht fast schon unwirklich aus: der Boden ist bröselig-trocken, die Steine sind gelb und blassgrün vor Schwefel, schwarze Baumstümpfe ragen kahl in den Himmel, alles sieht verbrannt aus.

Schon auf dem Weg entlang des Kraterrims steigt uns ein beißender Geruch nach faulen Eiern in die Nase. Aus vielen kleinen Fumarolen werden laut zischend und mit riesigem Druck heiße Schwefelgasse ausgestoßen. Wir kommen uns vor, als wären wir in der Vorhölle gelandet: neben uns zischt und dampft es, unter uns brodelt es – und dann bricht neben uns in der Distanz der Gunung Sinabung aus. Wir haben vom Kratersee aus eine perfekte Sicht auf die riesige austretende Aschewolke. Ein beeindruckendes Schauspiel.

Dann gehen wir noch weiter um den Krater herum und steigen auf den Gipfel auf. Wir haben Glück, das Wetter hält und wir sehen bis weit hinab ins Tal. Keine halbe Stunde später ziehen Wolken auf und wir machen uns auf den Abstieg. Wir nehmen den direkten Abstieg und kommen am Fuß des Berges bei zahlreichen heißen Quellen raus. Obwohl uns direkt nach der Wanderung zum ersten Mal in Berastagi eher nach einer kalten Dusche wäre, packen wir die Gelegenheit beim Schopfe und tauchen in die fast schon zu heißen Pools ein.

Die letzten Kilometer fahren wir mit dem Bus zurück. Inzwischen hat sich der Himmel komplett zugezogen und es fängt an zu regnen. Leider hört es die ganze Nacht nicht mehr auf, sodass aus unserem letzten Highlight wetterbedingt nichts mehr wird. Wir hatten uns mit einem Guide und 2 anderen Reisenden zu einer nächtlichen Fahrt zum Gunung Sinabung verabredet, da man bei Ausbrüchen nachts die herabfließenden Lavaströme sehen können soll. Aber leider nicht wenn es regnet, sondern nur in klaren Nächten.

Trotzdem hat sich der Trip nach Berastagi für uns auf alle Fälle gelohnt. Und so sind wir immerhin ausgeschlafen für den anstrengenden nächsten Reisetag, der uns an den Toba See bringen soll…

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Erinnert ihr Euch noch? Von der laotischen Hauptstadt Vientiane sind wir Mitte Oktober über den Mekong zurück nach Thailand gefahren, um dort ein Moped zu suchen. Soweit der Stand im letzten Südostasien-Bericht aus Vang Vieng.

Zurück in Thailand werden wir noch am selben Tag in der Grenzstadt Nong Khai fündig. Nach einem Nachmittag Abfahren unzähliger Motorrad-Shops entdecken wir im Hinterhof einer Werkstatt einige Second Hand Maschinen zum Verkauf. Nachdem wir uns die verschiedenen Modelle von „sehr basic“ ‚a la erstes-Moped-mit-16 über „beliebt“ à la kultige-Honda-Win bis „luxuriös“ ‚a la asiatische-Familienkutsche-für 5-Personen angesehen haben, entschließen wir uns am nächsten Morgen direkt zum Kauf – aber wie das alles so war und was dann passiert, kann unsere Katze eigentlich viel besser erzählen!

UNSERE KATZE ERZÄHLT:

„Miau, Katze mein Name. Nicht Katze wie Stubenmieze, sondern Katze wie Wildtiger. Ich bin nämlich ein reinrassiges Moped der Marke Kawasaki, Modell 112 cc „Kaze“ mit semi-automatischem Kraftstrang auf der Hinterhand. Und mit Charakter. Nachdem das geklärt ist, will ich Euch mal verklickern, wie das so war, damals im Oktober 2014 im tiefen Isaan in Thailand. Alsooooo….

Ich dachte mir, ich spinne. Da steh ich hier nun schon fast 2 Jahre dösend im Halbdunkeln des Hinterhofs dieses Shops, in den mich mein Alter verkauft hat, als plötzlich dieses deutsche Backpacker-Pärchen mit den verwuschelten Haaren hier aufkreuzt und jede Menge Tumult reinbringt. Die versteht ja auch keiner. Nicht ein Wörtchen Thai sprechen die. Es ist ja nicht so, dass das hier Bangkok ist, wo jeder ein paar Brocken Englisch spricht. Das ist die tiefste, untouristischste Provinz Thailands hier, man.

Und die beiden wussten überhaupt nicht, was sie wollen. Nur günstig, das soll es sein. Und möglichst fahrbereit. Den Dicken neben mir, auf den die zwei mit ihren mitteleuropäischen Wohlstandshintern locker beide draufpassen, der sich aber auch nicht unter Wert verkauft, schauen sie sich lange an. Fahren ihn Probe. Genauso wie den Zwerg auf meiner anderen Seite, der für ´nen Appl und ´n Ei schonmal den Besitzer wechseln würde. Und der große, ich nenne ihn Uli den Lenker, schaut sich beide ganz genau von unten bis oben an. Sieht so aus, als ob der was davon versteht. Jedenfalls stellt er meinen Zwillingskumpel gleich wieder weg, als er merkt, dass er hinten plattfüßig ist. Als seine Freundin, ich nenne sie Biene die Sozius, auch noch mosert dass sie ihre Füße bei meinem Zwilling und mir nicht ausstrecken kann, ist der Fall für mich erledigt. Ich lass die beiden noch stundenlang weiter überlegen und hör gar nicht mehr hin, bis der Laden dicht macht.

Umso überraschter bin ich, als die beiden am nächsten Morgen wieder auf der Matte stehen. Und verkünden, sie hätten nochmal eine Nacht darüber geschlafen und wollen mich jetzt mitnehmen. Bitte was?! Klar, ich bin preis-leistungsmäßig große Klasse, aber hallo? Ich hab hier wohl gar nichts zu melden. Bei der Probefahrt zick´ ich also erstmal etwas rum, aber es hilft alles nichts. Uli der Lenker meint, dass er das schon alles hinbiegen kann. Na, das wollen wir ja mal sehen. Mit Händen und Füßen wird noch ein bisschen gehandelt, die beiden schlagen nagelneue Spiegel und einen Einkaufskorb für mich und einen farblich zu mir passenden Helm für sich raus und dann scheint mein Schicksal besiegelt. Noch während meine Haushälterin die Papiere umtragen lässt, werkelt Uli der Lenker schon an mir rum. Er prüft mich auf Herz und Nieren, verordnet mir als übervorsichtiger Deutscher eine Vorsorgeuntersuchung, zieht meine lockeren Schrauben nach und verpasst mir zu guter Letzt sogar noch einen Gepäckträger. Sieht gar nicht so schlecht aus. Auch die überlangen Fußpedale, die ich krieg, damit Biene ihre Hax´n bequem ausstrecken kann, machen was her.

Ich glaube fast, mit den beiden kann ich noch ´ne Menge Spaß haben. Als sie später allerdings mit ihrem gesamten Krempel ankommen, glaub´ ich eher, dass sie doch ´ne kleine Meise haben. Ich bin schließlich kein Lastesel. Wie soll ich die beiden, deren zwei 20 kg-Rucksäcke, ihren 5 kg Tagesrucksack samt Kleinkram bitteschön vom Fleck kriegen? Aber ich wäre schließlich keine Kawasaki, wenn ich das nicht mit links schultern würde. Ein großer Rucksack zwischen den Beinen von Uli dem Lenker, der andere auf dem Gepäckträger hinten, das Ersatzrad drunter (ich sag´s ja – übervorsichtige Deutsche) und den Tagesrucksack obendrauf – so hat Biene die Sozius und Fotografin beide Hände frei und sogar eine Rückenlehne zum anlehnen. Der Kleinkram wird im Einkaufskorb vorne verstaut.

Und dann wird´s spannend. Den ganzen Tag jagen mich die zwei über den Highway Richtung Osten, übernachtet wird im kleinen UNESCO Weltkulturerbe Dorf Ban Xai, in dem vor einigen Jahren uralte Werkzeuge von irgendwelchen Urmenschen gefunden wurden. Naja, Menschkram halt.
Dann geht´s weiter Richtung Osten. Mir schwant Böses – und ich sollte Recht behalten: Wir rasen geradewegs auf eine der 5 Freundschaftsbrücken der thai-laotischen Grenze zu. Ich hab´mich echt gefragt, ob die beiden wissen, was sie da tun. Denn die Brücken sind für Zweiräder tabu. Wie sich herausstellt, wissen die 2 das schon – und schicken mich auf gut Glück trotzdem mal auf die Brücke. Ich sag´s Euch – diese beiden! Ich stell mich also in bester Manier vor den thailändischen Grenzbeamten. Uli hält sich dezent im Hintergrund, während Biene als meine Besitzerin ihr Glück versucht und ganz überraschend erfährt, dass Zweiräder gar nicht auf die Brücke dürfen? Ach was?! Also fragt sie mal ganz nett den Beamten, ob es nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, ausnahmsweise…?! Und es klappt. Der Grenzbeamte willigt schließlich ein, uns über die Brücke zu lassen. An ihnen läge es ja nicht. Und sollten wir auf laotischer Seite nicht einreisen dürfen, dürfen wir auch wieder über die Brücke zurückkommen. Aber soweit kommt´s noch. Ich bekomme mein 30-Tage-Visum, beim Zoll hat auch alles seine Ordnung und dann lässt uns der Grenzbeamte durch die einzige Fahrbahnspur fahren, die nicht kamera überwacht ist 😀 Die Auch die Einreise auf der anderen Seite des Mekongs ist auch überraschend einfach: wenn wir jetzt schon mal da sind, können wir ja auch reinkommen. Ohne einen einzigen Cent Schmiergeld. Das hätten die 2 nicht gedacht.

Vielleicht bin ich damit das erste Motorrad, dass über diese Freundschaftsbrücke gefahren wurde 😀 Jedenfalls bin ich das erste Mal im Ausland und die zwei stecken mich mit ihrer Freude richtig an. Laos! Mensch, wer hätte das vor 2 Tagen schon gedacht, dass ich als wasserscheue Katze mal noch den Sprung über den Mekong schaffe und Thailand von außen sehe.

Vor Aufregung hab´ ich doch glatt eine dicke Wimper im Auge und kann mein vorderes Licht nicht mehr richtig kontrollieren. In vollkommener Dunkelheit geht es so in die 10 km entfernte Stadt Takhek. Da wird es den zwei oben drauf doch auch mal ein bisschen mulmig. Ohne Licht im Dunkeln von riesigen Lastern überholt zu werden macht denen wohl keinen Spaß. Die Fahrt auf der holprigen Buckelpiste – immerhin die Hauptverkehrsstraße des Landes von Nord nach Süd – sollte schon ein Vorgeschmack auf die Rumpelpisten der nächsten Wochen sein. Hätte ich gewusst, auf welche Straßen mich die zwei in diesem Land noch schicken würden, hätt´ ich ´mich vielleicht nicht so gefreut. Aber so bin ich noch gespannt auf die erste richtige Fahrt mit den beiden. Die Häuseransammlung Takhek ist nicht gerade ein gemütliches Plätzchen und so mach ich den 2 Feuer unter dem Hintern, damit wir am nächsten Morgen auch gleich zur Tour über das laotische Zentralplateau aufbrechen.

Los geht’s das erste Stück über die flache Ebene, zwischen Karstgebirgen durch und vorbei an den ersten Höhlen, in die die zwei eigentlich reinklettern wollten. Tja, wenn ich erstmal renne halte ich so schnell nicht mehr an. Und Schilder lesen müssten die beiden schon selbst. Die Landschaft ist auch so schön genug und ohne unnötigen Unterbrechungen kommen wir so schon gegen Mittag am Stausee an. Hier wurde vor ein paar Jahren ein nicht unumstrittener Stausee angelegt, um ein Wasserkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Dafür mussten über 1.000 Anwohner umgesiedelt werden, weil die existierenden Dörfer einfach geflutet wurden. In einem Land, in dem gefahrlos nutzbarer Boden eine Rarität ist, menschenrechtlich sehr schwierig. Rechtzeitig zur Mittagspause des eigentlich zur Besichtigung offenen Werkes sind wir an der Staumauer. Also wird auch aus dem Sightseeing-Programmpunkt nichts und wir düsen weiter. Am Stausee finden wir ein gemütliches Guesthouse und die zwei bestellen sich was zu knabbern. Das Sabaidee Guesthouse mit direktem Blick auf´s Wasser ist so gemütlich, dass die beiden doch glatt ein Mittagsschläfchen dranhängen und beschließen, heute nicht mehr weiterzufahren sondern sich für 5 € in einen der einfachen Holzbungalows mit Hängematte und direktem Seeblick einzumieten. Na, mir soll´s recht sein. Während ich mich in der Mittagshitze räkle, liegen die beiden in der Hängematte und erkunden die Umgebung zu Fuß. Abends sitzen sie mit den einzigen anderen Gästen, einem englischen Pärchen auf Asienreise, am Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten aus. Und einen Sternenhimmel gibt es hier, man o man. Keine störenden Lichter weit und breit lassen tausende Lichter am Firmament funkeln und die ein oder andere Sternschnuppe ist auch dabei. Biene kommt kaum ins Bett vor lauter glotzen.

Am nächsten Morgen geht´s trotzdem schon um 5:00 Uhr zum spektakulären Sonnenaufgang raus. Die 2. Etappe führt laut Loose über schlechte, unasphaltierte Straßen und die nächste Ortschaft ist erst nach 4 Stunden zu erwarten. Dort wollen die zwei vor der Mittagshitze ankommen. Und echt, die Straßen sind mies bzw noch gar nicht vorhanden, da erst noch im Bau. Zum Glück ist Uli der Lenker so ein passabler Fahrer. Ohne Sturz passieren wir so auch das steilste Stück, eine hügelige Sandpiste und schleichen vorbei an staubenden LKWs und eingegrabenen Wassergräben. Die nächste Ortschaft kündigt sich wie üblich mit winkenden Kindern in Schuluniform auf Fahrrädern und großen Staubwolken an. Eine Besonderheit ist der Affe, der angeleint vor einem Haus sitzt. Ein Wachaffe? Hier biegen wir nach Westen ab und düsen 2 weitere Stunden entlang durch ein herrliches Tal mit goldgelben Kornfeldern und grünen Wiesen, das von Karstbergen eingegrenzt ist.

Dann erreichen wir eins der großen touristischen Highlights von Laos: die Konglor Höhle. Für mich heißt das: Pause. Ich stell mich in den Schatten. Die 2 werden im Ruderboot über den Fluss zum Höhleneingang gerudert. Später erzählen sie, dass sie dort ihren Guide getroffen haben und ins nächste Boot gestiegen sind. Die Konglor Höhle wird auf 8 km von einem Fluss durchhöhlt und kann nur vom Boot aus erkundet werden. Sie ist eine der spektakulärsten Höhlen von Laos. Mit dem Motorboot geht es in rasanter Fahrt und in fast vollkommener Dunkelheit in den Höhlenschlund. Schnell ist es stockfinster und der Käpt´n orientiert sich im Zickzack-Kurs nur per Taschenlampe an Felsenmarkern, damit das Boot nicht an den spitzen Felsen schrofft. Zum Glück haben Biene & Uli ihre eigene Taschenlampe dabei, sonst wäre nicht viel zu sehen gewesen von den beeindruckenden Formationen im Felsenlabyrinth. Nach einigen Stromschnellen steigen sie in der Mitte der Höhle aus. Hier geht es zu Fuß über die Sandsteinfelsen an einer Seite der Höhle. Zu sehen gibt es toll geformte Stalagniten und Stalaktiten in verschiedenen Formen. Zu sehen sind sie wirklich, denn dieser Teil der Höhle wird per Lichtschalter mit Strahlern ausgeleuchtet.

Drumrum nehmen wir dem Tag an Wetter alles mit, was Petrus zu bieten hat: ein wunderschöner, wolkenloser Sonnenaufgang, auf einen Schlag wolkenverhangenen Himmel mit Nebel, gleißend heiße Mittagssonne, Windböen, Sommergewitter mit Platzregen, dramatisches Abendlicht. Bevor wir an Übernachtungsstopp ankommen, wird es mal wieder Nacht. Das mit dem Timing haben die zwei noch nicht so raus. Über die stockdunkle Schotterstraße geht es vorbei an unbeleuchteten Kühen, Mopeds und Traktoren zum Glück heil in den nächsten Ort Kong Kham.

Der dritte Tag der Tour kann landschaftlich mit den ersten beiden nicht mithalten. Auf dem Highway Nr. 13 (= wieder die schlechteste Hauptverkehrsstraße eines Landes) geht es nach einem steilen Anstieg mit noch toller Aussicht über das Hochplateau schnurgerade und wenig spektakulär zurück nach Takhek. Skurriles Highlight auf dem Weg: eine an einem Seil 1 Meter über die Straße baumelnde tote Ratte. Schlangenfänger? Oder Verkaufswerbung?
In Takhek holen wir die großen Rucksäcke der beiden im Hostel ab, wo wir sie während der Tour zwischen geparkt haben. Zwar war mein bewachter Parkplatz ganz nett, aber die Zimmer der Travel Lodge waren genau wie Takhek selbst wohl etwas ungemütlich. Deshalb wollen die zwei gleich weiter fahren. An mir soll´s nicht liegen. Aber dass mir nachher keiner jammert, dass das Sitzfleisch schmerzt.

Biene die Navigatorin sucht uns als Alternative zum Highway 13 ein kleines Sträßchen am Mekong entlang raus. Durch kleine Dörfer geht es schön entspannt Richtung Süden. Am nächsten Tag ist es mit der Entspannung vorbei. Dort erwartet mich ein Abenteuer mit den beiden, dass ich mir so nie hätte träumen lassen! Ich hab es ja schon am Anfang vermutet – ein bisschen verrückt sind die zwei auf jeden Fall… Ich sag´nur: Der Dschungel ruft!

Von A nach Z in Myanmar

Von A nach Z in Myanmar

Von außergewöhnlichen Transportmitteln und Erlebnissen on the road

Die Transportmittel in Myanmar sind so exotisch wie verschieden. Außerdem sind wir in den 4 Wochen quer durch das Land gereist und haben so zahlreiche Stunden auf der Straße verbracht. Deshalb widmen wir diesem Thema einen eigenen Eintrag in unserem Reisetageblog.

DIE TRISHAW

Diese Fahrradtaxis haben ähnlich den bekannten Fahrrad-Rikschas einen kleinen Beiwagen. Allerdings nicht hinter, sondern neben dem Fahrrad. Auf diesem können Rücken an Rücken 2 Passagiere Platz nehmen. Die Sitzbreite ist dabei noch nicht auf die breiteren Wohlstandshintern westlicher Touristen ausgelegt. 😉 Dann geht die Fahrt je per Muskelkraft des Fahrers mehr oder weniger rasant los. Wir fuhren damit einmal durch Yangon und in dem chaotischen Verkehr waren wir ganz froh, als wir wohlbehalten an unserem Ziel ankamen. Einst waren die Trishaws das Symbol für das brodelnde, burmesische Großstadtleben. Heute versucht die Regierung die Trishaws als „Verkehrshindernisse“ oder auch „Symbole der Armut“ aus den Innenstädten zu verbannen. (Leider haben wir es verpasst, davon ein gutes Foto zu schießen)

PICK-UPS

In verschiedenen Größenordnungen fungieren die Pick-ups als Sammeltaxis. Sie fahren bestimmte Routen ab und fahren meist erst dann los, wenn sie ganz voll sind. Die Fahrpreise sind günstig. Von Vorteil sind etwas Abenteuerlust und ein gutes Sitzfleisch, um an den meist schaukelnden und ruckeligen Fahrten Spaß zu finden.
Die meisten Pick-ups sind mit einer Dachplane ausgestattet, die vor Sonne und Regen schützt. Die Passagiere sitzen mehr oder weniger zusammengepfercht auf den längsseitigen Bänken auf der Ladefläche. Für die vorderen Sitze in der Fahrerkabine muss mehr bezahlt werden. Und sind die Bänke hinten voll, werden nicht selten noch Plastikhocker in der Mitte aufgereiht. Einer passt immer noch rein.

 BUSSE

Die an sich unspektakulären Vehikel bekommen ihren Besonderheitswert daher, dass es sich dabei – abgesehen von den meisten VIP-Touristen-Bussen – um wahre Oldtimer handelt. Was in China aus dem Straßenverkehr ausgemustert wird, wird hier noch viele weitere Jahre als Linienbus eingesetzt. Und wenn die Türen nicht mehr in den Halterungen halten, können sie ja immer noch mit Seilen festgemacht werden. Und wer braucht schon durchgehend Fenster? Auch ein bisschen Wasser, das bei Regen durch das Dach tropft, hat noch keinem geschadet. Auf längeren Fahrten werden regelmäßig alle 2 Stunden Pausen eingelegt. Was tagsüber zum Beine ausstrecken sehr angenehm ist, uns nachts aber des öfteren aus dem mühsam erkämpften Schlaf gerissen hat. Für längere Strecke und auf der Hauptroute der Nord-Süd-Achse sind Busse die Hauptverkehrsmittel. Die Eisenbahn ist hier nicht wirklich konkurrenzfähig 😉

DIE EISENBAHN

Ein Highlight und Erlebnis gleichermaßen ist eine Fahrt mit der burmesischen Eisenbahn! Im Vorfeld hatten wir schon einige Male gelesen, dass eine Fahrt auf Schienen in Myanmar ein einmaliges Erlebnis ist. Andere Reisende, die bereits mit der Eisenbahn gefahren sind, erzählten uns die lustigsten und haarsträubendsten Anekdoten. Für uns war klar: Wir wollen TschuTschu fahren. Wir hatten uns für unsere Fahrt auf den Gleisen eine der ältesten Bahnstrecken Myanmars ausgesucht: Die Fahrt von der Bergstadt Pyin Oo Lwin nach Hsipaw im Nordosten des Landes. Die Strecke verläuft durch eine tolle Berglandschaft und über die berühmteste Eisenbahnbrücke Mynamars – das Gokteik-Viadukt. Diese ist seit 1901 in Betrieb, 111 m hoch und wird äußerst vorsichtig im Schritttempo befahren – perfekt für leidenschaftliche Reisefotografen 😉

Genau 2 Züge verkehren täglich zwischen Lashio, der chinesischen Grenzstadt im Nordosten und Mandalay. Einer „up“ nach Norden, einer „down“ in die Gegenrichtung.
Aus unserer geplanten Fahrt wurde aber zunächst nichts. Als wir in Pyin Oo Lwin morgens 1 Stunde vor Abfahrt am Bahnhof im Kolonialstil eintrafen, erfuhren wir, dass heute kein Zug fahren würde. In der Nacht zuvor war bei einem Unwetter ein Erdrutsch auf den Schienen nieder gegangen, wodurch die Strecke unpassierbar war. Der nächste Zug würde evtl. in 3 Tagen fahren, genau konnte das noch niemand sagen. Also fuhren wir erst einmal mit dem Bus nach Hsipaw, um dann den Rückweg mit dem Zug zurückzulegen.

Die luftige Fahrt war in der Tat ein Erlebnis. Das Ticket kostete uns knapp 1 USD – für 7 Stunden Fahrt. Mit dem Bus hatten wir 4 Stunden für dieselbe Strecke benötigt. Warum, wurde uns schnell bewusst, als der Zug sich ruckelt in Bewegung setzte: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Eisenbahn lag bei ca. 15 km/h und abschnittsweise hatten wir das Gefühl, mehr seitwärts zu schwenken als vorwärts zu fahren. Munter hüpften wir auf unserer Sitzbank auf und ab. Was zum größten Teil daran lag, dass die verlegten Schienen mehrheitlich noch original aus der Kolonialzeit stammen. Teilweise waren sie bereits so überwuchert, dass sie nicht mehr zu erkennen waren.

Wir hatten Holzklasse gebucht. Und sie machte ihrem Namen alle Ehre: Die Sitzbänke waren tatsächlich aus Holz. Fenster gab es keine – fuhr der Zug durch den Wald, mussten wir schnell genug die Köpfe einziehen. Für Proviant war reichlich gesorgt, an den Bahnsteigen warteten immer schon Frauen, die mit Körben auf dem Kopf Getränke und Snacks anboten und an der Handvoll Bahnhöfe entlang der Strecke wurde richtig gekocht. Wir hatten einen Riesenspaß auf der Fahrt. Auch die Einheimischen freuten sich über unsere Anwesenheit, wollten uns großzügig mit Nüssen und Obst versorgen, uns an ihrem Kartenspiel teilhaben lassen und sich mit uns unterhalten. In der Regel fahren Touristen in der etwas komfortableren Upper Class.

Und so sah die aufregende Fahrt live aus unserer Perspektive aus:

DIE PFERDEKUTSCHE

Ebenso wie die Eisenbahn sind auch die Pferdekutschen noch ein Relikt aus der Kolonialzeit und die an einigen Orten üblichen Transportmittel für kürzere Strecke innerorts. Teilweise sind es sogar noch wunderschön bemalte, originale Holzkutschen aus den 20er-Jahren. Während an den touristischen Hauptorten wie Bagan oder dem viel besuchten Pyin Oo Lwin die Kutschen schon eher zu einer Touristenattraktion werden, sahen wir in den abgelegenen Orten und außerhalb von Mandalay, dass die Kutschen auch für die Einheimischen oft das Transportmittel der Wahl sind.

DER OCHSENKARREN

Weniger als Personenbeförderungsmittel, dafür aber in großem Stil in der Landwirtschaft im Einsatz. Die Bestellung der Felder findet hier größtenteils tatsächlich noch mit dem Ochsenkarren statt. Gemächlich ziehen jeweils 2 mächtige Ochsen die hölzernen Wägen über die holprigen Straßen zu den Feldern, angetrieben und auf Spur gehalten mit einem dünnen Ast als Peitsche. Wir konnten gar nicht genug staunen, wenn wir diese in Deutschland längst ausgestorbenen Gefährte erspähten!

DAS FAHRRAD

An den touristischen Orten wie Bagan, Yangon, Mandalay oder dem Inle-See vermieten viele Hostels und Verleihe tageweise Fahrräder. Im Angebot sind größtenteils recht klapprige, chinesische Modelle, mit denen noch richtiges Entdeckerflair aufkommt 🙂 In Yangon würden wir eher nicht mehr Fahrrad fahren, durch den chaotischen Verkehr kamen wir auf dem Drahtesel mittendrin ziemlich verloren vor und auch die vielen Einbahnstraßen machen das Vorwärtskommen hier ziemlich unübersichtlich. Am Inle See haben wir eine tolle Tagestour am See entlang und zu einem Weingut auf dem Berg unternommen. Und in Bagan hatten wir für die Erkundung der antiken Pagoden 2 Tage lang das absolute Non-Plus-Ultra unter den Rädern: Ein Elektro-Fahrrad. Bei den heißen Temperaturen, die dort herrschten und uns bereits zum Sonnenaufgang beim radeln ins Schwitzen gebracht hatten, genau das Richtige.
Ach ja, Radeln mit dem Longyi will geübt sein 😉

 

DAS BOOT

Wir selbst sind nicht auf einem der Flüsse gefahren, weil es sich einfach nicht passend ergeben hat. Von anderen Reisenden hörten wir aber, dass die Strecken auf dem Ayeyarwaddy und den Thanlwin meist recht schön aber zum Teil evtl. etwas eintönig sind, da die Landschaften flach und die Flüsse jetzt in der Regenzeit sehr breit sind. Typische Strecken sind auf dem Ayeyerwaddy von Mandalay nach Bagan oder auf dem Tschaldwin zwischen Hpa An und Mawlamiayng.

 

DIE STRAßEN

Nicht jeder Kilometer, der befahren wird, hat den Namen Straße verdient. Die mit Abstand am besten ausgebaute Straße ist der Highway zwischen Yangon und Mandalay. Die meisten anderen Straßen sind ziemliche Schlaglochpisten. Rund die Hälfte der Straßen, die wir befuhren, waren asphaltiert, der Rest Kieswege und unbefestigte Staubpisten. Außerdem entdeckten wir die Kunst des langsamen Reisens nochmal neu: für 150 km sind wir geschlagene 8 Stunden Bus gefahren.
Eine Besonderheit ist, dass zwar Rechtsverkehr herrscht, die meisten Autos und Busse aber dennoch die Lenkräder auf der rechten Seite haben. Das hat seinen Ursprung darin, dass ein ranghoher Offizier einst übernacht landesweit den Verkehr von (seit der Kolonialzeit herrschendem) Links- auf Rechtsverkehr umstellen ließ. Angeblich, weil ihm von einer Wahrsagerin prophezeit wurde, dass er einmal auf der linken Straßenseite ums Leben kommen wird.

Kaum zu glauben, aber wahr: An einer der zahlreichen Baustellen konnten wir beobachten, dass der Straßenbelag hier noch VON HAND gelegt wird. In Akkordarbeit legten rund ein Dutzend Frauen große und kleine Steine passen zurecht, bevor diese festgewalzt und mit Bitumen übergossen wurden.

Auch sonst tummelt sich noch allerlei exotisches Gefährt auf den Wegen:

 

Oh, und ein Transportmittel hätten wir beinahe vergessen: das CHINESE HORSE. Das ist das wohl meist verbreitetste Fortbewegungsmittel für jedermann. Ein Auto fahren hier nur die wenigsten. Was dem Deutschen sein Auto ist, ist dem Burmesen sein Moped. Das "Chinese Horse" steht dafür für die Modelle aus China. Das sind die günstigsten auf dem Markt. Wer es sich leisten kann, fährt aber viel lieber Honda! 😀

(Wir beschränken uns hier auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Für den gehobenen Geldbeutel gibt es zusätzlich fast überall noch die Möglichkeit einen Mietwagen inkl. Fahrer zu chartern oder ins Flugzeug zu steigen-wobei der Besonderheitswert hier eindeutig abnimmt 😉 )

Der wilde Westen Chinas – unterwegs auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway

Der wilde Westen Chinas – unterwegs auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway

Der Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway ist einer der legendäreren Highways Chinas. Ihn zu erwähnen sorgt für große Augen. Bei denen, die noch nie dort waren gleichermaßen wie bei denen, die ihn schon befahren haben. Bei Ersteren vor Abenteuerlust und Hinwollen, bei der 2. Gruppe vor lebhafter Erinnerung an diese Straße mit der unspektakulären Nummer G312.

Warum?

Wie es der Name vermuten lässt, verläuft der Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway von der südlichen Provinz Yunnan über den dünn besiedelten Westen Sichuans bis hinauf nach Tibet, wo man nach mehr als 2.000 Kilometern die Hauptstadt Lhasa erreicht. Die Strecke führt entlang der Ausläufer des Himmalaya-Hochgebirges und verläuft den größten Teil auf Höhen ab 3.000 Metern ü.M. Die zu überquerenden Bergpässe steigen in aufeinanderfolgenden Haarnadelkurven auf bis zu 5.000 Meter an. Die Aussichten sind beeindruckend und die Landschaft verändert sich quasi mit jedem Kilometer. Im Winter sind die Straßen oft tagelang unpassierbar und auch bei starkem Regen kann es gut sein, dass man mehrere Stunden feststeckt.
Wem das noch nicht spektakulär genug ist: abschnittsweise sind die Straßen nur Schotter- oder Lehmpisten, Fahrbahnmarkierungen gibt es nicht und neben der Fahrbahn geht es meist begrenzungslos mehrere hundert Meter steil abwärts. Der chinesische Fahrstil trägt vielleicht auch seinen Teil zum führenden Rang in den Unfallstatistiken bei…

All diese Eigenschaften zusammen machen die Straße laut Reiseliteratur zu einer der schönsten, höchsten, spektakulärsten wie auch zu einer der aufregendsten und gefährlichsten Straßen der Welt. Wir haben sie abschnittsweise befahren und glauben beides auf’s Wort.

IM BUS MIT JACKIE CHAN

Insgesamt waren wir 11 Tage in 5 Etappen unterwegs. Von Leshan aus führt uns unser Weg zunächst in 2 Bustagen à jeweils 9 Stunden nach Westen. Unser erster Bus ist vollklimatisiert und komfortabel. Er ist sogar mit einem TV ausgestattet. In diesem laufen die komplette Fahrt über chinesische Kongfu-Filme. Jackie Chan sitzt quasi zwischen uns, da wir direkt unter einem der Lautsprecher sitzen… Biene ist trotzdem froh, dass keine Karaoke läuft, das hatte sie nämlich schon auf einer anderen Fahrt in 2009 und gegen lauthals singende Chinesen kommen auch nicht Jackie Chan´s Kampfstöhner an 😀 Auch am zweiten Tag erwischen wir einen recht komfortablen Bus, was wir durchaus zu schätzen wissen, da die Stoßdämpfer nun schon mehr gefordert werden.

WE GO WEST

Die Landschaft auf diesem zweiten Abschnitt verwandelt sich von ineinander übergehenden Städten über tiefe Schluchten in weites Grasland. Auf steilen Bergkämmen geht es hinauf auf 4.000 Meter und mit jedem Höhenmeter kam uns der Himmel bildlich ein Stückchen näher vor und die Luft wurde dünner, klarer und reiner. Zunehmend grasen Yakherden neben der Straße und die Siedlungen sind schon von weitem zu sehen mit ihren weissen Blockhäusern und schwarzen Dächern. In dieser Gegend wird Grüntee zu Buttertee, ni hao zu tashi delegh und der in China weit verbreitete Konfuzinismus geht in Buddhismus über. Für Tibeter ist diese Region die tibetische Provinz Kham, die das östliche Drittel des tibetischen Hochplateaus einnimmt. Für uns als Reisende ist diese Region – ohne politische Wertung, sondern subjektiv aufgrund unserer Eindrücke – ebenfalls zu Tibet gehörig.

Deshalb haben wir unsere Erlebnisse auf unserem mehrtägigen Zwischenstopp in Kangding und in dem Städtchen Litang in einem Extra-Bericht festgehalten: Die vergessene tibetische Provinz Kham

Bei Litang teilt sich der Highway in den nördlichen und den südlichen Highway. Für Ausländer (auf chinesischen Schildern auch oft taktvoll als „Aliens“ betitelt) ist der Highway nur streckenweise geöffnet. Richtung Norden endet die Reise 38 km weiter am Grenzübergang in die autonome Region Tibet (TAR). Als nicht-chinesischer Staatsbürger bekommt man für die weitere Strecke keine Bustickets und auch die hier zahlreich stationierten Polizisten machen nicht den Eindruck, als würden sie ab und an ein Auge zudrücken. Die Einreise in die TAR ist streng reglementiert und für Ausländer nur per Flugzeug oder mit dem Zug vom Qinghai-Hochplateau her erlaubt, nicht aber überland von Sichuan aus.

DURCH DIE HINTERTÜR NACH YUNNAN

Daher biegen wir hier auf den Highway nach Süden ab, um weiter in die Provinz Yunnan zu reisen. Unser nächstes Ziel heißt Shangri-La …ohne „Hotel“ hinten dran 🙂
Für die 400 km dorthin benötigen wir 2 weitere Tage. Zunächst geht es in 8 Stunden knapp 250 km weit. Von 4.000 Höhenmeter geht es hinab auf 3.300 Meter. Langsam verändert sich die Landschaft wieder – aus der hochalpinen Geröll- und Felsenhängen mit tiefen Schluchten werden mehr und mehr Nadelwälder, vereinzelt durchzogen von Flüssen und grünen Wiesen. Die weite, für chinesische Verhältnisse noch sehr ursprüngliche Berggegend hier ist bis heute wenig entwickelt und wir sehen beim Blick aus dem auf und ab hüpfenden Busfenster nur vereinzelt kleinere Hütten.

Nach einer Übernachtung auf halber Strecke in Xiangcheng sind es nochmals 9 Stunden über Stock und Stein hinunter nach Shangri-La. Und unserem Gefühl nach fühlen wir jeden einzelnen dieser Steine. Die Straßen sind schon lange nicht mehr eben oder geteert, sondern wilde Schotterpisten und auch der Standard der Busse ist nicht mit den ersten beiden zu vergleichen. Die 9-stündige Rüttelmassage ist sozusagen im Fahrtpreis inklusive. Dafür gibt es aber auch keine Kongfu-Filme. 😀

DER SEHNSUCHTSORT SHANGRI-LA

Diesen sagenumwobenen Ort gibt es tatsächlich. Zumindest, wenn es nach den chinesischen Tourismusbehörden der Provinz Yunnan geht 😀 Diese erklärten Anfang der 90er-Jahre den ursprünglich Zhongdian benannten Ort zu dem Ort, an dem der später verfilmte Roman „Lost Horizon“ von James Hilton spielt.

Dass die fiktive Handlung an einem fiktiven Ort statt findet, tat dem daraus resultierenden Hype um diesen Ort keinen Abbruch. Nach den beiden Orten Dali und Lijiang entwickelte sich so auch Shangri-La Anfang der 90er Jahre zu einem Mekka für individuell reisende Touristen. In den letzten Jahren entdeckten chinesische Touristengruppen das ehemals kleine Dörflein für sich, gleichzeitig flachten die Ströme internationaler Besucher etwas ab. Zurück geblieben sind eine schöne Altstadt mit rund 300 Jahre alten Holzhäusern; viele Cafés, in denen sich neben grünem Tee auch Latte Macchiato auf den Menüs findet und eines der bedeutendsten buddhistischen Klöster Westchinas. Tragischerweise wurden ca. drei Viertel der Altstadt bei einem verheerenden Großbrand im Januar 2014 zerstört.
Als wir hier ankommen, machen wir uns wie meist an einem neuen Ort zuerst auf eine Erkundungstour zu Fuß. Auf unserem Weg Richtung Altstadt sind die Auswirkungen des Feuers nicht zu übersehen: ganze Straßenzüge sind nur noch Schutt und Asche. Die Wiederaufbauarbeiten sind in vollem Gange. Wir schlendern durch die Gassen der noch verbliebenen Altstadt und finden abseits der touristisch aufbereiteten Sehenswürdigkeit eine sympathische, entspannte Kleinstadtatmosphäre.
Obwohl die Stadt quasi über Nacht zu einer Touristendestination katapultiert wurde, konnte sie sich den Flair eines relativ unbelangten Bergdorfes in Teilen erhalten. Wir lassen uns davon anstecken und als es am nächsten Tag in Strömen regnet und wir eigentlich eine Radtour in die umliegenden Wälder unternehmen wollen, ärgern wir uns nicht lange, sondern lehnen uns zurück und verbringen den Tag gemütlich auf dem überdachten Balkon unseres Hostels. It´s Shangri-La Time 🙂

LOST IN IJIANG

Für den letzten Streckenabschnitt nehmen wir noch einmal den Bus. Eine andere Möglichkeit hätten wir auch gar nicht. Zugverbindungen gibt es hier oben (noch) nicht. Auf eine abermals holprige Fahrt gefasst, werden wir positiv überrascht: In diese Richtung sind die Straßen bereits wieder top ausgebaut. Von den Schotterpisten der vergangenen Tage zurück auf sechsspurige Highways. Die chinesische Zivilisation hat uns wieder. Zum ersten Mal schlafen wir im Bus ein – die Fahrt war einfach so geschmeidig. Nach 4 Stunden erreichen wir Lijiang.

Auch hier finden wir eine architektonisch herrliche Altstadt mit schönen dunklen Holzhäusern. Lijiang war lange Zeit die Hauptstadt der ethnischen chinesischen Minderheit Naxi. Als im Jahr 1996 ein schweres Erdbeben große Teile der Region dem Erdboden gleichmachte, wurde Lijiang im Stil der alten Naxi-Bauten wieder aufgebaut. Der Stadtkern gehört seitdem zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Altstadt ist komplett autofrei und durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen ziehen sich unzählige kleine Bäche, die mit zunehmender touristischer Entwicklung aber leider nicht mehr wie ursprünglich zum waschen sowie als Trinkwasser oder zum Gemüse putzen dienen.
Aus den schönen, dunklen und meist zweistöckigen Holzhäusern der Altstadt sind die ursprünglichen Bewohner aufgrund gestiegener Preise längst ausgezogen. Dafür sind Souvenirshops, Kunstgallerien, Restaurants, Teehäuser und kleine Hotels eingezogen.
Lijiang ist sehr touristisch. Keine Frage. Als wir ankommen, kommen wir mit unseren Rucksäcken kaum durch die Gassen hindurch, so voller chinesischer Touristen sind die kleinen Sträßlein. Auf der Suche nach einem Hostel verirren wir uns in dem Labyrinth aus engen Gassen, Windungen und Häuserecken. Dadurch landen wir in Gassen, die etwas abseits liegen und nicht so überlaufen sind. Wir genießen die kurzen Momente der Ruhe, bevor wir um die nächste Ecke biegen und uns wieder mittendrin im Getümmel befinden.

Abends sind die Straßen der Altstadt schön beleuchtet. Die vielen Tagestouristen sind in ihren Bussen abgefahren und wir hören das Wasser in den Bächen plätschern, als wir durch die leeren Gassen schlendern. Aus den Bars hören wir Gitarren-Livemusik und genießen die friedvolle Atmosphäre, die mit Eintritt der Dunkelheit Einzug gehalten hat.

Am nächsten Morgen unternehmen wir einem Spaziergang in den 7-Dragons-Pool-Park. Hier scheuen wir abermals den hohen Eintritt für ein Stück Natur und suchen uns unseren Weg balancierend über den Fluss daneben. Wie wir kurz darauf sehen, ist das sogar der „offizielle“ Eingang für die Touristenschmuggler 😀 Nachdem wir im Anschluss noch den Elephant Hill besteigen (was bei 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit eine sehr schweißtreibende Angelegenheit ist) und eine tolle Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge erreichen, steigen wir in den Zug, der uns über Nacht nach Kunming bringt, die Haupstadt Yunnans.

UNSER FAZIT:
Die Reise auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway ist so abenteuerlich, wie sie beschrieben wird. Die Landschaft ist spektakulär und wir konnten nochmal einen Blick auf das alte, ursprüngliche China mit seinen abgeschnittenen Bergdörfern, Eselkarren und vielfältigen ethnischen Minderheiten erhaschen. Wer es im Bus gerne bequem hat oder leicht reisekrank wird, sollte sich allerdings gut überlegen, ob er die taffen 5-6 Reisetage erleben möchte. Auch wer eine schwache Blase hat, sollte sich darauf einstellen, dass die 2. Hälfte der neunstündigen Busfahrten einem sehr lange vorkommen können und man die Landschaft vielleicht nur mit einem durch die Zähne gepressten Lächeln genießen kann.
Uns hat es sehr gut gefallen!

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